Allensbach-Studie
Chancengleichheit in der Schule? Mangelhaft

Eine Chance auf gute Bildung hat in Deutschland längst nicht jeder. Entscheidend ist, aus welchem Milieu die Schüler kommen, belegt eine neue Studie. Und dass sich jemand um die Kinder kümmert. Doch genau da hapert es.
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DüsseldorfKevin ist einer, der es geschafft hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass es hätte anders kommen können, war groß, erzählt Arndt Hilse, Schulleiter der Karl-Simrock-Hauptschule in Bonn. Denn noch immer ist es für Hauptschüler besonders schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Doch Kevin hat es geschafft, er wird Bäcker. Dass er einen Platz ergattern konnte, hat auch viel mit dem Engagement seiner Lehrer zu tun, die immer wieder neue Ideen haben, um den Schülern Ausbildungsplätze zu vermitteln. Sie wissen, ihre Schüler haben es sowieso schon schwer.

Das hat etwas mit Bildungschancen zu tun, die in Deutschland noch immer ungleich verteilt sind. Die Mehrheit der Lehrer glaubt nicht daran, so eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung, dass es an deutschen Schulen in Sachen Chancengleichheit gut bestellt ist. 61 Prozent meinen sogar, Gerechtigkeit im deutschen Bildungssystem sei fast gar nicht oder gar nicht gegeben. Der Grund dafür: die soziale Herkunft der Schüler.

Die repräsentative Studie untersucht die Einstellung von Lehrern, Schülern und Eltern zur Bildungszufriedenheit. Abgefragt wurden neben der Chancengerechtigkeit zum Beispiel die Gründe für unterschiedliche Chancen der Kinder, die Einstellungen zu Schulempfehlungen und die Meinung der Schüler über ihr Lehrer. Die Ergebnisse zeigen: Es gibt einige Baustellen - und eine davon ist schwerwiegend.

Das ist die soziale Herkunft. Laut Studie glauben 96 Prozent der Lehrer, dass der soziale Hintergrund des Elternhauses die Leistung von Schulkindern beeinflusst. 83 Prozent halten ihn sogar für groß bis sehr groß.

Kommentare zu " Allensbach-Studie: Chancengleichheit in der Schule? Mangelhaft"

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  • Wieder mal eine Umfrage zur Bildung. So, der soziale Hintergrund sei entscheidend für die Schulkarriere? Ja, Kinder aus Familien mit hoher Bildungsaspiration - die es beileibe nicht nur in den besser gestellten Familien gibt - sind eben deshalb besser, weil sie ihre Energien auf ein Bildungsziel ausrichten können. Die Bildungsforschung hat nicht weniger als 26 Kriterien für Gymnasialreife aufgestellt. Nur – daran wird selten das Kind gemessen, der soziale Hintergrund macht sich natürlich publizistisch besser. Es ist schon bemerkenswert, dass endlich mal festgestellt wird, dass es die Eltern sind, die mit ihrem Desinteresse die Möglichkeiten der Kinder beschränken. .Siehe auch das Buch "Deutschland, die selektive Bildungsrepublik?", 2012.Vorschulische Sprachförderung ist wichtig, aber wenn zu hause türkisch gesprochen und ferngesehen wird, dann ist die Mühe umsonst.
    Warum geht die Politik nicht auf diese Eltern zu und fordert diese Verantwortung ein?
    Geht dem Schulsystem damit ein großes Potenzial von Talentierten verloren? Wohl nicht. 30% der Studienanfänger schmeißen Ihr Studium wieder. In Bayern müssen neue 9. Klassen an den Hauptschulen eingerichtet werden, um die große Zahl der "Rückkehrer"
    von weiterführenden Schulen wieder aufzunehmen und sie zumindest zur
    Mittleren Reife zu führen. Die Bildungsforschung ist flugs mit der Benachteiligunshypothese zur Hand. Sie übersieht dabei, dass 60% aller Schüler in Bundesländern leben, in denen die Eltern letztlich entscheiden, welche Schulkarriere ihr Kind machen soll. Auch die Behauptung, die Lehrer würden inkompetent Gymnasialempfehlungen geben stimmt nicht, wie bei den Bildungsforschern nachzulesen. Genau so traurig - und auch eine nicht wahrgenommene Elternverantwortung - es gibt sehr viele kostenlose, weil ehrenamtliche
    Unterstützungsprojekte, die angeboten werden wie sauer Bier. Auch die Rate der Inanspruchnahme des Bildungspaktes von nur 60% ist ein Zeugnis dafür.

  • hahahahaha

    ja, deshalb sind auch die Abiturienten in Norddeuschland auf die Strasse gegangen, weil sie nun plotzlich die Aufgaben wie in Bayern lösen mussten - und den dafür benötigten Stoff noch nie gehört hatten.

    ich finde das Zentralabi gut - nun müssen auch in NRW die Lehrer ihren Schülern wieder was beibringen :-)

  • herje, wollen bzw. brauchen wir denn nur noch Abiturienten? Wer backt dann die Brötchen? Ach ich vergaß, die kommen ja beim Aldi aus dem Automaten. Und für Fleisch brauchen wir auch keine Metzger, das liegt nämlich abgepackt im Supermarkt. Nur - spätestens wenn die Toilette verstopft ist sind die Studierten heil froh dass es doch noch Handwerker gibt.

    Menschen haben unterschiedliche Talente - und mir ist ein guter Fliesenleger mehr wert als ein schlrchter Rechtsanwalt oder Arzt oder noch ein BWL-Student als Experte. Statt immer mehr Abiturienten zu fordern sollte man mal wieder das Handwerk honorieren - und auch besser bezahlen. So manch eine Tussi mit Barchelor sollte ihrer Frisöse ein anständiges Gehalt gönnen und beim Frisör einen vernünftigen Preis zahlen ...

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