Altbundespräsident Roman Herzog „Die AfD sagt Dinge, die viele denken“

Altbundespräsident Roman Herzog fordert, dass Griechenland selbst auf die Beine kommen muss. Gleichzeitig warnt er davor, die Alternative für Deutschland mit ihrer Kritik an den Krisenländern nicht ernst zu nehmen.
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Altbundespräsident Roman Herzog. Quelle: dpa

Altbundespräsident Roman Herzog.

(Foto: dpa)

BerlinAltbundespräsident Roman Herzog hat sich gegen zu weitreichende Hilfen für Athen ausgesprochen. „Länder wie Griechenland brauchen Hilfe, müssen letztendlich aber selbst auf die Beine kommen“, sagte Herzog dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Deutschland fordere nur vieles an Anstrengungen ein, die für andere schwierig seien. „Es war ein Fehler, dass die anderen Sparen und Haushalten oder Reformen am Arbeitsmarkt 60 Jahre unterlassen haben. Deren Fehler aber auch noch nachzumachen, nur um des lieben Friedens willen, das würde erst recht nicht passen“, sagte Herzog.

Laut dem Altbundespräsidenten war vielen in der Politik von Anfang an klar, dass Griechenland nicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anderer Staaten hat. „Aber es ist wie so oft dabei: Man wusste um die wirtschaftliche Schwäche, andererseits gab es bei Themen wie Menschenrechten oder Religion keine Probleme. Die Türkei gleich nebenan ist zwar wirtschaftlich viel stärker, da passten jedoch diese Themen nicht“, sagte Herzog. Er forderte in diesem Zusammenhang dazu auf, die Argumente der Alternative für Deutschland (AfD) ernst nehmen. „Sie sagt Dinge, die viele unserer Mitbürger denken“.

Die Kritik aus den Südländern an der Deutschen Euro-Rettungspolitik hält Herzog für unbegründet. „Das nehme ich nicht ernst. Deutschland macht es in deren Augen eigentlich immer etwas falsch.“ Mache man nichts, dann heiße es, man käme der Führungspflicht nicht nach. Umgekehrt heiße es, man wolle ganz Europa beherrschen. „Sie werden sehen: Wenn die Euro-Krise vorbei ist, dann kommen unweigerlich wieder die Stimmen von denselben Kritikern, dass Deutschland führen muss“, sagte Herzog.

Für falsch hält Herzog deshalb auch die Kritik an den hohen Exportüberschüssen Deutschlands: „Wir exportieren ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil unsere Produkte und Angebote besser sind. Glaubt man allen Ernstes, dass die Menschen anderswo für das gleiche Geld schlechtere Dinge kaufen wollten, nur damit das Gleichgewicht im Export wieder hergestellt wird?“, sagte Herzog.

Zum vollständigen Handelsblatt-Interview mit Roman Herzog.

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52 Kommentare zu "Altbundespräsident Roman Herzog: „Die AfD sagt Dinge, die viele denken“"

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  • Sie haben in Ihrer Aufzählung noch die "Welt" vergessen. Sowas von Kontrolle habe ich noch nicht erlebt. Sie haben Glück, dort einen Leserbrief zu platzieren. Wen wundert es auch, war doch die Welt die Plattform, auf der ein Bischof Zollitsch die AfD im Wahlkampf "verteufeln" konnte. Ein Käseblatt aus den 50ern, mehr ist das nicht.

  • Das sagen, was viele Leute denken, geht in diesem Unrechtstaat mit Vorwürfen des Rechtsextremismus einher.

    In diesem Staat ist nur sicher, wer sagt, was das Establishment - die etablierten Parteien und deren Sprachrohre von "Zeit" über "SZ, "SPON" und ARD, bzw. die Lobbys, die sie kontrollieren für richtig halten.

  • Scheitert der Euro - scheitert Europa.
    Dies ist eine Frage von Krieg und Frieden.
    ... oder so ähnlich.

    Unsere Eliten denken da wahrscheinlich an Kriege zwischen den (abzuschaffenden ?) Nationalstaaten, aber weit gefehlt.
    Es wird BÜRGERkrieg gegen die uneinsichtigen abgehobenen Eliten und ihre willigen Helfer geben.
    Die Leute haben die Schnauze voll von der Selbstbedienungsmentalität. Überall wird Wasser gepredigt und Wein gesoffen. In Zeiten der Globalisierung sind identitätsstifftende Nationalstaaten unerlässlich.

  • Also liebe Afd Fans, dann mal Butter bei die Fische.
    Wie steht die Afd zum Thema Mindestlohn?
    Was will die Afd gegen die wiederkehrende Altersarmut machen?
    Setzt sich die Afd dafür ein, dass die Rentenreformen (die in Wahrheit Kürzungen waren) zurück genommen werden?
    Tritt die Afd gegen die Rente mit 67 ein?
    Oder ist die Afd nur eine Contra Europa Partei?
    Übrigens hat Konrad Adam ein Problem mit dem Wahlrecht für Arbeitslose, Renter und Beamte. Wie steht Ihr Afd Wähler dazu?

  • Alt-BP Herzog ist ein mutiger Mann. Ich stimme ihm zu. Herzog hat auch gesagt: (Mai 2009)

    „Die Politik betriebe in hohem Maße ein Insiderspiel, bei dem die Bürger weitgehend vom Mitspielen ausgeschlossen blieben, vielleicht hier und da geduldet würden. Herzog, der vor seiner Zeit als Staatsoberhaupt Präsident des Bundesverfassungsgerichts war und zu den renommierten Grundgesetz-Kommentatoren zählt, fügte hinzu: "Nach Artikel 21 des Grundgesetzes wirken die Parteien an der politischen Willensbildung mit, aber faktisch gehen sie weit darüber hinaus." Parteien seien wichtig für die Stabilität der parlamentarischen Demokratie, ein Parteien-Monopol hingegen sei nicht wichtig.

