„Alles hat Grenzen“
Kanzler sagt Italien-Urlaub ab

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat angesichts der Spannungen mit der italienischen Regierung seinen geplanten Urlaub in Italien abgesagt.

HB/dpa/rtr BERLIN. Das bestätigte Regierungssprecher Bela Anda am Mittwoch in Berlin. Schröder hatte geplant, mit seiner Familie Ende nächster Woche in das Haus seines Freundes Bruno Bruni in der Nähe von Pesaro zu fahren.

Der Kanzler wolle seiner Familie nicht länger Spekulationen über die wenige gemeinsame Urlaubszeit zumuten, erklärte Anda. Die damit verbundenen Beeinträchtigungen würden die notwendige Erholung und ein ungestörtes Zusammensein in Frage stellen. Die Familie Schröder werde daher ihren Urlaub gemeinsam zu Hause in Hannover verbringen.

Italienische Zeitungen zitierten den Maler und Bildhauer Bruni mit den Worten, Schröder habe gesagt: „Alles hat seine Grenzen.“ Das Kanzleramt hatte die Italien-Reise Schröders davon abhängig gemacht, dass die anti-deutschen Ausfälle von Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani nicht „ohne Konsequenzen“ blieben. Dieser hat bislang eine Entschuldigung abgelehnt.

Stefani hatte die Deutschen unter anderem als anmaßende, stereotypisierte Blonde mit hypernationalistischem Stolz bezeichnet, die lärmend über italienische Strände herfielen. Der deutsche Europa- Abgeordnete Martin Schulz (SPD) sei „wahrscheinlich mit dröhnenden Rülpswettbewerben nach Bier- und Fressgelagen“ aufgewachsen. Schulz war in der vorigen Woche im Europäischen Parlament von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi eine Film-Rolle als KZ-Aufseher nahe gelegt worden. Dies hatte zu einer ersten schweren Verstimmung zwischen den beiden Regierungen geführt.

Nach Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement forderten Innenminister Otto Schily (beide SPD) und weitere deutsche Politiker deshalb von Ministerpräsident Berlusconi die Entlassung des Lega- Nord-Politikers Stefani. „Wenn ich Regierungschef in Italien wäre, wäre dieser Mann nicht mehr im Amt“, sagte Schily im ZDF. Der „tölpelhafte“ Staatssekretär sei für sein Amt in jeder Hinsicht ungeeignet. Deutsche könnten auch anderswo Urlaub machen, es gebe an vielen Stellen Europas schöne Ziele.

„Man muss nur sagen, was man will“, meinte Schily in Richtung der Führung in Rom. In der „Bild“-Zeitung legten Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP), Saarlands SPD- Landesvorsitzender Heiko Maas und CSU-Parlamentsgeschäftsführer Peter Ramsauer dem Kanzler einen Urlaub in ihren Regionen nahe. Der Hoteliersverband von Mallorca lud Schröder ein, seine Ferien auf der spanischen Insel zu verbringen.

Der Schriftsteller Ralph Giordano wies die Beschimpfung deutscher Italien-Touristen als „unverantwortliche Pauschalisierung“ zurück. „Offensichtlich kennt der italienische Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani all die wunderbaren Deutschen nicht, die ich als unverbrüchliche Italien-Freunde kenne und die ich ausdrücklich gegen Stefanis unverantwortliche Pauschalisierung in Schutz nehme“, sagte Giordano (80) in einem dpa-Gespräch am Mittwoch in Köln. Giordano ist Sohn eines Italieners und einer deutschen Jüdin.

Der in Hamburg lebende Bruni sagte, er habe für den Kanzler einen ruhigen Urlaub organisiert. Schröder habe sich bei früheren Besuchen in die Gegend verliebt. „Er hat gesagt, dass er sich hier ein Haus kaufen möchte, wenn er einmal aus der Politik ausscheiden wird“, sagte der Künstler, der seit langem mit Schröder eng befreundet ist.

Trotz der anhaltenden Spannungen will Berlin von Rom als möglichem Unterzeichnungsort für die neue EU-Verfassung nicht abrücken. Regierungssprecher Anda verwies auf die große Tradition Italiens als Gründungsmitglied der europäischen Gemeinschaft. Es sei deshalb durchaus vorstellbar, dass das Dokument in der italienischen Hauptstadt unterzeichnet werde. Mehrere FDP-Politiker hatten gefordert, wegen der jüngsten Entgleisungen in der italienischen Führung dafür einen anderen Ort zu suchen.

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