ALG II wirkt wie ein Mindestlohn
Arbeitslose oft nicht zu Verzicht bereit

Arbeitssuchende in Deutschland erwarten ein höheres Einkommen im Vergleich zu dem Lohn, den sie vor der Erwerbslosigkeit erzielt haben. Und diese Erwartung schrauben sie auch nicht herunter, je länger sie arbeitslos sind. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

HB KIEL. Fazit der Studie: Arbeitslose Menschen verspielen häufig mit überzogenen Einkommensvorstellungen Chancen auf dem Stellenmarkt. Die Lohnerwartungen Arbeitsuchender in Deutschland lägen im Mittel um 10 Prozent über den Löhnen, die sie vor ihrer Erwerbslosigkeit erzielt haben. Dagegen erhöhten Abstriche um 10 Prozent bei den Lohnforderungen in der Frühphase der Arbeitslosigkeit die Aussicht auf neue Anstellung um 20 Prozent.

Der Anspruch von 10 Prozent über dem letzten Einkommen ist laut IfW im internationalen Vergleich ein hoher Wert. „In Großbritannien etwa ist der geforderte Lohnaufschlag deutlich geringer.“ Arbeitslose in Kanada oder Neuseeland seien im Mittel sogar dazu bereit, Lohnverzicht für einen neuen Arbeitsplatz in Kauf zu nehmen.

Im Laufe der Zeit schraubten deutsche Stellensuchende ihre Forderungen kaum nach unten, obwohl sich ihre Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz mit der Dauer massiv verschlechterten, teilte das Institut mit. Der so genannte Anspruchslohn, den der Arbeitslose von seiner neuen Firma erwarte, habe einen wesentlichen Einfluss darauf, welche Stellen er in Betracht zieht oder annimmt.

„Während ehemalige Geringverdiener von ihrem neuen Arbeitgeber einen Aufschlag von 19 bis 55 Prozent auf ihr letztes Einkommen erwarten, sind ehemals Höherverdienende bereit, Abschläge in Höhe von 5 bis 18 Prozent zu akzeptieren“, schildern die IfW-Experten. Ursache dieser Schieflage sei vor allem, dass die Menschen beim Sprung vom Arbeitslosengeld II zu einem schlecht bezahlten Job nicht allzu viel mehr im Portemonnaie hätten. „Das Arbeitslosengeld II wirkt hier wie ein Mindestlohn, der die Lohnforderungen nach oben treibt und die Anreize zur Aufnahme einer Arbeit deutlich reduziert.“

Internet: Kurzfassung der Studie von Björn Christensen: http://www.uni-kiel.de

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