    Herzog plädierte für mehr direkte Demokratie, mehr Volksentscheide, etwa über einen Europäischen Vertrag, sowie politische Initiativrechte der Bürger.

    +++

    Aber leider macht unsere Regierung genau das Gegenteil. Merkel verspricht van Rompuy noch mehr Kompetenzen, Schäuble arbeitet auf die Abschaffung der Nationalstaaten hin, und was das Volk will interessiert nicht.

    Wohin die EU will und was es mit dem Machtinstrument „ESM“ auf sich hat, kann kann sich jeder mal in aller Ruhe zu Gemüte führen.

    http://www.youtube.com/watch?v=WUqygPrjXXs

  • Zickler,H.
    Focus hat gerade die Nachricht gebracht, dass Herr Samaras ( Griechenpremier) die Region Messemen zum Grenzgebiet erklärt hat,wiewohl die Region mitten im Pellepones liegt.
    Grund: Sein Wahlkreis .
    Von der Eu gibts für Grenzgebiete massive Förderung.
    Die griechische Mentalität bleibt uns eben erhalten.

  • @Fredi

    Schon wieder Ihre Verdrehungen. Sie wissen genau, dass der Hamburger Appell aus dem Jahr 2005, der von 243 Professoren/Wirtschaftsexperten unterzeichnet war, zu einer Zeit Empfehlungen abgegeben hat, als Deutschland die rote Laterne in der EU hatte, und die Wirtschaft am Boden lag.

    Im Übrigen war damals Rot/GRUEN an der Regierung und somit in der Verantwortung. Sie können zudem diese Zeit nicht mit der heutigen Situation vergleichen und sollten sich mit Ihrer Kritik an die damals im Parlament vertretenen Parteien und vor allen an die in der Regierungsverantwortung stehenden Parteien wenden, also vor allem an ROT/GRUEN.

    Aber das ist ja typisch für Sie. Sie wollen einzig und allein die AfD und Herrn Lucke diffamieren. Um nichts anderes geht es Ihnen, und da ist Ihnen jedes Mittel Recht.

    Ich halte ein solches Vorgehen für zutiefst schäbig und verachtenswert.


  • @Tabu
    Vollkommen Zustimmung!
    Und wenn keine Auseiandersetzung (Meinungsvielfalt) mehr in der Gesellschaft und der Politik gewollt ist und von den Medien regelrecht unterdrückt wird und nur der eine Weg, als der Richtige propagierd wird, dann befinden wir uns schon Mitten in einer neuen Diktator. Diesmal kommt diese Diktatur im ökologisch sozialen Moralstil daher! Wird Zeit, dass der deutsche Bürger endlich erwachsen wird und NICHT MEHR auf das Diktat der MEDIEN-Politik hört!

  • Man fragt sich,warum..warum kommen jetzt die achtzigjährigen
    aus ihren Löchern sagen uns,was wir schon längst wissen..
    Zum Beispiel Helmut Schlesinger in der Welt am Sonntag:
    "Das erinnert an die Kriegsfinanzierung"
    Der frühere Präsident der Bundesbank ist seit 18 Jahren nicht mehr im Amt. Doch die Sorge um die Währung lässt ihn nicht los. Akribisch hat der 87-Jährige an seinem Schreibtisch im heimischen Oberursel nachgerechnet, wie es um die Bilanz der Bundesbank in Zeiten der Euro-Krise bestellt ist. Vor fast zwei Jahren ist ihm ein merkwürdiger Posten aufgefallen, die "sonstigen Forderungen" innerhalb des Euro-Systems. Früher ein zu vernachlässigender Wert, ist diese Summe in der Bilanz inzwischen auf 547 Milliarden Euro angeschwollen. Schlesinger begann Fragen zu stellen, Fragen, die er auch an den damaligen Bundesbank-Chef Axel Weber schickte. Und er tauschte sich aus mit Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, den er lange kennt.

    Oder Arnulf Baring
    Professor Arnulf Baring, der große konservative Publizist und Zeithistoriker, hat mit 81 Jahren seine Lebenserinnerungen "Der Unbequeme" veröffentlicht.
    Dazu steht heute in der Bild ein Auszug.
    "Deutschland ist heute in Europa genauso isoliert wie vor 100 Jahren – am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Von dem Wunschdenken, uns in der Europäischen Union aufzulösen, hätten wir uns längst verabschieden müssen. Außerhalb unserer Grenzen hat das kein anderes Volk je gewollt oder geglaubt.

    Die Demokratie in Deutschland wird mehr und mehr ausgehöhlt! Unser Parlament ist zur Farce geworden. Nur wenn Meinungen aufeinanderprallen, kann sich der Bürger ein Urteil bilden. Doch bei uns sind Debatten unerwünscht, kontroverse Standpunkte werden bekämpft wie Verbrechen.
    Und nun auch Herzog..
    Wo waren sie nur die letzten Jahre,als ein Politiker nach
    dem anderem,sich in Schuld und Verantwortung suhlte.
    Wie sagte Merkel gleich nach der Wahl..zuerst kommt Europa..

  • Man kann es auf einen Hauptnenner bringen:
    Was Deutschland nützt, schadet Europa; alles ist gut für Europa, was Deutschland schadet!

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