Alexander Dobrindt
Der Modeminister

Vorbei sind die Zeiten, in denen unsere Volksvertreter Grau in Grau durch den Bundestag staksten. Wir haben einen Modeminister! Endlich! Alexander Dobrindt zeigt seinen Kollegen, wie es geht. Ein Kommentar.
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Gerhard Schröder galt zu seiner Amtszeit als der modischste deutsche Regierungschefs überhaupt. Kunststück: Vielen gilt es ja immer noch als anrüchig, wenn Männer darauf achten, was sie tragen. Aber es sieht so aus, als könnten die Zeiten, in denen unsere Volksvertreter sich Grau in Grau kaum vom graublauen Hintergrund der Parlamente abheben, bald vorbei sein. Denn wir haben endlich einen Modeminister! Schluss mit unsichtbar, Schluss mit Mittelmaß.

Viele Frauen befällt nach ihrem vierzigsten Geburtstag das Gefühl unsichtbar zu sein. Und da ist sogar was dran: Blasse Farben, halblange altenblonde Haare, schlaffe Haltung – Mittelmaß durch und durch, und Mittelmaß macht unsichtbar. Was dagegen hilft? Gas geben, raus aus dem Mittelmaß!

Ja, liebe Frauen. Ihr müsst wirklich Gas geben. Denn offenbar gilt dieser Satz jetzt auch den Männern. Bestes Beispiel ist unser Verkehrs- und Internetminister Alexander Dobrindt. Ich kenne noch Fotos von vor Jahren, da sah man ihn mit beigem ausgeleiertem Langweiler-Jackett, Lieblingsfarben Grau und Braun oder kränkliches Beige. Dazu der herausgewachsene Haarschnitt, richtig fade. Typ: unscheinbarer Nichtschwimmer.

Und jetzt? Ist er einer, der Gas gibt. Und zwar richtig. Natürlich gibt das Anlass zu Spekulationen. Was ist los? Hat er Beratung? Hat er sonst keine Sorgen? Kaum macht einer optisch ein bisschen Wind, wird er dem Boulevard schon suspekt.

Typisch. Dabei ist die wundersame Wandlung des Herrn Dobrindt aus professioneller Sicht ausgesprochen gelungen. Er wirkt nicht mehr langweilig, sondern dynamisch, er wirkt voller Energie. Längst bemerk nicht mehr nur Jil Sander: „Mode spielt auch in der Politik eine wichtige Rolle“. Wie einer sich kleidet, hat entscheidenden Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung. Die Kleidung und das gesamte Erscheinungsbild sind hierbei ein integraler Bestandteil.

Politiker sind exponierte Personen des öffentlichen Lebens. Ihre Position verlangt einen Dresscode, der ihre Persönlichkeit und ihre Rolle in Auftritt und Erscheinung übereinbringt. Und dass da einer ist, der sich Gedanken über seine Kleidung macht, der gut aussehen will, das ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Es geht schließlich nicht um den persönlichen Geschmack von Herrn Dobrindt, sondern um seine Bereitschaft, seinen Auftritt an Zielen und Werten zu orientieren.

Vergleichen wir Alexander Dobrindt mit dem pummeligen Wollpulli-Träger von früher, so sehen wir ja nicht jemanden, der einen besonders exklusiven Geschmack hat, und eben gerade mal wieder teuer einkaufen war. Wir sehen vielmehr eine strukturierte, langsame Veränderung hin zu einem anderen „Typ“, zu einer Persönlichkeit, die das Individuelle nicht tilgt, sondern sogar stärker hervorhebt und dabei die Rolle integriert. Das kann professionelle Stilberatung nur erreichen, wenn sie mit Methode und langfristig herangeht. Gut gemacht, Herr Dobrindt.

Sabina Wachtel
Sabina Wachtel
/ Kolumnistin, Unternehmerin

Kommentare zu " Alexander Dobrindt: Der Modeminister"

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  • Was, bitte, macht ein Soziologe im Bundesverkehr(t)ministerium?
    Andererseits, Frau von der Laien hat sicher auch keinen Panzerführerschein,–))

  • Lackaffen, die von ihrer Umfähigkeit ablenken wollen, gehen also modisch.

    d.h., wer noch Ehre und Gewissen hat, kleidet sich wie ein normaler Geschäftsmann - rund um die Welt--

  • Wir alle kennen das Kobe Rind.
    Doch bitte was ist denn ein Dobe Rind.

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