Aktuelle Lohndebatte
Ökonom Wiegard skeptisch zu Investivlöhnen

Die Absicht der großen Koalition, Investivlöhne zu fördern, stößt bei Ökonomen auf Skepsis. "Das Thema wird sich wahrscheinlich tot laufen", sagte der Finanzwissenschaftler Wolfgang Wiegard dem Handelsblatt. Wiegard ist Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

BERLIN. "Seit 30 Jahren wird darüber diskutiert. Der Investivlohn scheiterte bisher immer an der Umsetzung." Den wichtigsten Grund dafür sieht Wiegard in der Unternehmensstruktur in Deutschland: 85 Prozent der Unternehmen sind als Personengesellschaften organisiert. "Es gibt da keinen einfachen Weg der Mitarbeiterbeteiligung", so Wiegard. In anderen Ländern dominierten die Kapitalgesellschaften: Dort sei es wesentlich einfacher, zum Beispiel Belegschaftsaktien auszugeben.

Wiegard warnte angesichts der beginnenden Debatte über höhere Löhne die SPD davor, die Lohnpolitik allein an der Produktivitätsentwicklung auszurichten. Die SPD fordert dies in ihrem neuen Parteiprogramm. Bei Vollbeschäftigung wäre nichts dagegen einzuwenden, sagte der Wirtschaftsweise: "Angesichts hoher Arbeitslosigkeit sollte man aber lieber einen Abschlag machen." In den letzten Jahren hätten die Gewerkschaften dies allerdings stets berücksichtigt, lobte er die Tarifpartner.

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