Alkoholkonsum
Wirtschaft lehnt Werbeverbote ab

Die Wirtschaft läuft Sturm gegen Empfehlungen des Drogen- und Suchtrats der Bundesregierung. Der zunehmende Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen könne laut dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft nicht mit Reklamebeschränkungen und Verkaufsverboten bekämpft werden. Die Genussmittelbranche sieht sich indes zu Unrecht in der Rolle des Sündenbocks.

BERLIN. Laut dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft bleibe der Konsum und Missbrauch von Alkohol auch bei massiven Werbebeschränkungen konstant. Bei einer Anhörung zu den Plänen des Drogen- und Suchtrats der Bundesregierung zur Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs stützte sich der Verband dabei auf Beispiele aus Skandinavien und Frankreich.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) stieß ins gleiche Horn und warnte davor, „einen Sündenbock zu suchen“. Das Problem sei nicht das Produkt Alkohol an sich, sondern ein fehlgeleiteter Konsum, so die Interessenvertretung der Beschäftigten in der Getränkewirtschaft und im Gaststättengewerbe. Nach Ansicht der Werbewirtschaft seien die Ursachen für die Flucht Jugendlicher in den Alkohol konfliktträchtige Eltern-Kind-Beziehungen oder Schulprobleme.

Der Drogen- und Suchtrat spricht sich unter anderem für ein Verbot der Alkoholwerbung in Fernsehen und Kino vor 20 Uhr und der Verbindung solcher Werbung mit Sportsendungen aus. Außerdem will er die Promillegrenze für Autofahrer von 0,5 auf 0,2 senken und die Plakatwerbung für Zigaretten komplett verbieten. Ferner sollen die Verkaufszeiten und -orte für Alkohol einschränkt werden.

„Staatliche Verbote bringen generell nichts“, sagte der Chef des Brauerbundes, Peter Hahn, dem Handelsblatt. Er verwies auf die vor einigen Jahren eingeführte Alcopopsteuer. „Die hat zwar dazu geführt, dass Bacardi seine Produktion dieser Getränke einstellen musste.“ In der Folge sei aber der Wodkaabsatz um über zehn Prozent gestiegen. Dies sei ein starkes Indiz dafür, dass die Jugendlichen sich nun ihre Alcopops selber mixten. Zudem sei der Konsum vom Bier und hartem Alkohol in Deutschland seit Jahren rückläufig. „Bei der Werbung geht es deshalb doch längst nur noch um den Kampf um Marktanteile an einem insgesamt schrumpfenden Kuchen.“

Die Verbände der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger warnten, Werbeverbote schnürten die Finanzgrundlage der Presse ein und führten zu Beschränkungen bei der Aufklärung über Alkohol. Der Fachverband Sponsoring fürchtet Verluste in Höhe von rund 600 Mill. Euro für Kultur- und Sportveranstaltungen. Einig sind sich alle Kritiker darin, dass Werbeeinschränkungen auch den Konsum bei Jugendlichen nicht senken würden.

Das sieht die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) freilich anders. Sie verweist neuere aus den USA und Belgien. Diese zeigten übereinstimmend, dass Jugendliche um so früher mit dem Trinken beginnen und um so mehr Alkohol zu sich nehmen, je mehr Alkoholwerbung sie sähen.

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