Afghanistan
Verteidigungsministerium nimmt Oberst in Schutz

Noch immer beschäftigt der Nato-Luftangriff in Afghanistan die Politik. Jetzt hat sich das Verteidigungsministerium hat sich hinter den deutschen Oberst Georg Klein gestellt, der die Bombardierung zweier von Taliban gekaperter Tanklastzüge in Afghanistan angeordnet hatte.

HB BERLIN. Sprecher Thomas Raabe sagte am Donnerstag, der Bericht eines ISAF-Teams, wonach Klein seine Kompetenzen überschritten habe, sei "vorläufig und nicht konsolidiert". Für die Beurteilung des Vorfalls, bei dem Dutzende Menschen getötet wurden, müsse der Abschlussbericht abgewartet werden.

Raabe sprach von einer "Art Reisebericht", der angefertigt worden sei, nachdem eine Delegation im Auftrag von ISAF-Kommandeur Stanley McCrystal vor Ort den Vorfall untersucht habe. ISAF-Sprecher Edward Sholtis betonte ebenso, das Ermittlungsteam habe gerade erst mit seiner Arbeit begonnen. "Wir sind noch nicht zu irgendwelchen Schlussfolgerungen in dieser Angelegenheit gekommen", sagte er.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte hingegen einen NATO-Offizier mit den Worten, es sei aufgrund des Berichts "sonnenklar", dass Klein den vorgeschriebenen Befehlsweg nicht eingehalten habe. Zu einer Entscheidung von solcher Tragweite sei er ohne Rücksprache mit dem ISAF-Hauptquartier nicht befugt gewesen, schrieb das Blatt. Es habe keine unmittelbare Bedrohung für ISAF-Truppen gegeben. Die beiden Tanklaster, die nach Darstellung der Bundeswehr als rollende Bomben hätten eingesetzt werden können, hätten auf einer Sandbank im Fluss Kundus festgesteckt.

Die "Süddeutsche" schrieb unter Berufung auf den NATO-Offizier weiter, mit der Entscheidung hätte man bis Tagesanbruch warten können, um zu versuchen, die mutmaßlichen Taliban zu fassen oder zu vertreiben. Auch die Anforderung von Luftunterstützung durch zwei US-Kampfjets, die schließlich die beiden Bomben abwarfen, sei nicht zu erklären. Der sogenannte "Close Air Support" dürfe nur angefordert werden, wenn Soldaten am Boden in Gefechte verwickelt seien. Raabe erklärte, dass ein Kommandeur vor Ort unter bestimmten Voraussetzungen den Befehl zu einem solchem Luftschlag geben kann. Dies sähen die Einsatzregeln ausdrücklich vor.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" schrieb unter Berufung auf ranghohe deutsche Militärs, der Oberst habe keine Alternative zu dem Luftangriff gehabt, da Bodentruppen nicht zur Verfügung gestanden hätten. Alle Kampftruppen seien bereits anderswo im Einsatz oder für eine andere Mission verplant gewesen.

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