Afghanistan-Einsatz
Die Kanzlerin im Schatten des Krieges

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan wird zum Wahlkampfthema. Das hat sich Angela Merkel so nicht vorgestellt. Noch lässt die Kanzlerin ihren Verteidigungsminister aber nicht fallen.

BERLIN. Es hätte sein großer Tag werden können. Als am Dienstag das Ehrenmal für die deutschen Soldaten in Berlin eingeweiht wurde, hätte das der Höhepunkt in der vierjährigen Amtszeit von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sein können - und der krönende Abschluss eines großen Projekts, das er zu seiner persönlichen Sache gemacht, das er gegen alle Widerstände durchgesetzt hatte.

Mit dem Ehrenmal im Bendlerblock, der Heimat des Verteidigungsministeriums in Berlin, wollte Jung an die enormen Risiken erinnern, die Soldaten im Dienst auf sich nehmen. Doch dafür braucht es jetzt kein Ehrenmal mehr.

Seit Ende vergangener Woche, seitdem auf Anforderung der Bundeswehr die Bomben amerikanischer Kampfjets zwei Tanklastwagen in der Nähe des deutschen Feldlagers im Norden Afghanistans zerfetzten, bestimmt dies die Debatte über Sinn und Unsinn der Mission am Hindukusch und die Diskussion über die Gefahren, denen die Bundeswehr ausgesetzt ist. In den trägen Sommerwahlkampf knallten die Meldungen von womöglich bis zu 135 auch zivilen Opfern Ende wie ein Peitschenhieb. Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist im Wahlkampf angekommen.

Und statt feierlicher Bilder von der Einweihung des Ehrenmals stehen die Fotos von Jung, wie er in der Öffentlichkeit den Luftangriff in Afghanistan zu rechtfertigen versucht, im Vordergrund. Ebenso wie von der Kanzlerin, die rückhaltlose Aufklärung dessen verspricht, was in Kundus vorgefallen ist. Denn noch sind viele Fragen offen.

Hat der deutsche Oberst Georg Klein den Angriff der Amerikaner ohne ausreichende Informationen eingeleitet? Hätte die Bundeswehr die Tanklaster nicht mit der Hilfe von Bodentruppen in ihre Gewalt bringen können? Hat Verteidigungsminister Jung die Öffentlichkeit das ganze Wochenende lang bewusst in die Irre geführt, als er davon sprach, dass keine Zivilisten unter den Toten seien?

Es ist Guido Westerwelle, der gestern, in der letzten Bundestagsdebatte vor der Wahl, die wahre Bedeutung des tragischen Bombenangriffs offen ausspricht. "Alle diejenigen, die für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gestimmt haben, dürfen sich jetzt keinen schlanken Fuß machen", warnt der FDP-Chef. "Hier geht es nicht um Wahlkampf und nicht um Parteien, hier geht es um unser Land."

Dennoch: Die Versuchung ist hoch, im Schlussspurt des Wahlkampfs Punkte zu sammeln, indem man sich von der unpopulären Mission der deutschen Soldaten am Hindukusch distanziert. Die Kanzlerin weiß das.

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