Afghanistan
Entwicklungshelferin in Kabul verschleppt

Einen Monat nach der Entführung des deutschen Bauingenieurs Rudolf B. in Afghanistan haben bewaffnete Männer in der Hauptstadt Kabul am helllichten Tag eine Deutsche verschleppt.

HB KABUL. Das bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin. Aus Sicherheitskreisen in Kabul hieß es, die Kidnapper hätten die Frau am Samstagmittag aus einem Grill-Imbiss gezerrt und seien anschließend in einem blauen Toyota Corolla geflohen. Das Innenministerium in Kabul und die christliche Hilfsorganisation ora international, um deren Mitarbeiterin es sich handelt, bestätigten die Geiselnahme. Die 31-jährige Frau stamme aus Süddeutschland, sagte Toni Grosshauser vom Internationalen Koordinationsbüro der Hilfsorganisation. Die stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte am Samstagabend in Berlin, der Krisenstab sei eingeschaltet und bemühe sich in enger Abstimmung mit den afghanischen Behörden um eine Lösung. Weitere Einzelheiten zu dem Fall nannte die Sprecherin nicht. Afghanische Geheimdienstoffiziere am Tatort, die anonym bleiben wollten, sagten der Deutschen Presse-Agentur dpa, sie gingen von der Tat einer „kriminellen Bande“ aus. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein.

Ein Polizeioffizier sagte, die Polizei habe Ausfallstraßen gesperrt und die Gegend durchsucht. Die radikal- islamischen Taliban haben die Deutsche nach eigenen Angaben nicht in ihrer Gewalt. Taliban-Sprecher Sabeehullah Mudschahid sagte in Kabul per Telefon, ihm sei die Geiselnahme bekannt. Er habe auch mit Taliban-Kämpfern in der afghanischen Hauptstadt gesprochen, die ihm jedoch gesagt hätten, sie hätten die Frau nicht verschleppt. Die entführte Deutsche soll schwanger sein. Anwohner in dem Viertel, wo sich die Entführung ereignet hatte, sagten, die Frau habe in der Nachbarschaft gewohnt. Sie sei täglich auf der Straße gesehen worden. Ein Geheimdienstoffizier sagte, die Frau sei aus dem Imbiss gezerrt worden. Bei dem „Bar.B.Q. Tonight Café - handelt es sich um ein einfaches afghanischen Grill- Restaurant ohne Sicherheitsvorkehrungen wie Mauern, Stacheldraht oder Wachmänner.

Die Frau, die seit einem Jahr das Büro der Organisation in Kabul leitete, war nach Angaben des Sprechers von ora international, Ulf Baumann, in Begleitung ihres deutschen Ehemannes, der nicht verschleppt worden sei. Baumann sagte, die Organisation sei sehr betroffen. Über Konsequenzen aus der Entführung sei noch nicht entschieden worden.

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