Alfa Neue Lucke-Partei macht AfD das Leben schwer

Die Alternative für Deutschland hängt im Umfragetief fest – und es ist nicht absehbar, dass sich daran so schnell etwas ändert. Im Gegenteil: Die neue Partei von Bernd Lucke könnte die AfD-Krise sogar noch verschärfen.
Update: 21.07.2015 - 14:56 Uhr 12 Kommentare
Steckt mit ihrer Partei im Umfragetief fest: Frauke Petry, die neugewählte Sprecherin des Bundesvorstands der Partei Alternative für Deutschland (AfD). Quelle: dpa
Frauke Petry.

Steckt mit ihrer Partei im Umfragetief fest: Frauke Petry, die neugewählte Sprecherin des Bundesvorstands der Partei Alternative für Deutschland (AfD).

(Foto: dpa)

BerlinDer Chef des Meinungsforschungsinstituts Insa, Herman Binkert, sieht die Wahlchancen für die Alternative für Deutschland (AfD) nach der Gründung der „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ des früheren AfD-Chefs Bernd Lucke weiter sinken. „Es gibt eine ausreichende Wählerschaft für eine liberal-konservative Partei rechts von der Union“, sagte Binkert dem Handelsblatt. „Ich halte es aber für sehr unwahrscheinlich, dass beide Parteien – AfD und Alfa – jeweils über 5  Prozent kommen.“

Alfa und AfD würden in vergleichbaren Wählermilieus um Stimmen werben, sagte Binkert weiter. „Fast jeder zweite potenzielle Wähler von Alfa und AfD könnte es sich auch vorstellen, die jeweils andere Partei zu wählen.“ Die AfD habe allenfalls den Vorteil, dass sie bekannter sei und die Wähler ein „klares Profil“ mit ihr verbänden.

Neue Partei, alte Gesichter
Bernd Lucke - Vorsitzender
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Einmal Chef, immer Chef: Nur wenige Wochen nach seiner Niederlage im Machtkampf um die AfD-Führung hat Bernd Lucke schon eine neue Partei gegründet: Die „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) soll eine liberal-konservative, eurokritische Haltung vertreten – ohne die nationalkonservativen Positionen, die in der „Alternative für Deutschland“ Überhand gewonnen haben. Auf der ersten Mitgliederversammlung mit rund 70 Teilnehmern gab es einige bekannte Gesichter zu sehen.

Bernd Kölmel – stellvertretender Vorsitzender
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So war Bernd Kölmel einer der Mitbegründer des Weckrufs 2015, unter dem sich in der AfD der liberal-konservative Flügel der Partei versammelt hatte. Nach dem Parteitag in Essen, auf dem sich die Nationalkonservative mit der Wahl Frauke Petrys an die Spitze durchsetzten, verließ er die AfD. Bis dahin war er Sprecher des Landesverbandes Baden-Wüttemberg und wurde dank Listenplatz 3 für die AfD ins Europaparlament gewählt. Seine Stimme in Brüssel wird er nun für Alfa einsetzen. Auf der Mitgliedersversammlung wählten ihn die Teilnehmer zu einem der drei stellvertretenden Vorsitzenden.

Gunther Nickel – stellvertretender Vorsitzender
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Der zweite stellvertretende Vorsitzende von Alfa ist Gunther Nickel (links): Er war von Dezember 2013 bis November 2014 AfD-Landessprecher von Hessen und einer der Gründer des Arbeitskreises „Arbeitnehmer in der AfD“. Dieser hatte sich als Reaktion auf die harsche Kritik von einigen Gewerkschaften an der AfD gegründet.

Reiner Rohlje – stellvertretender Vorsitzender
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Der dritte stellvertretende Alfa-Vorsitzende ist Reiner Rohlje: Der Weckruf-Mitbegründer war in der AfD stellvertretender Vorsitzender für den Landesverband Nordrhein-Westfalen. Er legte das Amt jedoch wegen interner Streitigkeiten mit dem nationalkonservativen Landessprecher Marcus Pretzell nieder. Nachdem Pretzell auf dem Parteitag der „Alternative für Deutschland“ die AfD als Pegida-Partei bezeichnet hatte und Lucke abgewählt worden war, trat Rohlje aus der Partei aus.

