Allein im vierten Quartal soll 52 Milliarden Euro aufgenommen werden
Bund zapft Finanzmärkte an

Analysten halten es jedoch durchaus für möglich, dass der Bund wegen einer höheren Neuverschuldung im Nachtragshaushalt zusätzliche Schulden aufnehmen muss. Der Bund will sich von Oktober bis Dezember wie geplant rund 52 Milliarden Euro an den Finanzmärkten leihen.

HB FRANKFURT. Die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftragte Finanzagentur des Bundes bestätigte mit dem am Dienstag vorgelegten Emissionskalender ihre - bereits Mitte des Jahres aufgestockte - Planung. „Eine erneute Abweichung von den Vorgaben wäre für den Markt eine Hiobsbotschaft gewesen“, sagte Renten-Analyst Christoph Rieger von der Commerzbank.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wird im November nach der Steuerschätzung einen Nachtragshaushalt vorlegen, da die Neuverschuldung seiner Einschätzung zufolge in diesem Jahr mit rund 38 Mrd. € etwa doppelt so hoch ausfallen wird wie ursprünglich geplant.

Ob der Bund den Kapitalmarkt wegen der höheren Neuverschuldung noch in diesem Jahr zusätzlich anzapfen muss, wird nach Einschätzung der Analysten entscheidend von den Steuereinnahmen abhängen. „Ich gehe davon aus, dass der Bund versuchen wird, sich ins nächste Jahr zu retten. Die Steuereinnahmen im August waren allerdings nicht sehr ermutigend“, sagte Rieger. Die Steuereinnahmen des Bundes lagen im August überraschend 12,8 % unter dem Vorjahresniveau.

„Möglicherweise sehen wir zum Jahresende nach dem Nachtragshaushalt wie im vergangenen Jahr noch eine Aufstockung einiger Emissionen“, sagte Rieger. Auch Bernd Weidensteiner von der DZ Bank sagte: „Wenn die Steuereinnahmen schwächer ausfallen, kann es schon gut sein, dass noch Geld benötigt wird.“ Die Prognose der Steuereinnahmen für das Gesamtjahr ist sehr schwierig, weil der Dezember ein entscheidender Monat ist.

Dem Bund stehen zur Geldbeschaffung noch andere Möglichkeiten zur Verfügung, wenn er den Gang an den Rentenmarkt verhindern will. „Der Bund kann auch an anderen Rädchen drehen, um den Kapitalmarkt zu schonen. Zuletzt gab es etwa mehr Schuldschein-Platzierungen bei Banken“, sagte Rieger. Auch am Geldmarkt könne der Bund zur Überbrückung Kredite aufnehmen. Angesichts der steigenden deutschen Neuverschuldung haben Anleger in den vergangenen Monaten teilweise nur zögerlich in Anleihen des Bundes investiert.

Wie bereits angekündigt, beträgt das Emissionsvolumen der unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubills) auch im vierten Quartal jeweils sechs Mrd. € inklusive einer Marktpflegequote und damit insgesamt drei Mrd. € mehr als in der ursprünglichen Planung vom Dezember 2002. Die Tilgungen des Bundes und seiner Sondervermögen Fonds „Deutsche Einheit“ und ERP-Sondervermögen belaufen sich im vierten Quartal auf insgesamt rund 40,8 Mrd. €, darunter 0,1 Mrd. € für die Sondervermögen, teilte die Finanzagentur in ihrem Emissionskalender weiter mit.

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