AKW-Abschaltung
Röttgen fährt Mappus in die Parade

Der Stuttgarter Regierungschef Mappus klammert sich an das Atom-Moratorium, von einem dauerhaften AKW-Aus will er aber nichts wissen. Das ruft seinen härtesten CDU-internen Kritiker auf den Plan: Umweltminister Röttgen.
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BerlinDer schwere Atomunfall von Fukushima hat für einen radikalen Stimmungsumschwung in Deutschland gesorgt. Und könnte die fast 60 Jahre andauernde CDU-Herrschaft in Baden-Württemberg beenden. Die Signale, die infolge des Japan-Desasters auch hierzulande unüberhörbar sind, haben denn auch den Stuttgarter Regierungschef Stefan Mappus (CDU) erfasst. Er, der Atomkraft-Befürworter schlechthin, versucht jetzt nicht gänzlich unterzugehen und geht stattdessen - angedockt an das von Kanzlerin Angela Merkel verkündete Atom-Moratorium - in die Offensive. Deutschlands zweitältester noch laufender Atommeiler Neckarwestheim 1 werde nun so schnell wie möglich abgeschaltet, sagte Mappus. Dies sei die Folge des Moratoriums. Doch einen Zeitrahmen nannte der CDU-Politiker nicht. Auch will sich Mappus nicht festlegen, ob der Meiler stillgelegt bleibe. Ob sich ein Wiederanfahren nach den Gesprächen mit der Regierung lohne, müsse zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden.

Dass Mappus in der Atomfrage weiter herumlaviert ruft seinen härtesten Kritiker auf den Plan: Norbert Röttgen. Die beiden Christdemokraten sind sich nicht grün, seit Mappus die AKW-Laufzeitverlängerung energisch eingefordert und in diesem Zusammenhang den atomkritischen Röttgen sogar zum Rücktritt aufgefordert hatte. Zu der aktuellen Abschaltfrage sagte Röttgen, er gehe davon aus, dass diejenigen Atomkraftwerke, die während des Moratoriums vom Netz genommen würden, auch dauerhaft stillgelegt werden. "Das kann ja nicht anders sein." Deutschland müsse jetzt möglichst schnell aus der Kernenergie herauskommen.

Röttgen warb überdies für einen breiten gesellschaftlichen Konsens in der Energiepolitik. Die schwarz-gelbe Regierung müsse jetzt alle gesellschaftlich relevanten Gruppen wie Kirchen, Gewerkschaften und Unternehmen einladen, "dieses Thema aus der Kampfzone herauszubringen", sagte der auch für Reaktorsicherheit zuständige Minister. Der Beschluss der Bundesregierung, die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken auszusetzen, habe nichts mit Wahlkampftaktik zu tun, sagte Röttgen. "Diese Frage ist viel zu fundamental."

Röttgen liegt mit seiner Analyse auf einer Linie mit der Haltung der Bundesbürger. Eine Mehrheit von 53 Prozent ist nach einer Infratest-dimap-Umfrage für den ARD-"Deutschlandtrend" jetzt der Ansicht, alle deutschen Atomkraftwerke sollten so rasch wie möglich stillgelegt werden (43 Prozent dagegen). Nach ZDF-"Politbarometer" sind sogar 60 Prozent für einen Atom-Ausstieg so schnell wie möglich. Laut Infratest hält die große Mehrheit der Deutschen (70 Prozent) einen AKW-Unfall wie in Japan auch in Deutschland für denkbar.

Kommentare zu " AKW-Abschaltung: Röttgen fährt Mappus in die Parade"

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  • Für Herrn Mappus wird es peinlich wenn Neckarwestheim dauerhaft vom Netz geht. Da hat er doch grade mit viel Steuergeld Unternehmer gespielt und EnBW Anteile gekauft und jetzt droht die erste massive Abschreibung. Sieht so die wirtschaftspolitische Kompetenz der CDU aus?

    Und Herr Röttgen sollte aufpassen, dass er nicht mit Harry Potter verwechselt wird.

  • Herr Röttgen sollte sich nicht anmaßen, alles zu wissen, den kompetent sieht anders aus.
    Von Technik, Umweltschutz hat er als Rechtsverdreher keine Ahnung.
    Es gibt ein Sprichwort es lautet: Schuster bleib bei deinem Leisten.
    Herrn Ministerpräsidenten Mappus möchte ich folgendes ans Herz legen, nehmen sie sofort die alten AKW vom Netz, und hören sie auf, sich zum Knecht der ATOM-Lobby und anderer weiter zu machen. Ihre Regierungszeit stand und steht unter einem schlechten Stern, ihr ende als Ministerpräsident ist absehbar.
    Ich hoffe und wünsche dass in der CDU Baden-Württemberg endlich ein Umdenken stattfindet, zu mehr Demokratie, zu mehr Bürgernähe, sowie weg mit der allzu engen Lobby Bindungen.
    Danke

  • Herr Röttgen mit seiner neuen Brille wirkt auch nicht
    kompetenter als vorher.
    Das größte Problem ist, daß wir zu viele
    Apokalyptische Paragraphenreiter in der Regierung haben,
    die vom Fach nichts verstehen und somit zum Spielball fremder Interessen werden.
    Rechtsanwälte sollten sich mit Paragraphen beschäftigen, aber nicht mit Technik und Umweltschutz.


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