Ulrike Trebesius – Generalsekretärin
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Die Ex-AfDlerin Ulrike Trebesius wurde zur Generalsekräterin gewählt. Die 44-Jährige war Sprecherin des AfD-Landesverbandes Schleswig-Holstein und kam bei der Europawahl auf Listenplatz 6 der AfD ins EU-Parlament. Als der Zoff in der AfD immer heftiger wurde, schloss sie sich dem Weckruf 2015 an und wurde dessen Vorsitzende. Nach dem Parteitag in Essen trat sie aus der AfD aus.

André Yorulmaz – stellvertretender Generalsekretär
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In der AfD wollte Lucke ihn zum Generalsekretär machen: Der homosexuelle Deutsch-Türke André Yorulmaz sollte das Image der als homophob und ausländerfeindlich verschrieenen Partei aufpolieren. Der 32-Jährige lebt mit seinem Freund zusammen, bekennt sich aber zu einem „konservativen Familienbild“ und lehnt das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ab. In der „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ wurde er nun zum stellvertretenden Generalsekretär gewählt.

Weitere Vorstandsmitglieder
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Auch der restliche Vorstand besteht aus Weckruf-Mitgliedern: Jochen Seeghitz ist Schatzmeister, Arnd Frohne sein Stellvertreter. Jürgen Joost wurde zum Leiter des Vorstandssekreteriats gewählt, Margot Rheinheimer-Bradtke zur Justiziarin und Franz Novosel zum Mitgliederbeauftragten. Weitere Vorstandspositionen sollen später nachgewählt werden.

In einer aktuellen Umfrage ist sie jedoch in der Wählergunst auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren gefallen. Im Insa-Meinungstrend sackte die AfD im Vergleich zur Vorwoche um 0,5 Punkte ab und kommt nun noch auf drei Prozent Zustimmung, wie die „Bild“-Zeitung berichtet. Die Anhänger des inzwischen ausgetretenen Parteigründers Lucke hatten nach heftigen Richtungskämpfen am Wochenende entschieden, eine neue Partei zu gründen.

Forsa-Chef Manfred Güllner bezweifelt, dass die neue Lucke-Partei bei bevorstehenden Wahlen über die in Deutschland geltende Fünf-Prozent-Hürde kommen kann. „Die neue Lucke-Partei ist gewissermaßen eine Abspaltung von der Abspaltung. Da fragt man sich: Welches Klientel kann diese Partei ansprechen, dessen Themen nicht schon längst von anderen besetzt wären?“, sagte Güllner der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

„Lucke-Partei von Fünf-Prozent-Hürde Lichtjahre entfernt“
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12 Kommentare zu "Alfa: Neue Lucke-Partei macht AfD das Leben schwer"

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  • Herr Neuerer - nicht gegen die AfD hetzen bitte ...... ;O) Sonst aboniere ich nicht mehr den HB-PREMIUM-ZUGANG ....

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    "... Nur wenige engagierte Christen wechseln von der AfD zu ALFA

    Die Bundeskoordinatorin der „Christen in der AfD“, Anette Schultner (Hameln), sagte auf idea-Anfrage, sie kenne „nur ganz wenige engagierte Christen“, die zur ALFA-Partei gewechselt seien. Dort sammelten sich vor allem Bürger mit einer liberalen Ausrichtung, darunter ehemalige FDP-Mitglieder. Nach Ansicht von Schultner dürfte es Lucke deshalb schwer haben, sein christliches Profil – etwa mit seiner kritischen Haltung zur Abtreibung – in der neuen Partei durchzusetzen. Schultner zeigte sich überrascht von dem neuen Parteikürzel. Es sei verwunderlich, dass dort offenbar niemand von der etablierten Lebensrechtsorganisation gewusst habe. ..."
    http://www.idea.de/thema-des-tages/artikel/alfa-lebensrechtler-gegen-neuen-parteinamen-alfa-83376.html

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    Alpha Beta Gamma - Herr Lucke wird mit seinem "Führer-Kult" noch oft scheitern.

