AKW-Laufzeiten: Die Atombeschlüsse der Koalition

AKW-Laufzeiten
Die Atombeschlüsse der Koalition

Alles diene dem Ziel, die Erneuerbaren Energien auszubauen, erklärten unisono die Union und FDP ihre Einigung über die Laufzeitenverlängerung der 17 deutschen Atomkraftwerke. Die Koalitionsspitzen haben dazu verschiedene Varianten durchgerechnet.
  • 5

HB BERLIN. Die deutschen Atomkraftwerke können im Schnitt zwölf Jahre länger als bislang geplant betrieben werden. „Wir haben verabredet, dass ältere Kernkraftwerke eine Verlängerung um acht Jahre erhalten, dass die jüngeren, auch auf einem anderen technischen Standard sich bewegenden Kernkraftwerke eine Laufzeitverlängerung von 14 Jahren bekommen“, kündigte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) Sonntagnacht nach über zwölfstündigen Beratungen des Koalitionsgipfels im Kanzleramt an. Übereinstimmend mit Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte er nach monatelangen Streit um die Energiepolitik, es sei gelungen, sich auf ein gemeinsames Konzept zu einigen. Ziel sei der Ausbau Erneuerbarer Energien.

Im Durchschnitt werde die Laufzeitenverlängerung zwölf Jahre betragen, sagte Röttgen. In Regierungskreisen hieß es darüber hinaus, als alte Reaktoren würden Akw mit einem Baujahr bis 1980, als neue würden danach errichtete gelten. Nach derzeitigem Stand müsste der letzte Meiler etwa 2023 vom Netz gehen. Die frühere rot-grüne Bundesregierung hatte 2000 auf der Basis von 32 Jahren Regellaufzeit für jedes Kernkraftwerk Reststrommengen festgelegt, die es noch produzieren darf. Zu den Akw-Betreibern in Deutschland gehören E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall.

Zur Förderung der Erneuerbaren Energien müssten die Akw-Betreiber einen substanziellen Beitrag aus den Gewinnen durch die Laufzeitenverlängerung leisten, sagte Röttgen. Die Unternehmen müssten neun Euro pro Megawattstunde Kernenergiestrom abführen. In Regierungskreisen hieß es dazu, 2011 und 2012 würden je 300 Mio. Euro fällig, in den Jahren 2013 bis 2016 je 200 Mio. Euro.

Die Mittel zur Förderung Erneuerbarer Energien müssen die Stromversorger zusätzlich zu der bereits vereinbarten Brennelementesteuer zur Haushaltssanierung im Volumen von 2,3 Mrd. Euro jährlich aufbringen. In Regierungskreisen hieß es dazu, die Brennelementesteuer solle 145 Euro pro Gramm Plutonium 239, Plutonium 241, Uran 233 und U 235 betragen und eine Laufzeit von sechs Jahren haben.

„Wir haben ein flächendeckendes Programm zum Aufbau der Erneuerbaren Energien aufgestellt“, sagte Röttgen. „Es sind sicher 60 Einzelmaßnahmen, die alle Sektoren und unterschiedliche Elemente erfassen, um Erneuerbare Energien in Deutschland zu fördern.“ Einzelheiten wollten er und Brüderle am Montag erläutern.

Seite 1:

Die Atombeschlüsse der Koalition

Seite 2:

Kommentare zu " AKW-Laufzeiten: Die Atombeschlüsse der Koalition"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der bericht hat einen gravierenden Fehler:

    ES HANDELT SiCH NiCHT UM bESCHÜSSE DER KOALiTiON, SONDERN UM bESCHLÜSSE DER ATOMLObbY, die von unseren "Politikern" abgenickt wurden.
    Der Unterschied ist nur, dass die Laufzeit der brennelementesteuer im Gegensatz zum Soli sicher nicht unendlich verlängert wird.
    Der Soli war ja auch von einer ReGiERung beschlossen worden, und nicht von deren befehlsgebern.

  • Sichtet man die kritischen Einwände zur Kernenergie in den Leserkommentaren diverser Online-Medien, so ist es in der großen Mehrzahl der Fälle die Frage der Endlagerung, die die bürger bewegt. Aber hier wirkt die jahrelange Desinformation. Denn die physikalischen, chemischen und technischen Fragen der Lagerung und "Endlagerung" radioaktiver Substanzen sind seit Jahrzehnten vollständig untersucht und geklärt. Strahlung wird in Materie absorbiert. Legt man einen brennstab in sein Ehebett, so wird man sehr schnell sehr krank. Versenkt man ihn im Garten unter zwei Metern Wasser in seinem Swimming-Pool, so wird man in seinem Schlafzimmer keine Radioaktivität mehr messen können. bereits eine fünf Meter dicke Schicht aus Granit oder Salz läßt keine Gamma-Strahlung mehr durchdringen, sondern wandelt sie in harmlose Wärme um, die ins umgebende Gestein abfließt, und das über Millionen von Jahren und völlig kostenlos. Die Angst der vermeintlich "gebildeten" bevölkerung vor den "Gefahren des Atommülls" verrät bildungsmängel - und viele der lauthals besorgten haben einfach von Physik keine Ahnung.

  • Man darf nicht vergessen, dass das, was die Koalition nun entschieden hat, genau das ist, was die regierenden Parteien vor der letzten bundestagswahl versprochen hatten. Es ist deshalb müßig darüber zu diskutieren, was die bürger wollen. Sie wollten scheinbar ganz klar eine weitere Nutzung der Atomkraft, sonst hättten Sie diese Parteien nicht gewählt.
    Mal abgesehen, dass die Endlagerfrage noch immer nicht geklärt ist, was vorallem der letzte Rot-Grünen Regierung zu verdanken ist, weil Sie dieses Thema, das unabhängig von einer möglichen Laufzeitverlängerung geklärt werden muss, einfach links liegen gelassen hat und dadurch auf kommende Regierungen weitergeschoben hat und nun u. a. auch deshalb auf diese einschlägt, weil die Regierung auch dieses Thema nun forcieren will.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%