Aktienmärkte nicht vor Trendwende
Märkte im Schatten des Bären

Wie die Garantie der Bundesregierung für den Interbankenmarkt im Detail aussehen wird, stand gestern auch noch gar nicht fest. Daran werde noch fieberhaft gearbeitet, verlautete aus Notenbankkreisen. Es liegt allerdings nahe, dass die Bundesbank die Verwaltung des Programms übernimmt.

Finanzexperte Krahnen empfiehlt eine Kreditausfallversicherung, die die kreditgebende Bank mit einem sogenannten Credit Default Swap bei der Bundesbank abschließen würde. Dann könnte die Zentralbank den Preis, den sie für die Garantie nimmt, als Instrument nutzen, den Markt wieder in Gang zu setzen. Damit die Kreditbereitschaft der Banken wieder steigt, könnte der Satz zunächst sogar null oder negativ sein, erläutert Krahnen. Es wäre auch möglich, dass die Zentralbank den Satz nach und nach erhöht und sich dadurch wieder aus dem Geschäft zurückzieht. „Die Notfallrettung, die die EZB für den Geldmarkt geleistet hat, war kurzfristig sinnvoll“, sagt Krahnen. „Mittelfristig hat sie zwangsläufig zum Austrocknen des Interbankenmarktes geführt.“

Auch die Interventionen der Notenbanken an den Geldmärkten belegen, dass es hier immer noch hakt. Die Europäische Zentralbank (EZB) flutete gestern erneut den Geldmarkt mit Milliardensummen. In ihrem wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäft mit sieben Tagen Laufzeit teilte sie zu 3,75 Prozent 310,4 Mrd. Euro zu. Sie befriedigte damit vollständig alle Gebote, die 604 Banken abgegeben hatten. Um ein Gleichgewicht am Geldmarkt herzustellen, hätte die EZB eigentlich 47 Mrd. Euro abziehen müssen. Die japanische Notenbank pumpte gestern ebenfalls erneut Liquidität in den Markt – am 19. Handelstag in Folge. In zwei Schritten teilte sie den Banken 1,2 Bill. Yen (8,8 Mrd. Euro) zu.

Joachim Voth, Ökonom an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona, neigt derzeit zur Skepsis. Er sieht in der euphorischen Börsenreaktion am Montag kein Indiz für eine Wende. „Die ganz große Katastrophe, der Zusammenbruch des Bankensystems, ist erst einmal abgewendet“, sagt der Experte für Finanzkrisen. Das sorge an den unglaublich volatilen Börsen erst einmal für ein Kursfeuerwerk. „Doch eine Rezession der ganz schlimmen Sorte ist trotz der Rettungspakete kaum mehr abzuwenden.“ Und auch hier liegt die Ursache in den Kreditmärkten.

Voths Argumentation: Selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass die Banken wieder Vertrauen zueinander fassen, kommt man trotz aller Milliardenstützen des Staats an einem Dilemma nicht vorbei. Die Banken sind gezwungen, ihr Leveraging abzubauen, das heißt, das Fremdkapital, mit dem die Banken ihren Hebel an den Finanzmärkten stark verlängert hatten, muss reduziert werden. „Das wird in jedem Fall den Spielraum der Kreditvergabe einschränken, egal, ob sich nun der Staat mit Kapitalspritzen in eine Bank einkauft oder nicht“, sagt Voth. Denn der Staat wolle die Banken ja stabilisieren, er könne also kein Interesse daran haben, sie zu einer allzu großzügigen Vergabe von Krediten zu drängen.

Auch ein weiterer wichtiger Krisenindikator signalisiert keine Entwarnung. Der sogenannte i-Traxx-Europe sank trotz aller Krisenpakete nur unwesentlich (siehe Grafik). Dieser Index zeigt an, wie viel Geld Investoren zahlen müssen, um sich gegen den Zahlungsausfall von 125 europäischen Firmen guter Bonität – darunter viele Banken – abzusichern. Nach wie vor müssen Investoren extrem hohe Prämien zahlen.

Alles in allem: Offenbar holt die Wirklichkeit die Börsen schon wieder ein. Nach der Euphorie zum Wochenauftakt beginnt unter den Anlegern jetzt wieder das Zittern. Der Rally im Bärenmarkt droht das vorzeitige Aus.

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