    Das ist jedenfalls zu hoffen.

    Er biedert sich als bellender Kettenhund im Auftrag der Blockparteien gegen die AfD an. Widerlicher kann man sich nicht mehr benehmen und auch nicht egozentrischer.


    PFUI Lucke !!

    Lucke, Henkel, Starbatty, Trebesius - eine tolle "Elite-Riege" um

    - gegen Bürgerrechte und Basisdemokratie
    - für TTIP und billige Absatzmärkte, US-Hörigkeit, Diktatur der Gross-Industrie
    - für EU-Zentral-Staat mit dem bekennenden Lügner und Alkoholiker als Chef
    - für Abschottung und Agression gegen Russland
    - für Ausweitung der NATO in Richtung Osten - direkt vor Russlands Grenzen
    - für Abbau der Souveränität Deutschlands als Nährbrei für das Projekt Europa, Deutschland als europäische Schulden-Toilette ...

    einzustehen. PFUI !!

  • Man merkte richtig das nun endlich neuer Elan in die AfD kommt, es gibt auch bereits neue Eintritte "ohne Probezeit", gut das die Professoren und Beamten weg sind, alles Schwätzer und Theoretiker, mit denen konnte man kein unbesetztes Dixi stürmen.
    Ich freue mich auf die Landtagswahl in BW 2016, da wird's viele lange Gesichter geben, aber die Altparteien tun ja auch alles dafür.

  • geschuldet

  • Werte Experten und Meinungsbildner,

    machen Sie sich mal um die AfD keine Sorgen! Allein schon durch die täglich sich intensivierenden, politischen Problemfelder, allen voran der fortwährende EURO und EU-Krise, der ausufernden Flüchtlingsströme und der dadurch verbundenen absehbaren inneren Unruhen, sowie der Genderinghysterie wird ganz von alleine zur raschen Genesung und Zulauf bei den Alternativen sorgen. Das aktuelle öffentlich sugerierte Stimmungstief ist doch überwiegend der medialen Ausschlachtung der Mainstream-Presse geschultet.

  • "Meinungsforschung"? Meinungsmanipulation!

  • @ Dietmar Neuerer
    Ich wünsche Ihnen besser zu recherchieren.

    Die AfDler sind froh dass Lucke und seine Weckrufler endlich von dannen ziehen! Jetzt können wir endlich kreativ und sinnvoll weiterarbeiten und die Partei mit vernünftigem Führungspersonal ausstatten!

    Wir werden auch die Finanzen genauestens prüfen, sehr geehrte Herren. Das wird sicher noch ein Nachspiel haben.

  • "Ganz oben auf der Liste würden „sicherlich“ die Namen von Petry sowie Parteivize Alexander Gauland stehen."

    Schon allein an diesen Äußerungen erkennt man wie realitätsfremd und regelrecht anmaßend, der Herr Professor ist.
    Warum sollten denn Petry und Co in seinen Alfa-Verein eintreten wollen? Die sind doch absolut froh das Lucke und seine Truppe weg ist. Nie im Leben werden die den noch mal folgen!

  • Der größte Negativposten ist doch Lucke.
    Er ist unglaubwürdig, deshalb sollte die AfD froh sein, dass sie ihn los hat.

    Außerdem sind Umfragen normalerweise erst in 2 Jahren wichtig. Wer von uns weiß, was dann in Deutschland los ist.

  • Wer die wahre Alternative ist, zeigte sich, als die Bankschulden beim Zocken in Griechenland auf die Steuerzahler abgewälzt wurden. Damals gab es im Bundestag nur eine Partei, die dagegenstimmte: DIE LINKE!
    Heute wissen wir, sie hatte recht. EIne Pleite der Banken wäre sehr heilsam gewesen. Es hätte gereicht, die Einlagen der Bürger abzusichern. Diese wäre billiger gekommen.

  • Güllner hat auf einem SPD-Ticket Karriere gemacht und ist bzgl. der AfD regelmäßig durch zu tiefe Prognosen aufgefallen.

    Binkert reiste auf einem CDU-Ticket zum Erfolg.

    Erwartet das Handelsblatt von solchen Leuten aussagekräftige Prognosen?

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