AKW bleibt abgeschaltet
Mängel über Mängel in Krümmel

Vattenfall bekommt die Probleme nicht in den Griff: Nach den Zwischenfällen in den Atommeilern Krümmel und Brunsbüttel hat der Betreiber einen weiteren Mangel eingeräumt. Im Kernkraftwerk Krümmel sind an einigen Stellen falsche Dübel eingesetzt worden.

HB BERLIN. 2 von 14 auffälligen Dübeln, an denen Wartungs- und Montagebühnen befestigt seien, entsprächen nicht den Anforderungen, teilte das Unternehmen mit. Die anderen 12 Dübel würden noch untersucht.

Krümmel werde „bis zur Klärung aller offenen Fragen und Maßnahmen“ nicht wieder ans Netz gehen, sagte der Vorstandschef von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, in Berlin. Zunächst hatte der Konzern erwogen, nach dem Trafo-Brand Krümmel mit halber Leistung wieder hochzufahren. Die für August geplante Revision der Anlage solle nun vorgezogen werden. Insgesamt seien in Krümmel 630 Dübel untersucht worden. In Brunsbüttel sei kein Problem mit den 25 bis 30 Zentimeter langen Dübeln aufgefallen.

Rauscher räumte erneut Informationspannen ein. Dies rechtfertige aber nicht eine „Kampagne“, um die Zuverlässigkeit und Sachkunde des Betreibers in Frage zu stellen. Politiker und Umweltschützer hatten gefordert, Vattenfall die Betriebsgenehmigungen für Krümmel und Brunsbüttel zu entziehen.

Das Bundesumweltministerium warf am Dienstag Vattenfall im Fall Krümmel „Fehlverhalten“ nicht nur bei der Bedienung des Reaktors vor, sondern auch bei der Aufklärung der Pannen. Entgegen der Forderung der Bundesaufsicht hätten bei dem Expertentreffen am Montag in Kiel weder der für die Steuerung verantwortliche Schichtleiter noch der ihm unterstellte Reaktorfahrer teilgenommen. Der für Vattenfalls Atomkraftwerke zuständige Geschäftsführer Bruno Thomauske wies die Kritik zurück. Die Behörden sollten den vollständigen Bericht des Unternehmens abwarten.

Auch Kanzlerin Angela Merkel schaltete sich ein. Sie sagte dem Fernsehsender RTL: „Das muss aufgeklärt werden. Und zwar striktissimi, sonst können wir im Alltag die Sicherheit, auch als Überwachungs-, Bewachungs- und Kontrollbehörden, nicht sicherstellen.“ In der Energiewirtschaft und gerade auch bei den Kernkraftwerken gebe es sehr anspruchsvolle Vorschriften. „Mit Recht. Und mich ärgert es schon, das habe ich auch als Umweltministerin erfahren müssen, wenn solche Vorschriften im Alltag dann doch nicht so eingehalten werden.“

In dem Kraftwerk Krümmel östlich von Hamburg war am 28. Juni in einer Trafostation ein Brand ausgebrochen. Vattenfall verschwieg zunächst Bedienungsfehler. Kurz zuvor war der Atommeiler Brunsbüttel an der Unterelbe nach einem Kurzschluss in einer Schaltanlage automatisch heruntergefahren worden.

Wie sich erst später herausstellte, kam es beim Wiederanfahren zwei Mal ebenfalls vermutlich durch Fehlbedienungen zu ungewollten Absperrungen im Reaktorwasserreinigungssystem. Trotz vorheriger Nachfragen teilte Vattenfall das meldepflichtige Ereignis erst sechs Tage später mit.

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