Afghanistan
Drei Bundeswehrsoldaten bei Kundus getötet

Nahe der nordafghanischen Stadt Kundus sind am Dienstag drei Soldaten der Bundeswehr bei schweren Kämpfen getötet worden. Das bestätigte Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Die deutschen Soldaten waren in einer gemeinsamen Operation mit afghanischen Sicherheitskräften unterwegs.

HB BERLIN. Die Soldaten seien im Rahmen von Gefechtshandlungen gefallen, sagte Jung. In Bundestagskreisen hieß es, sie seien bei einem Ausweichmanöver mit ihrem „Fuchs“-Panzer in einen Wassergraben gerutscht und in dem auf dem Dach liegenden Fahrzeug eingeschlossen worden. Laut afghanischen Angaben sollen sie ertrunken sein. Das sagte der Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammed Omar, "Spiegel Online". Omar beschrieb den Vorfall deckungsgleich mit den Informationen der Bundeswehr, denen zufolge ein "Fuchs"-Transportpanzer nach einem heftigen Angriff der Taliban auf eine Patrouille der Bundeswehr und afghanischer Sicherheitskräfte in der Region Charreh Darreh rund sechs Kilometer südwestlich von Kundus-Stadt bei einem Ausweichmanöver in einen Graben gefallen sei.

"Nachdem das Fahrzeug in den Wassergraben gefallen war, gelang es nicht, die deutschen Soldaten schnell genug herauszuholen", sagte Omar. Tragischerweise seien die Soldaten wenig später ertrunken. Gouverneur Omar sagte, bei der Patrouille habe es sich um deutsche Spezialkräfte - gemeint sind die Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe QRF -, afghanische Soldaten und Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes NDS gehandelt. Die Soldaten seien in der Ortschaft Amanullah angegriffen worden, die als Hochburg der Taliban gilt.

Trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche durch zwei Arzttrupps vor Ort seien die Soldaten gestorben. Die Zahl der in Afghanistan getöteten Bundeswehr-Soldaten erhöht sich damit auf 34.

Die deutsche Patrouille sei am Morgen etwa sechs Kilometer südwestlich von Kundus von Aufständischen mit Panzerfäusten und Handwaffen angegriffen worden, erklärte die Bundeswehr. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und Luftunterstützung und Reservekräfte angefordert.

Die Region Kundus ist mit Abstand der gefährlichste Einsatzort der Deutschen am Hindukusch. In den vergangenen Jahren war die Bundeswehr dort immer wieder Ziel von Anschlägen, Raketenangriffen und zuletzt auch vermehrt von militärisch geplanten Hinterhalten, die mehrfach zu stundenlangen Gefechten führten. Immer wieder wurden in der Gegend deutsche Soldaten getötet.

In jüngster Zeit ist die Zahl der Angriffe auf die Bundeswehr stark gestiegen. Von 34 Attacken mit Beschuss oder Sprengfallen in diesem Jahr ereigneten sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums von Anfang Juni allein 30 in Kundus. Erst vor zwei Wochen wurden zwei deutsche Soldaten bei Kämpfen nahe Kundus verwundet. Anders als in die übrigen Einsatzgebieten der Bundeswehr im Norden Afghanistans leben in Kundus auch viele Angehörige der paschtunischen Volksgruppe, aus der sich die islamistischen Taliban rekrutieren.

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