Allein für das Fach Deutsch Umsatzrückgang in Millionenhöhe
Rechtschreib-Diskussion belastet Schulbuch-Verlage

Unmittelbar vor Beginn des neuen Schuljahres in den großen Bundesländern bekommen die Schulbuchverlage die Auswirkungen der Rechtschreib-Diskussion zu spüren.

DÜSSELDORF. "Allein für das Fach Deutsch haben wir in den letzten Wochen einen Umsatzrückgang in Millionenhöhe hinnehmen müssen", sagte Harald Melcher, Geschäftsführer beim Branchenprimus Ernst Klett Verlag GmbH, dem Handelsblatt (Montagausgabe).

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen beginnt an diesem Montag das neue Schuljahr. Bayern und Baden-Württemberg folgen. In den anderen Ländern läuft der Unterricht bereits seit einigen Wochen. ""Unsere Außendienstmitarbeiter bemerken dort eine spürbare Kaufzurückhaltung für das Fach Deutsch", sagte Melcher.

Der Verband der 70 Schulbuchverlage, VdS Bildungsmedien, warnte bei einer Kehrtwende zur alten Rechtschreibung vor immensen Kosten. "Wir erwarten bei einer Rückkehr zur alten Schreibweise Kosten von weit über 250 Mill. Euro", sagte Vds-Geschäftsführer Andreas Baer dem Handelsblatt. Das entspricht in etwa den Jahresausgaben der öffentlichen Hand für Lernmittel. "Diese Kosten sind nicht durch öffentliche Mittel gegenfinanziert", sagte Klett-Geschäftsführer Melcher.

Allein bei Klett müssten nur für die Fächer Deutsch und Geschichte/Sozialkunde 3000 Titel erneut umgestellt werden. "Für das Schuljahr 2005/2006 könnten wir bei einer verzögerten Entscheidung nicht genügend überarbeitete Bücher zur Verfügung stellen." Die Klett-Gruppe hat im vergangenen Jahr 320 Millionen Euro umgesetzt.

Die Diskussion um die Rechtschreibreform erreichte in diesem Sommer einen Höhepunkt. Zunächst hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, dass vom 1. August 2005 an in allen Schulen grundsätzlich die neue Rechtschreibung angewendet werden muss. Mehrere unionsregierte Länder forderten daraufhin öffentlich, die Reform zu kippen. Im August gaben dann die Verlage Axel Springer und Spiegel gemeinsam bekannt, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren. Im Oktober werden sich die Ministerpräsidenten erneut mit dem Thema befassen.

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