„Allein im AOK-System müssen noch drei Milliarden Euro Schulden abgebaut werden“: Kassen erzielen Milliarden-Überschuss

„Allein im AOK-System müssen noch drei Milliarden Euro Schulden abgebaut werden“
Kassen erzielen Milliarden-Überschuss

Die gesetzlichen Krankenkassen haben das Jahr 2004 mit einem Überschuss von 3,8 Milliarden Euro abgeschlossen. Das geht aus den Abrechnungsdaten der Kassenverbände vor, die dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) vorliegen. Noch vor wenigen Tagen hatten führende Kassenfunktionäre das Plus auf nur drei bis 3,5 Mrd. Euro geschätzt.

BERLIN. Der Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, Hans Jürgen Ahrens, kündigte angesichts der unerwartet positiven Entwicklung an, dass die Ortskrankenkassen nun im Mai oder Juni über weitere Beitragssenkungen entscheiden würden. „Der Spielraum für Senkungen ist allerdings nicht so groß, wie die Überschussdaten nahelegen“, sagte Ahrens dem Handelsblatt. Er verwies auf neue Kostenrisiken in diesem Jahr und den immer noch hohen Schuldenstand mancher Kassen. „Allein im AOK-System müssen noch drei Milliarden Euro Schulden abgebaut werden“, sagte Ahrens.

Den niedrigsten Überschuss erzielten mit rund 300 Millionen Euro die Innungskrankenkassen, gefolgt von der AOK mit 900 Millionen Euro, den Betriebskrankenkassen mit 1,2 Milliarden Euro und den Ersatzkassen mit 1,4 Milliarden Euro. Damit erzielten die Betriebskrankenkassen gemessen an ihrem geringen Marktanteil von 20 Prozent den höchsten Überschuss pro Mitglied.

Als Hauptgrund für die positive Entwicklung nannte AOK-Chef Ahrens die Praxisgebühr, die höheren Zuzahlungen und die Leistungsausgrenzungen durch die Gesundheitsreform. Sie hätten durchaus auch steuernde Wirkung gehabt und zum Beispiel zu weniger Arztbesuchen geführt. „Unsere Leistungsausgaben sind um 3,6 Prozent gesunken.“ Die Einnahmen seien nicht gestiegen. Dagegen gab es bei Ersatz-, Innungs- und Betriebskrankenkassen trotz der schwachen Lohnentwicklung und des weiteren Rückgangs der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten Einnahmezuwächse von bis zu zwei Prozent. „Ursache hierfür sind allerdings Sondereffekte, die sich in diesem Jahr nicht wiederholen werden“, sagte die Sprecherin des Ersatzkassenverbands, Michaela Gottfried. Vor allem die Rentner haben frisches Geld in die Kassen gespült, weil sie seit 2004 statt des halben den vollen Beitragssatz auf Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten zahlen müssen.

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