Alltagsrassismus

„Dieser kleine Moment der Stille“

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Immer das arme Flüchtlingsmädchen

Berlin, sagt sie, sei keineswegs so weltoffen, wie oft behauptet werde. Menschen mit Migrationsgeschichte erlebten hier oft, dass sie vor Lokalen abgewiesen würden. „Sie merken dann, die Hälfte der Orte ist gar nicht für mich. Mir bleibt dann eben die Shisha-Bar.“

Auch die Beschwerden, die bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingehen, zeigen, dass man als „phänotypisch differenter“ Mensch in Deutschland ein robustes Nervenkostüm braucht. Eine 19-Jährige meldet sich dort nach einer Fernbusreise von Berlin nach Leipzig. Sie berichtet, der Busfahrer habe sie beim Einsteigen mit den Worten „Ich fahre nicht nach Südafrika“ begrüßt. Immerhin: das Busunternehmen schickt später eine Entschuldigung und einen Freifahrtgutschein.

Auch wenn die blöden Sprüche kurzfristig vielleicht mehr schmerzen. Mindestens genauso folgenschwer sind Vorfälle wie der Fall einer dunkelhäutigen Frau, die sich um einen Ausbildungsplatz hat. Bei der Antidiskriminierungsstelle meldete sich die Frau, nachdem das Versicherungsunternehmen seine Absage damit begründet hatte, die Kunden hätten Angst vor ihr.

Nicht jeder wird so deutlich. Manchmal werden Aussehen und Herkunft zwar nicht thematisiert. Trotzdem erleben Menschen mit afrikanischen Vorfahren häufiger, dass sie bei der Wohnungssuche mehr Absagen erhalten als andere, von Türstehern oft abgewiesen werden und von Fremden auf Drogen angesprochen werden.

Fälle, in denen eine Lehrkraft sagt, „Mohammed geht besser nicht auf das Gymnasium, weil er beim Lernen sicher keine Unterstützung von der Familie erhält“, kennt Gomis aus ihrer beruflichen Praxis. Genau wie den Vorwurf, ein Schüler reagiere zu empfindlich - zum Beispiel wenn immer wieder das „N-Wort“ fällt. Sie stört auch, dass die „kleine Fatima“ im Schulbuch nie das Mathe-Genie ist, sondern immer das arme Flüchtlingsmädchen, „dem Peter und Julia helfen“.

Das mit der Hilfe ist sowieso heikel. Der Journalist Mohamed Amjahid, Sohn ehemaliger „Gastarbeiter“ aus Marokko, beschreibt in einem Buch, wie er im Sommer 2015 am Münchner Hauptbahnhof verzweifelt versucht, über die neue „deutsche Willkommenskultur“ zu berichten. Anstatt auf seine Fragen zu antworten, will ihm damals eine „ältere Frau im dirndlartigen Kleid“ unbedingt ein Stück Seife aufdrängen. „Soaap is goood“, (Seife ist gut) wiederholt sie beharrlich - obwohl er sich ihr als Journalist aus Berlin vorgestellt hat.

  • dpa
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