Afghanistan
Elite-Einheit KSK soll Luftangriff mitgeführt haben

Die Bundeswehr-Elite-Einheit KSK soll maßgeblich an dem umstrittenen Angriff auf zwei Tanklastzüge nahe Kundus beteiligt gewesen sein. Unterdessen verkündete der Opferanwalt die Ergebnisse seiner Recherchen in Afghanistan, wie viele Menschen durch die Bombardierung getötet wurden.
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HB BERLIN/HANNOVER. Über die KSK-Beteiligung schreibt die „Bild-Zeitung“ unter Berufung auf Bundeswehr-Kreise und -Berichte. Im deutschen Feldlager Kundus sei demnach der gesamte Einsatz – vom ersten Hinweis eines afghanischen Informanten bis zur abschließenden Entscheidung, zu bombardieren – aus einem Kommandostand einer geheimen Einheit „Taskforce 47“ (TF47) geführt worden. Diese Task Force besteht zur Hälfte aus KSK-Elite-Soldaten.

Wie viele Menschen bei dem Luftangriff ums Leben kamen, ist unklar. Ein Untersuchungsbericht der afghanischen Regierung sprach von 30 toten Zivilisten, ein geheimer Nato-Bericht geht von bis zu 142 Toten insgesamt aus. Nach Recherchen des Bremer Opferanwalts Karim Popal wurden bei dem Angriff mindestens 137 Zivilisten getötet. „Nach unseren Informationen sind 137 Menschen ums Leben gekommen, 22 sind verschwunden, und es gibt 20 Verletzte“, sagte Popal der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ und fügte hinzu: „Wir haben allein 91 Witwen von Opfern des Bombardements und 163 Waisenkinder registriert.“

Zusammen mit seinen Anwaltskollegen habe er sechs Wochen lang in Kundus recherchiert. Popal betonte, dass sein Team „mit absoluter Sicherheit korrekt recherchiert“ habe. „Wir haben Ausweisdokumente von Opfern und Angehörigen und die Personalien aufgenommen“, sagte er. „Wir sind auch bereit, DNA-Tests durchzuführen.“ Niemand wolle, dass „Geld an die Taliban fließt“, erklärte der afghanischstämmige Anwalt aus Bremen. „Es geht um Hilfe für die Familien, für die Witwen und die vielen Waisenkinder.“

Popal sagte, dass die Bundesregierung eine Entschädigung an die Opfer zahlen wolle, sei eine „weise Entscheidung“ gewesen. Allerdings sei einer Witwe in Afghanistan mit der reinen Geldzahlung nicht geholfen. „Sie darf sich nicht selbstständig machen und kann schnell Opfer von Kriminellen werden. Die Bundesregierung muss den Opfern der Angehörigen helfen und für sie Zukunftsperspektiven schaffen“, sagte Popal und forderte von der Bundesregierung die Einrichtung eines Entschädigungsfonds.

Mit dem Fall wird sich ein Untersuchungsausschuss befassen. Außerdem prüft die Bundesanwaltschaft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den verantwortlichen deutschen Oberst.

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  • @ W.Fischer (5)

    „ich würde es begrüßen wenn die Presse mit heimkehrenden Soldaten über die dortigen zustände befragen würden.“

    Das ist eine gute idee, nur gäbe es sehr schnell für die einen ministeriellen Maulkorb. Für die meisten unserer Gutmenschen wäre das nämlich ein Zusammenprall mit der Realität. Solange es im bT Abgeordnete gibt, die noch immer nicht gemerkt haben, daß sich unsere Soldaten im Krieg befinden und dies auch nicht wahrhaben wollen, wird sich daran nichts ändern.

    „Und etwas mehr Achtung und Respekt den Soldaten zollen würden.“

    Dazu müßten viele der berufsschreiber ihre Meinung zu Waffen und Soldaten ändern. Dies dürfte den meisten schwerfallen, denn es steht zu befürchten, daß sie in ihrem Leben noch nie eine Waffe in der Hand hielten, geschweige denn, mit einer geschossen haben. Die Dinger sind auch sooooo gefährlich. Was mich bei diesem medialen und politischen Eiertanz ganz massiv stört, ist, daß die deutschen Politiker sich nicht geschlossen hinter unsere Soldaten stellen, einige sich sogar erdreisten ihre schäbige Profilsucht auf deren Rücken zu befriedigen und es zulassen, daß Juristen darüber entscheiden, was in einer Kampfsituation vor Ort richtig oder falsch war. Diese Leute sollten ihre Ermittlungen unbedingt vor Ort führen müssen.

    „Wir haben schon zu viele Soldaten verloren, und die wo zurückkommen haben Schäden an ihrer Seele.“

    So ist es, das ist das verdrängte Problem unserer Eltern- und Großelterngeneration die den letzten Krieg überlebten. Für unsere Soldaten sollten die Mittel und Menschen bereitstehen, wenn sie aus den Einsatz zurückkehren. Kaum einer ist ohne seelischen Schaden.

  • ich kann allen Lesebriefschreibern nur recht geben. KSK Offiziere werden ihren guten Ruf, den sie sich erworben haben, auch bei den US-Soldaten nicht aufs Spiel setzen. ich sehe eine andere größere Gefahr, dass sind unsere Medien, für eine gute Schlagzeile wird alles getan. Es heißt aber nicht ich bin gegen die Presse, aber ich möchte sie alle bitten mehr Fingerspitzengefühl zu haben, und nicht jedem Rechtsanwalt eine Plattform für sein Anliegen bieten. Es gab in den letzten 66Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges, keinen Konflikt an dem deutsche Soldaten teilnehmen mußten. ich würde es begrüßen wenn die Presse mit heimkehrenden Soldaten über die dortigen zustände befragen würden. Und etwas mehr Achtung und Respekt den Soldaten zollen würden. Sehen sie sich die bilder unserer Soldaten in Afghanistan genauer an Keine, dann sehen sie Menschen die von unserer Regierung ohne einen richtigen Auftrag mit unzureichenden mittel, dort hingeschickt wurden. Wir haben schon zu viele Soldaten verloren, und die wo zurückkommen haben Schäden an ihrer Seele.

  • Es ist doch echt langsam lächerlich...

    Mein Opa hat immer gesagt: Junge, wenn man will das keiner zurückschiesst gibt es nur eine Alternative

    KiLL THEM ALL!! (und zwar die Terroristen und ALLE die sie unterstützen)- ich denke da dürfte in Afghanistan keiner mehr übrig bleiben!

    Dann wär Ruhe!

    Was hier abläuft ist lächerlich!

    Kein Soldat (egal welcher Nationalität)sollte sich für so einen Quatsch hergeben!

    Jungs kommt wieder nach hause, bitte!!!!

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