Alfa-Chef Lucke im Interview
„Ungarns Grenzen sind keine Frage der Demokratie“

Der Ex-AfD-Chef will seine neue Partei Alfa ins Gespräch bringen. Wie? Mit einer Verteidigung von Viktor Orban und eine Warnung vorm nächsten Rettungspaket für Athen. Sind Luckes Rezepte alter Wein in neuen Schläuchen?

BerlinBernd Lucke hat die Alternative für Deutschland (AfD) aufgebaut und stark gemacht. Das ist lange her. Im Sommer hat er die Partei nach einem heftigen Machtkampf mit seiner damaligen Co-Vorsitzenden Frauke Petry verlassen. Mit seiner neuen Partei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) versucht Lucke nun sein politisches Comeback. Er will der AfD das Wasser abgraben, setzt dabei allerdings auch auf Themen, die Petry & Co. für sich reklamieren. Wie die AfD hat auch Alfa ein Papier zur Asylpolitik vorgelegt. Überraschend deutlich ergreift er im Interview Partei für den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und dessen Flüchtlingspolitik.

Herr Lucke, die AfD, deren Vorsitzender Sie einmal waren, äußert sich praktisch täglich zur Flüchtlingspolitik, von ihrer neuen Partei Alfa ist nur wenig zu hören. Wie wollen Sie da mit ihren Ansichten bei der Bevölkerung durchdringen?
Anders als alle anderen Parteien haben wir ein umfassendes Konzept zur Flüchtlingspolitik erarbeitet. Darüber hat die Presse ja auch positiv berichtet. Wir plädieren für eine Hilfskultur für die Verfolgten statt für eine Willkommenskultur für alle. Das ist human und gleichzeitig realistisch. Auf nicht durchdachte Schnellschüsse verzichten wir. Dadurch gewinnen wir Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung.

Kommt es nicht einer Quadratur des Kreises nahe, wenn Sie mit fast identischen Forderungen der AfD den Rang ablaufen wollen?
Unsere Forderungen sind nicht identisch. Die AfD will das Grundgesetz ändern und die Möglichkeit abschaffen, dass man in Deutschland Asyl beantragen kann. Das kommt für uns nicht in Frage. Das Grundgesetz tasten wir nicht an. Politisch Verfolgte erhalten Asyl. Punkt. Allerdings kann man ihnen zumuten, dass sie den Antrag von einem sicheren Drittland aus stellen und erst eine Einreiseerlaubnis erhalten, wenn er bewilligt wurde.

Ähnlich verhält es sich mit der Genfer Flüchtlingskonvention. Die stellen wir auch nicht infrage. Von Krieg und Bürgerkrieg Betroffene wollen wir nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Nur kann man nicht Millionen von Syrern nach Europa holen. Aber man kann Hilfe auch anders gewähren. Deshalb sind wir für die Einrichtung von Uno-Schutzzonen in ihrer Heimat.

Sie haben jüngst gesagt, die Flüchtlinge erst „einzuladen“ und dann die Grenze plötzlich de facto wieder „zuzumachen“ - dies zeige, dass hier nach dem Motto „Schuss aus der Hüfte“ agiert werde. AfD-Chef Frauke Petry sagt: „Es ist schon erstaunlich, dass die Bundeskanzlerin und ihr Innenminister im Abstand weniger Tage in ganz unterschiedliche Richtungen laufen.“ Einen großen Unterschied kann ich da nicht erkennen.
Wenn die AfD unserer Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung beipflichtet, dann finde ich das völlig in Ordnung. Frau Merkel agiert kurzatmig und konzeptionslos. Wie sie die Krise mittel- oder langfristig bewältigen will, ist völlig unklar. Was Lösungen betrifft, sind wir die einzige Partei, die ein menschliches und realistisches Konzept hat.

Die AfD profitiert aber in Umfragen von der Flüchtlingskrise, während Alfa gar keine Rolle spielt.
Das liegt daran, dass wir eine ganz neue Partei sind. Ich kenne das noch aus der Gründungszeit der AfD. Da wurden wir in den Umfragen auch nicht ausgewiesen. Das ist natürlich ärgerlich. Wenn man dann bei Wahlen Erfolg hat, ändert sich das schlagartig. Deshalb sind für uns die kommenden Wahlkämpfe wichtig, um den Bekanntheitsgrad von Alfa zu steigern.

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