Airbus-Sanierung
Berlin will deutschen Anteil an A350 sichern

Der Streit geht in eine neue Runde: Heute wird die Airbus-Sanierung Thema beim Treffen von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Chirac. Den Flugzeugbauer wieder auf Kurs zu bringen, scheint bisher unmöglich.

BERLIN. Die Bundesregierung wies vor dem deutsch- französischen Gipfel französische Erwartungen im Hinblick auf eine Entscheidung mit dem Argument zurück, dass dies der Unternehmensleitung von EADS vorbehalten bleiben müsse. Merkel werde aber darauf dringen, dass Deutschland an technischen Neuentwicklungen angemessen beteiligt werde, hieß es in Regierungskreisen in Berlin.

Ein Gewerkschaftsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass aber über einen Kompromissvorschlag von Airbus-Chef Louis Gallois gesprochen werden solle, wonach Deutschland einen größeren Anteil an der Produktion der neuen Generation des Airbus A320 erhalten kann. Dafür solle die Bundesrepublik auf ihre Forderung nach mehr Arbeit am Langstreckenflieger A350 verzichten.

An der Verteilung der technischen Kompetenzen seien bisher die Verhandlungen um das EADS-Sanierungsprogramm „Power 8“ gescheitert, hieß es in Berlin. Weil sich Deutschland bei dieser Verteilung deutlich im Nachteil gesehen habe, seien die Gespräche über die Sanierungspläne unterbrochen worden, „denn das Sanierungsprogramm von EADS stellt auch die Weichen für Forschung und Entwicklung im europäischen Flugzeugbau für die nächsten 15 Jahre“, sagte ein mit der Sache vertrauter Regierungsbeamter dem Handelsblatt.

Man dürfe nicht vergessen, dass jede strategische Entscheidung bei EADS enormen Einfluss auf den Standort Deutschland habe. „Vor diesem Hintergrund müssen wir unsere Interessen wahren“, heißt es in Regierungskreisen weiter. Auch Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) betonte, dass die „Wachstumspotenziale“ des Unternehmens genutzt werden müssten.

Als Zukunftstechnik wird vor allem der bei der A350 geplante Einsatz neuer Werkstoffe gesehen. Die bisherige Metallbauweise etwa am Rumpf und den Tragflächen soll durch leichtere Verbundwerkstoffe auf Kohlefaserbasis ersetzt werden.

Gleichzeitig wird vor dem Treffen von Merkel und Chirac betont, dass die EADS-Debatte keinen Bruch der deutsch-französischen Beziehungen bedeute. Tatsächlich habe man sich bereits bei der A320 und der A380 auf eine faire Verteilung der Kompetenzen und der Arbeitsanteile zwischen den verschiedenen am Airbus beteiligten Ländern geeinigt.

Bisher kreiste die öffentliche Debatte weniger um die Anteile hochtechnischer Fertigung, sondern vor allem um eine möglichst gerechte Verteilung der geplanten Personaleinschnitte. Gleichwohl geht die große Koalition mittlerweile davon aus, dass durch das Sanierungsprogramm des angeschlagenen europäischen Flugzeugkonzerns auch mehrere Standorte in Deutschland betroffen sein werden. Nach Informationen aus Regierungskreisen sei damit zu rechnen, dass die Standorte Varel und Nordenham aus dem EADS-Konzern ausgegliedert würden. Welche Standorte endgültig geschlossen und welche lediglich an einen weiteren Investor verkauft würden, sei demnach offenbar noch nicht entschieden.

Nach Angaben der Gewerkschaften stehen bis zu 8 000 der 23 000 Arbeitsplätze in Deutschland zur Disposition. Neben der Bundesregierung haben sich auch Landesregierungen für die Rettung möglichst vieler deutscher Arbeitsplätze eingesetzt und Anteile an der EADS erworben. Hierauf verweist die französische Seite, wenn sie den Vorwurf der „politischen Einmischung aus Paris“ zurückweist. Außerdem sei der französische Staat nun einmal direkter EADS-Anteilseigner und müsse deshalb in anderer Weise mitsprechen.

Unterstützt wird die Kritik vom früheren Airbus-Chef Jean Pierson: Jedes Mal, wenn der Flugzeugbauer in Schwierigkeiten gesteckt habe, hätten die Deutschen die Krise genutzt, um ihren Anteil an der Produktion zu erhöhen, sagte er der Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Er habe keinen Zweifel an der industriellen und sozialen Ausgewogenheit des „Power 8“-Programms von Airbus-Chef Louis Gallois, sagte Pierson.

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