Akademiker
Nachwuchs drängt an die Hochschulen

Der nächst Studenten-Boom kommt sicher - aber wie groß er sein wird, darüber streiten die Experten. Jetzt hat ein Berliner Forschungsinstitut neue Prognosen vorgelegt, die die Universitäten in Bedrängnis bringen könnten.

BERLIN. Der Andrang an den deutschen Hochschulen wird nach 2010 weit größer sein als bisher angenommen. Nach einer neuen Prognose des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS) dürfte die Zahl der Erstsemester schon in diesem Jahr über die Marke von 400 000 klettern und 2013 mit 437 000 das Maximum erreichen, sagte der Direktor des FIBS, Dieter Dohmen, dem Handelsblatt.

Das hätte gravierende Konsequenzen für den Hochschulpakt II für den Zeitraum 2011 bis 2015, den Bund und Länder noch vor der Bundestagswahl abschließen wollen. Der Pakt ist eines der Mega-Projekte, die Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) noch stemmen will - neben der Fortführung der Exzellenzinitiative für die Hochschulforschung und der Verlängerung des Paktes für die Forschungsorganisationen.

Bisher gehen die Wissenschaftsminister davon aus, dass sie in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts 275 000 zusätzliche Studienplätze bereitstellen müssen. Das hatte auch der Bildungsgipfel der Bundeskanzlerin im Herbst 2008 vereinbart. Kommt es jedoch so, wie die FIBS-Forscher prognostizieren, wären bis zu 100 000 Plätze zusätzlich nötig.

Das wäre grundsätzlich ganz im Sinne der Politik: Denn um dem Akademikermangel vorzubeugen, sollen künftig mindestens 40 Prozent der Absolventen eines jeden Schuljahrgangs ein Studium anschließen. So soll vor allem die Versorgung der Wirtschaft mit Hochqualifizierten gesichert werden. Gleichzeitig kommen damit jedoch gewaltige Mehrkosten auf Bund und Länder zu.

Bereits für den Hochschulpakt I hatte der Bund 565 Mio. Euro bereitgestellt. Damit sollten die Länder, die die gleiche Summe zuschießen, in den Jahren 2007 bis 2010 zusammengerechnet 91 000 Zusatzplätze schaffen. 2010 würde dann die Anfängerzahl bei rund 390 000 liegen. Der Bund hat sich bereits verpflichtet, seinen Teil dazu beizutragen, dieses Niveau auch in den Folgejahren zu finanzieren.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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