Akademikerlücke
Gesellen in die Hochschulen locken

Der Bund, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen künftig beruflich Qualifizierten den Weg in die Hochschulen erleichtern. Das haben die Sozialpartner und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Innovationskreis Berufliche Bildung (IKBB) vereinbart, wie aus einem dem Handelsblatt vorliegenden Papier des IKBB hervor geht. So soll auch die niedrige deutsche Akademikerquote erhöht werden.

HB BERLIN. Aktuell gilt vor allem der Mangel an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern als großes Hemmnis für den Aufschwung. Derzeit lösen nicht einmal ein Prozent der Studienanfänger die Eintrittkarte zur Hochschule auf dem so genannten dritten Bildungsweg, also über berufliche Qualifizierung. Das liegt am undurchsichtigen föderalen Durcheinander und dem meist enormen Zeitaufwand.

„Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssen wir Barrieren im Bildungssystem abbauen“, fordert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Es ist unverständlich, dass qualifizierten Absolventen einer dualen Berufsausbildung der Hochschulzugang durch unterschiedliche Länderregeln erschwert wird“. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD bereits vereinbart, Menschen mit „erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung“ die Tür zur Hochschule zu öffnen. Das müsse der Bund endlich umsetzen und „einheitliche Kriterien für den Zugang beruflich Qualifizierter festlegen“, sagte Wansleben dem Handelsblatt.

Bundesbildungsministerin Schavan jedoch hat bislang lediglich zugesagt, Druck auf die Länder zu machen, berichten Teilnehmer des Innovationskreises. Das Recht, den Hochschulzugang zentral zu regeln, das ihr nach Artikel 74 Grundgesetz auch nach der Föderalismusreform zusteht, will sie nicht anwenden.

In den Ländern jedoch herrscht krudes Durcheinander: Die einen verlangen Eingangsprüfungen, die anderen ein Vorsemester oder eine Bewährungszeit. Meist müssen die Kandidaten eine Lehre, jahrelange Berufserfahrung und den Meister oder Techniker mitbringen, um studieren zu dürfen. Im Vergleich zu Abiturienten benötigen sie also meist vier oder mehr zusätzliche Jahre. Das in dieser Zeit erworbene Fachwissen honorieren lediglich Nordrhein-Westfalen und Hessen, indem sie den Sprung in ein höheres Semester erlauben. Fast überall können selbst Meister auch nur fachlich verwandte Fächer studieren - freie Studienwahl erlauben lediglich Hessen und Niedersachsen.

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