Alkoholmissbrauch
Drogenbericht: Koma-Saufen besorgniserregend

Allen Warnungen vor den Risiken zum Trotz: Das sogenannte Koma-Saufen bleibt bei Jugendlichen weiter im Trend. Mehr als 23 000 Kinder wurden im Jahr 2007 bewusstlos betrunken ins Krankenhaus gebracht - so viele wie nie zuvor.

dpa BERLIN. Mehr als 20 Prozent der Minderjährigen seien im vergangenen Jahr mindestens einmal pro Monat betrunken gewesen, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing bei der Vorstellung des neuen Drogenberichts am Montag in Berlin. Vor allem an Wochenenden werden die Opfer dieses hemmungslosen Alkoholkonsums in die Ambulanzen eingeliefert. Noch nie mussten so viele 10- bis 20-Jährige wegen des sogenannten Binge-Trinkens stationär behandelt werden wie im vergangenen Jahr. "Man muss hier mehr tun", räumte Bätzing nach dreieinhalb Jahren im Amt ein.

Das Problem liegt nicht nur bei den Jugendlichen: In Deutschland trinken fast zehn Millionen Menschen Alkohol in riskanter Form - also weit mehr als gut für sie wäre. Zehn Liter reiner Alkohol rinnt im Durchschnitt durch die Kehle eines Bundesbürgers pro Jahr. Rund 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.

Die Tendenz beim Alkoholkonsum ist zwar leicht rückläufig. Deutschland liegt aber nach Angaben aus dem neuen Drogenbericht der Regierung im internationalen Vergleich weiter unter den Top Ten. "In der Gesellschaft herrscht eine weit verbreitete unkritisch positive Einstellung zum Alkohol vor", heißt es im Bericht. Schärfere Kontrollen sollen her, denn neue Gesetze sind kaum durchsetzbar.

Bätzing warf dem Koalitionspartner Union vor, aus Wahlkampf- Gründen ein nationales Aktionsprogramm gegen den Alkoholmissbrauch zu blockieren. Rücksicht vor Wirtschaftsinteressen dürfe den Jugendschutz nicht überlagern.

Beim Kampf gegen das Rauchen fällt die Bilanz der Drogenbeauftragten weit besser aus. Bei Jungen zwischen 12 und 17 Jahren rauchten 2008 nur noch 14,7 Prozent nach 27,2 Prozent im Jahr 2001, bei Mädchen 16,2 Prozent nach 27,9 Prozent. Das ergab eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Nach dem bundesweiten Gesetz zum Nichtraucherschutz in Bahnen, Bussen und Behörden gibt es seit Sommer vergangenen Jahres in allen Ländern Regelungen für Gaststätten. Bätzing bemängelt hierbei allerdings die Ausnahmen.

Erfolgreich war der Kampf gegen die Modedroge "Spice", die sie im Januar per Eilverordnung verboten hatte. Die Kräutermischungen verschwanden nach Bätzings Angaben aus den entsprechenden Läden und aus dem Internetvertrieb.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Aktionspläne der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) in der jetzigen Form abgelehnt. "Maßgebliche Teile der heute vorgestellten Aktionsprogramme haben (...) lediglich prüfenden und empfehlenden Charakter", teilte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin mit. Außerdem seien sie mit den Beteiligten nicht ausreichend abgestimmt. "Das reicht qualitativ für eine nationale Initiative der Bundesregierung nicht aus." Bätzing hatte der Union eine Blockade ihrer Aktionspläne gegen Alkohol und Tabak vorgeworfen und darauf verwiesen, dass diese bereits intern abgestimmt seien.

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