Alternative für Deutschland
AfD-Basis schmettert Petrys Asyl-Konzept ab

Der Parteitag der AfD in Hannover sollte harmonisch verlaufen. Doch schon beim wichtigen Asylthema fängt sich die Führung eine Niederlage ein. Und auch vor der Veranstaltungshalle läuft es nicht rund für die Partei.

Hannover„Ich hoffe, dass Sie die beiden Äpfel auch essen“, sagt der AfD-Saalordner spitz und lässt den Reporter in die Niedersachsenhalle des Hannover Congress Centrums passieren. Sicherheit wird heute groß geschrieben beim ersten Parteitag der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland seit dem Bruch mit Bernd Lucke. Da könnte schon mal ein Apfel fliegen oder anderes. Doch im Saal, in dem sich am frühen Samstagmorgen 467 Delegierte versammeln, herrscht alles andere als eine gedrückte oder ängstliche Stimmung.

Stabile Umfragewerte zwischen 7 und 10 Prozent spielen der AfD in die Hände – auch wenn das manche außerhalb der Halle nicht wahrhaben wollen. DGB und Linke haben unweit des Congress Centrums zwei Gegendemonstrationen mit etwa 5.000 Teilnehmern angemeldet, am Ende kamen dann doch nur 1.200, wie die Polizei mitteilte.

Auch wenn die Polizei den zweitägigen AfD-Kongress unter dem Motto „Mut. Wahrheit. Deutschland.“ absichert, bittet ein Parteimann auf dem Podium darum, die Halle nicht zu verlassen. „Unsere körperliche Anwesenheit könnte schon als Provokation verstanden werden“, mahnt er in eindringlichem Ton. Und er betont mehrmals den Ernst der Angelegenheit. Auch für den Abend empfiehlt er den Parteimitgliedern, die Halle nur in Gruppen zu verlassen. „Zeigen Sie Ihre Parteizugehörigkeit nicht offen.“

Dass die AfD in Hannover kein gern gesehener Gast ist, zieht sich wie ein roter Faden durch den Parteitag. Immer wieder wettern die Redner gegen den politischen Gegner, den sie dafür verantwortlich machen. Auch die Ex-Grünen-Chefin Claudia Roth ist nach Hannover gekommen, um gegen die AfD zu demonstrieren. Der niedersächsische Landeschef Armin-Paul Hampel, der früher für die ARD als Korrespondent tätig war, versteigt sich wegen des Protests gar zu der Behauptung, die Demonstranten seien „Kriminelle im Dienste der etablierten Parteien, die uns das Leben schwer machen“.

Co-AfD-Chef Jörg Meuthen beklagt eine „Angstbissigkeit“ der politischen Konkurrenz und nennt es „erbarmungswürdig“, dass deshalb das Congress Hotel am Stadtpark die bereits reservierten Zimmer von AfD-Mitgliedern aus Sicherheitsgründen wieder storniert hat, was die Delegierten mit lautem Klatschen und Buhrufen goutieren.

Meuthen hat eine einfache Lösung parat. In Anspielung auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihren Daueroptimismus bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise sagt der Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, man müsse mit dem Widerstand gegen seine Partei leben. Aber hier stimme er Merkels Satz ausnahmsweise überein: „Wir schaffen das!“

Frauke Petry, Meuthens Mit-Vorsitzende, greift den Merkel-Slogan ebenfalls auf. Wegen ihres Kurses in der Asylpolitik fordert sie von der Kanzlerin: „Treten Sie zurück, Sie schaffen das.“ Das gefällt den Delegierten und sie applaudieren lange. Sonst mutet Petrys Rede, die gerade mal 35 Minuten dauert, teilweise spröde und wie die Wiederholung altbekannter Positionen an. Vielleicht liegt das auch daran, dass Petry weit ausholt, um das Comeback ihrer Partei nachzuzeichnen. Sie spannt einen Bogen vom turbulenten Essener Parteitag Anfang Juli, in dessen Verlauf Parteigründer Lucke abgewählt wurde, bis zu den anstehenden Landtagswahlen im kommenden Jahr und der Bundestagswahl ein Jahr später. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, ruft sie ihren Parteikollegen zu, „weil Deutschland uns braucht“.

Dass die AfD in ihrer aktuelle Hochphase möglicherweise auch den umstrittenen Rechtsausleger Björn Höcke braucht, der mit seinen scharfen Tönen in der Asyl-Debatte den Umfrageerfolg maßgeblich mit ermöglicht haben dürfte, erwähnt Petry mit keinem Wort. Obwohl sie weiß, dass die Lage für ihrer Partei noch vor nicht allzu langer Zeit noch ein ganz andere war. Es ist noch keine fünf Monate her, da schien die AfD am Ende. Mit dem Austritt von Lucke verlor sie auf dem Essener Parteitag ihren wirtschaftsliberalen Flügel und geriet immer mehr ins rechtspopulistische und nationalkonservative Fahrwasser. Dann kam die Flüchtlingskrise – und mit ihr die rasante Wiederauferstehung der AfD: Mitte November verortet eine Umfrage sie erstmals „als drittstärkste Partei“.

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NRW-Verband überrumpelt Petry

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Höcke dreht wieder auf

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