Alt-Bundespräsident Köhler
"Die Angriffe auf mich waren ungeheuerlich"

Der Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler Ende Mai 2010 erschütterte die politische Landschaft in Deutschland. Nun spricht er über die Gründe seines freiwilligen Abschieds.
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HamburgGut ein Jahr nach seinem Rücktritt als Bundespräsident hat Horst Köhler sein Schweigen gebrochen und sich zu seinen Beweggründen geäußert. "Ich bin zurückgetreten, um Schaden vom Amt abzuwenden. Die Angriffe auf mich im Zusammenhang mit meinen Äußerungen über sicherheitspolitische Interessen Deutschlands waren ungeheuerlich und durch nichts gerechtfertigt. Es war die Rede von der Befürwortung von Wirtschaftskriegen und möglichem Verfassungsbruch", sagte Köhler der Wochenzeitung "Die Zeit" laut Vorabbericht.

Köhler fragte: "Kann man einem Bundespräsidenten angesichts der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts Schlimmeres vorwerfen?" Seine Äußerungen seien im Vorfeld der Diskussion über die Verlängerung des Afghanistan-Mandats der Bundeswehr bewusst missverstanden und für parteipolitische auch innerparteiliche Ziele instrumentalisiert worden.

Köhler war am 31. Mai 2010 mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Die Kritik an seinen Äußerungen zum Einsatz der Bundeswehr habe "jeden Respekt" vor seinem Amt vermissen lassen, sagte er damals zur Begründung. Einige Tage zuvor hatte er nach einem Kurzbesuch in Afghanistan mit Äußerungen über wirtschaftliche Gründe für Bundeswehreinsätze für Wirbel gesorgt. Später stellte sein Sprecher klar, dass Köhler sich nicht
ausdrücklich auf Afghanistan bezogen habe, sondern auf den Kampf gegen die Piraterie.

Köhler machte nun deutlich, dass er sich nicht in das Amt gedrängt habe. "Ich habe mich für das Amt des Bundespräsidenten in die Pflicht nehmen lassen. Die Anfrage schmeichelte mir, aber 80 Prozent war Pflichtgefühl", sagte der Ökonom und frühere IWF-Chef. Jetzt führe er wieder ein "normales Leben". "Ich bin mit mir im Reinen und genieße manche Dinge, die ich vorher nicht hatte. Ich bin gerade dabei, meine Pläne für die kommende Zeit zu strukturieren. Es ist insoweit alles im grünen Bereich."

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Alt-Bundespräsident Köhler: "Die Angriffe auf mich waren ungeheuerlich" "

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  • Die Vorhaltungen ihm gegenüber waren vielleicht realistisch?
    Köhler ist mit sich im Reinen - nach wie vor fernab jeder Selbstkritik und fernab jeder realen Weltsicht. Mag er seinen Ruhestandt genießen, weit weg von jeder verantwortlichen Position!

  • Der staatstreue,demokratisch verankerte Bürger mit Vertrauen zu den hohen Institutionen ist nach dieser nachgelieferten Begründung von Herrn Köhler einigermaßen verwundert.
    Nachdem er in 2010 gerade in seinem Amt erneut bestätigt worden war,hätte er die Reaktionen auf seine sehr zugespitzte Interview-Aussage,nicht unbedingt als Beschädigung des Amtes werten müssen,sondern souverän seine Amtszeit zu Ende führen können.Das jedenfalls hätte Schaden vom Land ferngehalten.
    Dass er sein heutiges Leben ohne amtliche Pflichten geniessen mag,sei ihm gegönnt,dazu wird auch die persönliche Ausstattung nach dem Amt beitragen.

  • Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Es war die zweite Amtszeit von Herrn Köhler und da darf man schon erwarten, dass er sein Amt kennt und auch dazu steht. Hinwerfen ist da wirklich nicht der richtige Schritt gewesen. Ich hatte vor seinem Rücktritt eine sehr gute Meinung von Herrn Köhler. Danach aber nicht mehr. Andere können auch nicht einfach hinwerfen. Von Herrn Köhler hätte ich erwartet, dass er deutliche Worte findet.

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