Afghanistan
Westerwelle würde Truppen früher abziehen

Nachdem der afghanische Präsident Karsai schon 2013 die Sicherheit in Afghanistan gewährleisten will, denkt der deutsche Außenminister laut über einen vorzeitigen Abzug nach.
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BerlinDie Bundesregierung hält sich offenbar die Option eines früheren Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan offen. „Wir werden gewiss nicht länger in Afghanistan bleiben als unsere Verbündeten und als von der afghanischen Seite gewünscht“, teilte Außenminister Guido Westerwelle am Rande einer Armenien-Reise mit.

Zuvor hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai erklärt, sein Ziel sei die Übergabe der Sicherheitsverantwortung von den internationalen Truppen an die afghanische Armee 2013 und damit ein Jahr früher als geplant.

Die Opposition im Bundestag verlangt nun Klarheit über den Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch. Die Bundesregierung müsse klarlegen, ob sie neue Abzugspläne verfolgt, forderte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gernot Erler. „Äußerungen von Außenminister Westerwelle lassen den Schluss zu, dass es offenbar solche Überlegungen gibt.“ Bislang ist der vollständige Abzug der deutschen Soldaten für 2014 vorgesehen.

Karsai reagiert mit seiner Forderung auf schwere Zwischenfälle mit US-Soldaten und zunehmende Spannungen mit den Verbündeten. Ein US-Soldat hatte am Wochenende 16 afghanische Zivilisten getötet. Außerdem hatte die Verbrennung von Koranen durch Soldaten gewalttätige Proteste unter der muslimischen Bevölkerung hervorgerufen.

In Deutschland würde ein vorgezogenes Ende des Afghanistan-Einsatzes von der Mehrheit der Bevölkerung begrüßt. Im jüngsten Deutschlandtrend der ARD wünschen 57 Prozent der Befragten einen früheren Abzug als 2014. 26 Prozent halten das Jahr 2014 für einen geeigneten Termin. Zwölf Prozent sprechen sich dafür aus, dass die Bundeswehr länger bleiben sollte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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