Afghanistan
Totenschädel-Ermittlungen gegen zwei Soldaten eingestellt

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen zwei Bundeswehr-Soldaten wegen der Totenschädel-Fotos aus Afghanistan eingestellt. Damit werden die abstoßenden Fotos nur von der Bundeswehr geahndet - nicht aber von der Justiz.

HB MÜNCHEN. Der Anfangsverdacht auf eine Störung der Totenruhe habe sich nicht bestätigt, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Die Totenschädel hätten von einem Gelände gestammt, auf dem seit langem Lehm zum Hausbau gewonnen werde. Damit handle es sich nicht um eine Beisetzungsstätte. Dies aber wäre Voraussetzung dafür gewesen, dass ein dort verübter „beschimpfender Unfug“ strafbar ist. Auch wegen einer Belästigung der Allgemeinheit könnten die Soldaten nicht belangt werden, da eine solche Ordnungswidrigkeit verjährt wäre.

Die Totenschädel-Fotos seien im April 2003 auf einem Gelände in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul entstanden, erklärte die Staatsanwaltschaft. „In und auf dem Erdreich befanden und befinden sich noch zahllose menschliche Knochenteile, die vermutlich von sowjetischen Soldaten aus der früheren Besatzungszeit stammen“. Die afghanische Bevölkerung habe das Gelände auch schon 2003 zur Lehmgewinnung benutzt.

Ende Oktober hatte die „Bild“-Zeitung Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan abgedruckt, die in teils obszönen Gesten mit Totenschädeln posierten. Später zogen andere Medien mit weiteren Bildern nach. Die Fotos lösten eine Welle der Entrüstung und die Sorge aus, dass dadurch die Sicherheit der Bundeswehr in Afghanistan gefährdet sein könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte an, die Bundesregierung werde gegen die betreffenden Soldaten ermitteln und mit aller Härte durchgreifen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung erklärte, wer sich so verhalte, habe in der Bundeswehr keinen Platz. Zugleich kündigte er harte dienstrechtliche Konsequenzen an.

Derzeit gibt es nach Angaben des Verteidigungsministeriums 17 Tatverdächtige. Ein Sprecher sagte am Mittwoch, sechs Soldaten dürften ihren Dienst nicht mehr ausüben, gegen 13 Soldaten liefen disziplinarrechtliche Vorermittlungen. Seit Bekanntwerden der Bilder seien 5500 Personen dazu befragt worden. Von 200 angeschriebenen Vorgesetzten hätten sich bisher etwa 170 geäußert. Das Ministerium habe von zwei Vorgesetzten Kenntnis, die von den Bildern gewusst haben wollten. Die Fotos stammen aus den Jahren 2003 und 2004.

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