Ali Samadi Ahadi
Mit Disziplin zum deutschen Filmpreis

Der Filmemacher Ali Samadi Ahadi kam als 13-Jähriger aus Iran nach Deutschland. Inzwischen hat er sich durchgesetzt. Sein jüngster Erfolg: 2006 gewann er mit seinem Film „Lost Children“ den Deutschen Filmpreis.

KÖLN. Er tritt auf die Menschen zu, schüttelt Hände, umarmt Bekannte und ignoriert souverän das Blitzlichtgewitter der Fotografen. Der Mann im Kordanzug und zurückgegeltem Haar strahlt Selbstbewusstsein und Erfolg aus, während er auf dem Kölner Filmfestival sein jüngstes Werk vorstellt.

Zu Selbstbewusstsein hat Ali Samadi Ahadi auch allen Grund. Der 34-Jährige ist ein erfolgreicher Filmemacher. Für den Dokumentarfilm „Lost Children“, den er gemeinsam mit Oliver Stoltz gedreht hat, gewann er mehrere Preise, zuletzt den Deutschen Filmpreis – und viel Lob. Es sei „ein harter Film, wie man ihn nur einmal im Leben sieht“, sagte etwa Berlinale-Chef Dieter Kosslick. „Lost Children“ porträtiert vier frühere Kindersoldaten in Norduganda, die von Rebellen gezwungen wurden, zu kämpfen und zu töten.

Samadi drohte selbst das Schicksal eines Kindersoldaten. Iran schickte im Krieg gegen Irak auch Jugendliche an die Front; Schulkameraden von Samadi kehrten nie zurück. Deswegen floh er mit 13 Jahren ohne Eltern zum Bruder nach Deutschland. Die ersten Tage waren für ihn besonders hart. „Ich habe geweint und geweint“, erinnert sich Samadi.

Kämpfen für den glatten Lebenslauf

Doch der Junge verliert keine Zeit: Er lernt Deutsch, macht Abitur, studiert visuelle Kommunikation, dreht Filme. Was sich wie ein mühelos glatter Lebenslauf liest, war ein Kampf. Zehn Jahre ist ungewiss, ob er in Deutschland bleiben darf. Alle drei bis sechs Monate muss Samadi seine Aufenthaltsgenehmigung verlängern, darf weder arbeiten noch studieren. „Bevor ich eingebürgert wurde, habe ich ein Leben auf dem Wartegleis gelebt“, sagt Samadi.

Stiche versetzten ihm auch Blicke auf der Straße, aus denen er Verachtung abliest und die ihn spüren lassen, dass er Ausländer ist. Um die Innenstadt von Hannover macht er abends einen Bogen, weil dort Rechtsradikale ihren Treffpunkt haben. Zweimal wird er von Neonazis angegriffen. Heute sei die Gesellschaft offener als in den 80er-Jahren, sagt er.

Dass Samadi nicht aufgibt und hartnäckig seine Ziele verfolgt, beeindruckte die Menschen in seiner Umgebung. „Schon damals war er eine herausragende Persönlichkeit“, sagt sein ehemaliger Lehrer Fritz Hoche, der Samadi im Alter von 17 Jahren kennen lernte. Samadi habe eine „unglaubliche Energie“ gehabt. Obwohl der Jugendliche ohne Familie lebte – der Bruder war fortgezogen – sei er dennoch sehr viel disziplinierter als andere Schüler gewesen.

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