Afghanistan
Zu Guttenberg überraschend auf Blitzbesuch in Kundus

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist überraschend nach Afghanistan gereist. Er sollte am Freitagmorgen im deutschen Feldlager in Kundus im Norden des Landes eintreffen. Die aufgetauchten Dokumente über den Einsatz von Spezialtruppen bei dem umstrittenen Luftangriff erhöhen den Druck auf den Minister.
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BERLIN. Zu Guttenbergs Reise sollte bis zur Ankunft aus Sicherheitsgründen geheim gehalten werden. Die ARD berichtete am Morgen, dass Guttenberg auf dem Weg nach Afghanistan ist. Guttenberg wird von Obleuten der Bundestagsfraktionen begleitet. Der Minister will mit Soldaten über den von einem deutschen Oberst befohlenen Luftangriff am 4. September nahe des Feldlagers und die Folgen sprechen. Guttenberg will den Soldaten dem Vernehmen nach erklären, warum er den Luftangriff inzwischen für einen militärischen Fehler hält. An den Gesprächen sollen auch die Obleute teilnehmen. Auch die Frage der Entschädigung der Angehörigen der zivilen Opfer könnte ein Thema während des Besuchs sein.

In einem Interview der ARD, das kurz vor seinem Abflug nach Afghanistan aufgezeichnet worden war, sagte der Verteidigungsminister erneut eine schnelle und unbürokratische Entschädigung der Angehörigen der zivilen Opfer des Luftangriffs in Afghanistan zu. Durch die Bombardierung zweier von Taliban gekaperter Tanklaster sei Zivilisten „fürchterliches Leid“ widerfahren, sagte zu Guttenberg. Wiedergutmachung sei ein unzutreffendes Wort. Den Tod von Zivilisten werde man „nie wieder gutmachen können“. Er versprach aber zügige und der afghanischen Kultur gerecht werdende Gespräche über die Entschädigung. Die Verhandlungen würden keinen „langen Weg in Deutschland“ gehen. Guttenberg betonte zugleich, mit seinem Besuch in Kundus wolle er die Botschaft senden, dass er als Verteidigungsminister und auch der Großteil der Bevölkerung hinter den Soldaten und dem Einsatz in Afghanistan stehe.

Angesichts immer neuer Einzelheiten über das Bombardement von zwei Lastzügen in Afghanistan verlangt die Opposition von zu Guttenberg eine deutlichere Aufklärung. Anlass ist ein „Bild“-Bericht, wonach die Bundeswehr-Eliteeinheit KSK maßgeblich an der Vorbereitung des Luftangriffs von Anfang September beteiligt war.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte, es sei an der Zeit, eine endgültige Erklärung über Opfer und Motive des Luftangriffs zu liefern. Auch der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour drängt auf Aufklärung: „Es ist höchste Zeit zu erfahren, was es noch an Berichten und sonstigen Materialien im Verteidigungsministerium gibt.“

Nach Angaben der Nato waren bei dem Angriff bis zu 142 Menschen getötet und verletzt worden – darunter viele Zivilisten. Zu Guttenberg hatte den Angriff in einer ersten Bewertung am 6. November als „militärisch angemessen“ bezeichnet, diese Einschätzung aber später revidiert und erklärt, der Angriff sei „militärisch nicht angemessen“ gewesen. Er begründete die Kehrtwende mit plötzlich aufgetauchten Berichten der Bundeswehr, die er nicht gekannt habe.

Als Shooting Star der deutschen Politik einst viel geneidet, sieht sich der 38-Jährige mangelnder Loyalität im Verteidigungsministerium und wachsender Kritik in der Öffentlichkeit ausgesetzt. Die jüngste „Durchstecherei“, wie das Ministerium den Bericht der „Bild“-Zeitung zum Einsatz der KSK-Sondereinheit in Kundus einstuft, trifft deshalb auf harte Worte. „Alles Quatsch!“ schallt es im Ministerium. Laut „Bild“ wurde der Einsatz aus dem Kommandostand einer geheimen Task-Force (TF47) geführt, die zur Hälfte aus Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) besteht. Von fünf Offizieren und Unteroffizieren dieser Task-Force soll Kommandeur Oberst Klein vor seinem Befehl beraten worden sein. Der entsprechende Bericht sei den Nato-Ermittlern aber vorenthalten worden.

Ministerium tut Vorwürfe als „Quatsch“ ab

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  • Artikel über VW-Vorstand Martin Winterkorn

    Herr Winterkorn ist im Kreiskrankenhaus Leonberg geboren, ansonsten hat Herr Winterkorn mit Leonberg nichts zutun.
    Aufgewachsen ist Martin Winterkorn in Münchingen, daß auf der Strecke zwischen Stuttgart/Zuffenhausen und Weissach liegt.
    Nur da konnte er die Porsche`s bewundern die auf dieser Strecke durch Münchingen durchrauschten und als heimliche Teststreckte benutzt wurde.
    ich kenne Herrn Winterkorn persönlich und Wohne ca. 50m von seinem Elternhaus weg.

    Mit freundlichen Grüßen

    Oswald Zanker
    Fichtestraße 20
    70825 Münchingen

  • sobald auch nur ein euro entschädigung bezahlt wird , sollte das führungspersonal geschlossenden den afganistaneinsatz beenden ! jeder der nun einen schießbefehl zur verteidigung der deutschen anordnet, muss mit jurustischen konsequenzen rechnen ! ich bezweifele noch immer das es überhaupt zivile opfer gab !!! wer will schon beurteilen können wer am tag der bauer, und am abend der taliban ist ?

  • Wer fragt nach den ermordeten Tankwagenfahrern, danach, wieviel Taliban unter den Opfern waren, wer entschädigt unsere verwundeten Soldaten und Angehörigen unserer "Opfer"? Die Schweinstreiberei in der Manier von Trüffrelschweinen durch verschiedene Politiker ist an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten, geschweige denn zu ertragen.

    Geht es den Herrschaften denn wirklich um die Opfer oder aber um Affekt hascherei und persönliches zur Schau stellen mit Hilfe der Presse?

    Und überhaupt, was passiert mit den Opfern, die wir produzieren, wenn wir von heute auf morgen unsere Soldaten abziehen, so wie es sich unsere Friedensapostel vorstellen. Wieviel Menschen werden dann zu Opfern und wer hilft ihnen? Unsere Friedensapostel bleiben doch lieber im warmen und schwadronieren über Ungerechtigkeiten in der Welt.

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