Alt-Kanzler
Schröder wirbt für stärkere Integration Europas

Der ehemalige Bundeskanzler lobt die Maßnahmen des EU-Gipfels zur Euro Rettung. Durch eine politische Union gewinne Europa an Stärke und Stabilität, so Schröder. Doch dafür müssten die Länder auch verzichten.
  • 30

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) drängt auf eine weitere Vertiefung Europas. "Ich bin ich auch davon überzeugt, dass auf dem EU-Gipfel im vergangenen Dezember die richtigen Maßnahmen zur Euro-Rettung angestoßen wurden. Mit den Beschlüssen wurde die Grundlage für eine stärkere Integration Europas gelegt, an dessen Ende die politische Union Europas stehen kann, die zu meiner Zeit als Bundeskanzler politisch noch nicht möglich war", sagte Schröder im Interview mit dem Handelsblatt. Der Sozialdemokrat hält es aber für notwendig, dass "alle Länder auf nationale Souveränität verzichten" müssen. "Aber im Gegenzug gewinnt Europa insgesamt an Stärke und Stabilität", betonte Schröder.

Schröder plädiert dafür, dass nicht nur die Geldpolitik, "sondern auch die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik in Europa koordiniert" werden. "Ich sehe mit Genugtuung, dass Union und FDP den Widerstand aufgegeben haben gegen eine Wirtschaftsregierung in Europa, die wir schon lange gefordert haben. Den Anfang könnte beispielsweise ein Euro-Finanzminister machen", so Schröder.

Der ehemalige Bundeskanzler rechnet damit, dass Deutschland auch weiterhin Krisen-Staaten wie Griechenland finanziell helfen muss. "Die Solidarität Deutschlands wird von den europäischen Partnern eingefordert wird, weil wir wie kein anderes Land von der Währungsgemeinschaft und der Einführung des Euro profitiert haben. Dieser ökonomische Vorteil hat natürlich einen politischen Preis", betonte Schröder. Ein Vorwurf, den man der Bundesregierung in der Euro-Krise deshalb machen könne, sei, dass man sich zu lange verweigert habe, Griechenland die volle Solidarität zu gewähren. "Die Europäische Union ist eine Transferunion", sagte Schröder.

Auch in die Debatte um eine Frauenquote in Deutschland schaltet der Ex-Bundeskanzler sich ein. "Wir brauchen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu gehört auch, die Frauenquote in den Führungsetagen der Wirtschaft deutlich zu erhöhen", sagte Schröder. Auf die Frage, ob dafür eine gesetzliche Regelung notwendig sei, antwortete er: "Ja, weil es anders nicht geht."

Eine gesetzliche Frauenquote müsse nicht für die Vorstände von Unternehmen gelten, "aber es sollte auf jeden Fall in den Aufsichtsräten beginnen". Schröder: "Wenn dort nicht ein Anfang über eine gesetzliche Quote gemacht wird, ändert sich an der Beteiligung von Frauen in Führungspositionen in den nächsten Jahren kaum etwas."

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

Kommentare zu " Alt-Kanzler: Schröder wirbt für stärkere Integration Europas"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gerhard, wenn man in Russland lebt sollte man sich ein wenig enthalten.....und erst mal einen Volksentscheid über Euro und EU. Vorher geht nichts mehr.

  • Lisa 9.
    Herr Grass hat Recht,jeder der einigermaßen denken kann,muß das so sehen.Ursache ist doch die Israelische Politik,1947 die Palästinenser mit Gewalt vertrieben,kein Abkommen mit den Nachbarstaaten gewollt ,weitere Gebiete annektiert,nicht eine einzige UNO Resolution befolgt,mit Hilfe Amerikas.Israel hat soviel Haß gesät,dass man diesen Staat aus Sicht der Nachbarn nicht mehr will.All das war nur möglich,weil Israel weltweit so vernetzt ist und durch viel Lobby in der Westlichen Welt Unterstützung findet.Und wenn die keine deutscheb U-Boote zu einem Vorzugspreis bekommen,wird wieder einmal Polemik gegen Deutschland gemacht.Die Verbrechen des zweiten Weltkrieges sind mit nichts zu entschuldigen,aber ich lasse mich auch nicht in eine erpresserische Sippenhaft nehmen.
    Wenn man sich einmal vor Augen führt wie die Israelis die Palästinenser seit 65 Jahren behandeln,haben sie kein Recht andere zu kritisieren.Man sollte im Leben immer bei einer Beurteilung nachdenken,wo liegen die Ursachen,dann kommt man zu einem besseren Ergebnis.

  • der größte Flop der Nachkriegszeit sollte lieber nach Russland gehen. Vielleicht darf er dort beim Knechten behilflich sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%