Ahnen weist Kritik der OECD zurück
GEW fordert konzertierte Aktion der Kultusminister

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Kultusminister aufgefordert, mit einer konzertierten Aktion gegen den Abstieg Deutschlands bei der Bildung vorzugehen. Die Präsidentin der Kultuministerkonferenz, Doris Ahnen, hat ihrerseits die OECD-Kritik am Bildungssystem zurückgewiesen.

HB BERLIN/FRANKFURT. „Die föderale Kleinstaaterei der Länder befördert den weiteren Abstieg Deutschland“, sagte die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange am Dienstag in Frankfurt/Main. In der aktuellen Föderalismusdebatte beanspruchen fast alle Länder die Alleinzuständigkeit für die Bildungspolitik.

Die neue OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ zeige, dass Deutschland noch immer zu wenige Akademiker ausbilde. Die Kultusminister hätten die Reformschritte nach der PISA-Schulstudie nicht konsequent genug umgesetzt. „Wir brauchen eine unabhängige Bildungsberichterstattung und eine unabhängige Qualitätsagentur“, verlangte Stange.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen, hat die Kritik der OECD am deutschen Bildungssystem zurückgewiesen. „Ich kann mir die Fundamentalkritik der OECD nicht erklären“, sagte die SPD-Politikerin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin am Dienstag im Bayerischen Rundfunk. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hält das deutsche Bildungssystem für unflexibel und unterfinanziert. „Vor allem fehlt dem Bildungssystem die Dynamik“, sagte der OECD-Experte Andreas Schleicher im ZDF. Andere Länder hätten ihr Schul- und Hochschulwesen rasant um- und ausgebaut. Im Bildungsbereich sei Deutschland nur Mittelmaß.

KMK-Präsidentin Ahnen wies den Vorwurf der OECD zurück, Deutschland habe aus seiner schlechten Abschneiden in der Pisa-Studie nicht die nötigen Konsequenzen gezogen. „Es ist in kaum einem anderen Land nach Pisa so intensiv über die Bildung diskutiert worden“, sagte Ahnen nach einer Mitteilung des Bayerischen Rundfunks. Auch in finanziell schlechten Zeiten müssten die Prioritäten für die Bildung gesetzt werden. Die Kultusminister kämpften um jeden Euro. Die Pisa-Studie hatte zuletzt eklatante Mängel deutscher Schüler im internationalen Vergleich aufgezeigt.

Auch die Kultusminister der unionsgeführten Bundesländer haben mit scharfer Kritik auf die Folgerungen aus der OECD-Studie zur Bildungsqualität in Deutschland reagiert. OECD-Koordinator Andreas Schleicher ignoriere die grundlegendenden Verbesserungen im deutschen Schulwesen, sagte Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU) am Dienstag in Stuttgart.

„Das systematische Schlechtreden von Bildung in Deutschland diskreditiert die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer, die mit hoher Motivation Neuerungen umsetzen“, betonte Schavan. Als Beispiele für Reformen nannte sie die in der Kultusministerkonferenz (KMK) vereinbarte Einführung von Bildungsstandards und die Herabsetzung des Einschulungsalters. Ignoriert werden dürften auch nicht Bemühungen um intensivere frühkindliche Bildung und um Stärkung der Sprachen und der Naturwissenschaften.

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