Alfa
Lucke-Partei stemmt sich gegen den Niedergang

Für die neue Partei von Bernd Lucke läuft es nicht rund. Alfa ist in fast jedem Bundesland vertreten. In Umfragen ist die Partei aber nicht messbar. Von einem Niedergang wollen Top-Funktionäre aber nichts wissen.

BerlinDer Vorsitzende der Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), Bernd Lucke, hat der Einschätzung von Forsa-Chef Manfred Güllner deutlich widersprochen, wonach Alfa eine „Totgeburt“ sei, die man abhaken könne. Was Güllner über Alfa sage, sei fast wortgleich mit dem, was er vor zwei Jahren über die Alternative für Deutschland (AfD) gesagt habe. „Mit dieser Fehleinschätzung hat er sich bis auf die Knochen blamiert. Aber manche Leute lernen nicht aus ihren Fehlern“, sagte Lucke dem Handelsblatt.

Ähnlich äußerte sich der Alfa-Mitstreiter und Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel. Noch vor nicht allzu langer Zeit habe Güllner das Ende der AfD prognostiziert. „Da lag er so falsch wie er jetzt bei seiner Prognose zu Alfa wieder falsch liegt“, sagte der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) dem Handelsblatt. „Seriöse Meinungsforscher wissen, dass der Linksruck der CDU auf der einen Seite und der dramatische Rechtsruck der AfD auf der anderen ein riesiges Potential für eine neue Partei der Mitte eröffnet. Hier kann sich nur Alfa etablieren, wer denn sonst?“

Auch Güllner müsse wissen, so Henkel weiter, dass der derzeitige Aufstieg der AfD allein eine Folge der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei. Seine Partei lehne es aber ab, „in diesem sensiblen Bereich mit harten Parolen politisches Kapital schlagen zu wollen“. Das sei nicht der Stil von Alfa und auch die Wähler wendeten sich von so etwas schnell wieder ab. Wenn man sich dann in Deutschland auch mal wieder mit anderen Themen befasse, habe überdies seine Partei „gute Chancen, die vielen von der Euro- und Flüchtlingspolitik enttäuschten CDU-Wähler auf unsere Seite zu ziehen“.

Das sieht auch Lucke so. Derzeit beherrsche das Flüchtlingsthema alles andere. „Da dominieren die Parteien mit den schrillen Tönen oder der moralischen Rigorosität“, sagte er. Alfa verfolge dagegen einen „gemäßigt-pragmatischen Ansatz“. „Das ist vielleicht nicht spektakulär und deshalb berichtet die Presse kaum über uns. Aber wir lehnen es nun mal ab, in diesem sensiblen Feld Stimmungsmache zu betreiben“, betonte der Europaabgeordnete.

Lucke zeigte sich zugleich überzeugt, dass die meisten Bürger der Haltung seine Partei „eigentlich“ nahe stünden, „aber als Neuling müssen wir uns deren Aufmerksamkeit eben in den kommenden Wahlkämpfen erkämpfen“.  Die Flüchtlingskrise werde überdies nicht ewig währen, fügte er hinzu. Die Probleme in der Euro-Zone, die Nullzinsen, die wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischen Fragen rund um die Integration der Flüchtlinge würden Deutschland bald in Atem halten. „Da liegen Kernkompetenzen von Alfa, und dafür werden wir politische Anerkennung kriegen“, sagte Lucke. „Man kann keinen politischen Erfolg erzielen, wenn man nicht auch Durchhaltevermögen hat.“

Lucke sieht seine Partei für die Wahlkämpfe auch finanziell gut gerüstet. „Wie jede Parteineugründung finanzieren wir uns ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen“, sagte er. „Staatsfinanzierung erhalten wir noch nicht, aber viele unserer Mitglieder fördern uns finanziell sehr großzügig.“

Alfa ist eine Abspaltung der AfD. Anfang Juli wurde Bernd Lucke auf dem Bundesparteitag der AfD erst ausgebuht und dann abgewählt. Seine Rivalin, die frühere Co-Vorsitzende Frauke Petry, gelang mit Hilfe des rechtsnationalen Lagers der Sprung an die Spitze der Partei. Lucke und andere Angehörige des liberal-konservativen Flügels, darunter auch der Wirtschaftsliberale Henkel, konstatierten daraufhin einen Rechtsruck der AfD. Nach abendlichen Krisensitzungen stand dann die Entscheidung, dass die Lucke-Fraktion eine eigene Partei gründet. Petry quittierte das damals mit einem Achselzucken. Sie sagte: „Wir sind das Original, sie sind die Kopie.“

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