Alles deutet auf Selbstmord
„Möllemann warf geöffneten Hauptschirm ab"

Nach dem tödlichen Fallschirmsprung des ehemaligen FDP-Politikers Jürgen Möllemann gibt es Hinweise von Augenzeugen auf einen Selbstmord des 57-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft will sich noch nicht festlegen. Die Umständen des Tods des ehemaligen FDP-Spitzenpolitikers seien bislang nach wie vor unklar, hieß es am Donnerstagnachmittag. Es werde in alle Richtungen ermittelt, dies schließe neben Unfall und Freitod auch die Frage einer Manipulation des Fallschrirms ein.

HB/dpa BERLIN. Beim Absprung Möllemanns habe sich aus „bisher völlig ungeklärten Gründen“ der Hauptfallschirm vom Körper Möllemanns gelöst, sagte der die Untersuchungen leitende Oberstaatsanwalt am Donnerstag in Recklinghausen. „Herr Möllemann ist in den freien Absturzflug geraten und hat es offensichtlich nicht mehr geschafft, den Reservefallschirm zu öffnen“. Die Ermittlungen zu den Umständen des Todes stünden noch am Anfang. „Die Ermittlungssituation ist noch nicht so, dass man irgendwelche weitergehenden Fakten nennen könnte“, fügte der Staatsanwaltschaft hinzu. Zum Hergang sei zudem nur bekannt, dass das Flugzeug bis in die Höhe von 4000 Metern aufgestiegen. Möllemann sei als letzter aus der Maschine ausgestiegen und abgesprungen.

Ein Mitspringer des Politikers berichtete derweil, Möllemann habe den bereits geöffneten Hauptschirm abgeworfen und den Reserveschirm nicht geöffnet. „Wir sind hier am Flugplatz Loemühle gestartet und auf einer Höhe von 4 000 Metern mit zehn Mann ganz normal abgesprungen“, schilderte der Chef des Fallschirmclubs Marl, Thomas Vilter, der Hörfunkagentur dpa/rufa. „Ich war in einer Fünfer-Gruppe. Wir haben also einen ganz normalen Formationssprung gemacht.“ Möllemann sei als Einzelspringer hinterher gesprungen. „Was wir bis jetzt zusammenfassend sagen können: Er hat an einem voll intakten Fallschirm gehangen, und der ist auch ganz normal aufgegangen.“ Möllemann habe in 1500, 1600 Metern Höhe den Schirm aufgemacht. „Und zu einem Zeitpunkt, der mir nicht klar ist, aber der ausreichend hoch war, hat er dann den Hauptschirm abgeworfen. Eine Störung war von hier aus, vom Boden aus, nicht zu erkennen.“

Der Hauptschirm müsse abwerfbar sein, weil man sonst die Reserve nicht richtig aktivieren könne, sagte Vilter. Es könne immer sein, dass der Hauptschirm mal eine Störung habe. „Aber normalerweise zieht man dann ja auch die Reserve. Und das ist wohl unterblieben. Das ist uns allen eigentlich unerklärlich.“

Möllemann springe normalerweise nicht in Marl. Er gehöre dem Fallschirmclub in Münster-Telgte an. Er vermiete aber eine Pilatus- Porter-Maschine. „Die gehört ihm zusammen mit einem Geschäftspartner“, sagte Vilter. Er habe mitspringen wollen und sei mit in die Maschine eingestiegen.

Nach Vilters Angaben werden in Deutschland im Jahr zwischen 300 000 und 400 000 Fallschirmsprünge gemacht. Im Jahresdurchschnitt gebe es vier oder fünf tödliche Unfälle. „Man kann also schon davon ausgehen, dass Fallschirmspringen eine relativ sichere Sportart ist.“

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