Alfred Tacke denkt an Wechsel in die Wirtschaft
Chef-Vorbereiter der G-8-Gipfel verlässt die Bundesregierung

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) muss sich möglicherweise einen neuen Chef-Vorbereiter (Sherpa) für die jährlichen Weltwirtschaftsgipfel suchen. Der dafür zuständige Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke denkt nach Angaben aus Regierungskreisen an einen Wechsel in die Wirtschaft.

HB BERLIN. Tacke lehnte eine Stellungnahme dazu ab. „Ich möchte dazu nichts sagen“, sagte Tacke am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Regierungssprecher Bela Anda und eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums lehnten es gleichfalls ab, zu diesen „spekulativen Personalmeldungen“ Stellung zu nehmen. Anda ergänzte aber: „Es gab ein enges Vertrauensverhältnis, es gibt ein enges Vertrauensverhältnis zwischen dem Bundeskanzler und Staatssekretär Tacke.“ Diesem Anforderungsprofil eines engen Vertrauensverhältnisses zum Kanzler werde Tacke gerecht, „es wäre auch das Anforderungsprofil für jeden Nachfolger, wenn man sich schon auf eine solche theoretische Debatte einlassen würde“. Tacke gilt seit vielen Jahren als einer der engsten Vertrauten Schröders.

Zeitungen hatten berichtet, Tacke werde wohl Anfang 2005 Vorstandsmitglied eines deutschen Industriekonzerns werden. Der 53-Jährige ist seit 1998 beamteter Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Im November 2000 übernahm er zusätzlich das Amt des persönlichen Beauftragten des Bundeskanzlers für die Vorbereitung der Weltwirtschaftsgipfel (G-8-Gipfel).

Der in Celle geborene Tacke gilt als einer der mächtigsten Männer in der deutschen Wirtschaftspolitik. Sein Zuständigkeitsbereich im Ministrium umfasst zentrale Bereiche der deutschen Wirtschaftspolitik wie Wettbewerbs- und Preis-, Telekommunikations-, Industrie- und Außenwirtschaftspolitik. Zudem verfügt Tacke über breite Erfahrung in der Energiepolitik. Bekannt wurde er unter anderem dadurch, dass er 2002 für Wirtschaftsminister Werner Müller das Verfahren um die Ministererlaubnis im Fusionsfall E.ON/Ruhrgas führte.

Tacke war wiederholt als Kandidat im Gespräch, wenn über ein Ausscheiden von Finanzminister Hans Eichel (SPD) aus dem Kabinett spekuliert wurde. Auch als es vor einigen Monaten um die Nachfolge des damaligen Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke ging, wurde Tacke als aussichtsreicher Kandidat genannt. Tacke arbeitete schon in den 90er Jahren, lange Zeit auch als Staatssekretär, eng mit Schröder während dessen Amtszeit als niedersächsischer Ministerpräsident zusammen.

Als einen Grund für das voraussichtliche Ausscheiden Tackes wurde in der „Financial Times Deutschland“ einen Kompetenzstreit mit einem weiteren Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Georg Wilhelm Adamowitsch genannt. Diese Darstellung wurde allerdings in Regierungskreisen als unzutreffend zurückgewiesen. Adamowitsch gilt als Vertauter von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, mit dem er zusammen 2002 von Düsseldorf nach Berlin gewechselt war.

Der Sherpa des Bundeskanzlers kam in den letzten Jahren durchweg entweder aus dem Umfeld des Kanzleramtes oder auch des Finanzministeriums. Auch der jetzige Bundespräsident Horst Köhler nahm in seiner Zeit als Finanzstaatssekretär Anfang der 90er Jahre für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl diese Aufgabe war.

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