Alfa-Chef Bernd Lucke: „Es ist falsch, die AfD zu verteufeln“

Alfa-Chef Bernd Lucke
„Es ist falsch, die AfD zu verteufeln“

In den Landtagswahlkämpfen wird Bernd Lucke immer noch als AfD-Chef angesprochen. Dabei führt er längst eine neue Partei. Im Interview spricht er über die Wahlchancen von Alfa und grenzt sich dabei scharf von der AfD ab.

BerlinPolitisch bewegt sich Bernd Lucke nach seinem Austritt aus der AfD unter der Wahrnehmungsschwelle. Seine neue Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) hat zwar deutschlandweit Verbände gegründet - und sogar ein Parteiprogramm gibt es schon, das am Samstag in Ludwigshafen beschlossen werden soll. Doch in Umfragen wird Alfa nicht ausgewiesen. Bei den Landtagswahlen Mitte März in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt dürfte am Ende die Chefin der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, triumphieren, nicht aber Lucke. Aufgeben ist aber keine Option für ihn. Im Interview mit dem Handelsblatt gibt sich Lucke kämpferisch – auch mit Blick auf seine frühere Partei. Die AfD als „Monster“ zu bezeichnen, wie das Hans-Olaf Henkel getan hat, hält er für völlig überzogen. Trotzdem geht auch er mit der Petry-Partei hart ins Gericht, etwa wenn er auf die jüngsten fremdenfeindlichen Proteste in Sachsen zu sprechen kommt. „Es ist beschämend, dass die AfD Stimmungen schürt, die Vorfällen wie denen in Clausnitz Vorschub leisten“, sagte Lucke. Und: Die Partei sei inzwischen „das Forum, wo Enttäuschte und teilweise wütende Bürger auf Demagogen treffen können“. Und das könne dann in den Extremismus führen.

Herr Lucke, in Umfragen werden Werte für Ihre Partei nicht ausgewiesen. Was wird aus Alfa, wenn das so bleibt?
Warten Sie doch den Wahltag am 13. März ab. Noch ist unser Bekanntheitsgrad unzureichend. Aber der Wahlkampf ist ja dafür da, dass sich das ändert. Und wir sind sehr aktiv: Mit Plakaten, Flugblättern, Veranstaltungen, Pressearbeit, Fernsehspots. Wir kriegen auch viel Zuspruch, denn viele Bürger suchen eine wählbare Partei. Und viele finden die gerade nicht bei den Parteien, die in den Meinungsumfragen auftauchen.

Werden Sie im Wahlkampf als Alfa-Chef angesprochen oder ordnen viele Sie immer noch der AfD zu?
Die meisten wissen, dass ich aus der AfD ausgetreten bin und viele wissen auch von Alfa. Manche denken aber noch, ich sei in der AfD.

Finden die Leute es gut, dass Sie nicht mehr in der AfD sind?
Auch das ist sehr unterschiedlich. Die meisten halten die Trennung für richtig, aber viele bedauern auch, dass es überhaupt dazu kommen musste. Andere verstehen die Spaltung nicht oder wünschen, dass ich wieder zur AfD zurückkehre. Aber das kommt natürlich nicht in Frage.

Warum verfängt das Alfa-Programm nicht bei den Wählern?
Wovon reden Sie? Das Problem ist unsere Bekanntheit, nicht unser Programm. Inhaltlich kriegen wir sehr viel Zustimmung. Wobei das den Wahlkampf bestimmende Thema natürlich die Flüchtlingskrise ist. Da kommt unser Konzept einer atmenden Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgesprochen gut an. Wir legen dabei nicht wie die CSU eine starre und willkürlich gegriffene Zahl zugrunde, sondern wollen die Städte und Gemeinden in ganz Deutschland ihre Aufnahmekapazität und Integrationsfähigkeit beziffern lassen - und das ergibt dann eine Obergrenze, die sich stets der tatsächlichen Belastungssituation anpasst.

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