Alkoholmissbrauch
Experten fordern höhere Steuern

Knapp zehn Liter reinen Alkohol trinken die Deutschen im Schnitt – weit mehr als der weltweite Durchschnitt. Auch Jugendliche trinken regelmäßig, Experten fordern daher schärfere Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch.
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BerlinVor der Vorstellung neuer Zahlen zum Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen mehr Anstrengungen gegen Alkoholmissbrauch gefordert. „Der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol ist stabil auf hohem Niveau“, sagte Geschäftsführer Raphael Gaßmann der Deutschen Presse-Agentur.

Bei Jugendlichen habe es zwar zuletzt einen Rückgang etwa von Klinikeinweisungen wegen übermäßigen Trinkens gegeben. So wurden 2013 rund 23.200 junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht, im Jahr zuvor waren es noch 26.700. Doch Gaßmann sagte: „Die Jugendlichen trinken etwas besonnener, das ist noch kein Erfolg.“

Insgesamt liegt der Pro-Kopf-Konsum laut der Hauptstelle seit 2007 unverändert nur knapp unter zehn Liter reinem Alkohol. Der weltweite Durchschnitt liegt laut Weltgesundheitsorganisation bei 6,2 Liter.

Gaßmann sagte: „Je nach Schätzung gibt es zwischen 80.000 und 120.000 Alkoholtote pro Jahr in Deutschland.“ Leberzirrhose und Bauchspeicheldrüsenkrebs zählten zu den Hauptfolgen übermäßigen Trinkens.

Gaßmann forderte die Politik auf, Werbebeschränkungen, Einschränkungen beim Alkoholverkauf und höhere Steuern für Alkohol anzupacken. „Auf Branntwein wird dieselbe Steuer erhoben wie vor 25 Jahren, doch die Einkommen sind seither deutlich gestiegen.“ Folglich schreckten die Kosten immer weniger ab – auch für Jugendliche sei Alkohol „taschengeldfreundlich“.

An diesem Dienstag stellen die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Ergebnisse einer Befragung unter 12- bis 25-Jährigen aus dem vergangenen Jahr vor.

Die Befragung davor stammte aus dem Jahr 2012. Demnach betranken sich damals rund 17 Prozent der 12- bis 17-Jährigen und 44,1 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren mindestens einmal in den 30 Tagen vor der Befragung. Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die regelmäßig zur Flasche griffen, lag bei rund 14 Prozent.

Bei jungen Erwachsenen waren es 38,4 Prozent. Insgesamt gelten etwa 1,77 Millionen Erwachsene als alkoholabhängig.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Alkoholmissbrauch: Experten fordern höhere Steuern"

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  • Experten müssen endlich bestraft werden. Haben diese Personen schon vergessen, was sie anrichten bzw. schon haben? Man sehe nur Infrastruktur oder Airbus!

  • Das stimmt so ja nicht. Die Verbote des Rauchens im öffentlichen Raum und der erschwerte Zugang zu Tabakwaren für Jugendliche haben beispielsweise zu einem signifikanten Rückgang von Rauchern geführt. Eine Preissteigerung ist ein hervorragendes Mittel um den Konsum von bestimmten Waren einzuschränken. Darüber hinaus ist eine Steuererhöhung durchaus sinnvoll: die wirtschaftlichen Schäden aus dem Saufen und Rauchen (z.B. medizinische Betreuung) trägt die gesamte Gesellschaft solidarisch, da könne die Verursacher ruhig ein paar Taler drauf legen.

  • Gegen mehr Aufklärung und gezielte Werbebschränkungen ist nichts einzuwenden. Dass aber selbst exorbitant hohe Alkoholsteuern oder gar ein völliges Verbot wirkungslos bleiben, ja oft das Gegenteil bewirken, zeigen doch Beispiele aus der Historie (USA) und Gegenwart (Skandinavien). Kaum irgendwo sonst gibt es so viele Trinker bei gleichzeitig hohen Selbstmordraten wie dort. Es ist ein wenig wie mit den Tempolimits auf Autobahnen. Überall dort, wo es sie gibt, liegt die Zahl der Verkehrstoten auf Fernstraßen (teilweise weit) höher als hierzulande, z. B. in Frankreich. Darüber verlieren die "zuständigen Ideologen" aber am liebsten kein Wort.

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