Alternative für Deutschland
AfD-Gründer warnt vor „Radikalisierungstendenzen“

Heute trifft sich die AfD zum ersten Parteitag seit dem Bruch mit Bernd Lucke. Es geht um Satzungsfragen, aber auch darum, wie weit nach rechts die Partei noch rücken könnte. Ein prominenter Parteimann ist besorgt.

BerlinDer frühere Co-Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Konrad Adam, hat sich besorgt über den Zustand seiner Partei geäußert und vor einem weiteren Rechtsruck gewarnt. Die Flüchtlingskrise treibe der AfD den Wind in die Segel, ohne dass sie viel dafür tun müsse. „In dieser Situation sollte die AfD aufpassen, dass sie nicht vom Kurs abkommt und weiter nach rechts rückt“, sagte Adam der „Bild“-Zeitung. „Es gibt in einzelnen Landesverbänden schon jetzt Radikalisierungstendenzen, die nicht nur mich besorgt stimmen.“

Nichts wäre aus Sicht Adams schädlicher als eine zweite Spaltung der Partei, die dann nicht zwischen der Lucke-Partei Alfa und der AfD, sondern zwischen den östlichen und den westlichen Landesverbänden verliefe. Adam sagte, von einem kritischen Sympathisanten stamme das Bonmot, die AfD bestehe „eigentlich aus zwei Parteien: Oben die Professoren – unten die Proleten“. Das mache er sich nicht zu eigen.

„Die Parteitagsteilnehmer täten aber gut daran, die bürgerlichen Anstandsformen zu wahren, nicht erneut kompromisslos aufeinander loszugehen und in der Diskussion über die Flüchtlingsproblematik Maß und Mitte zu bewahren.“

Parteivize Alexander Gauland bestreitet eine Radikalisierung. „Es ist nicht die AfD, die sich radikalisiert, sondern die politische Situation“, sagte Gauland zu „Bild“. Zugleich räumte er allerdings ein, „dass die Flüchtlingskrise viele neue Mitglieder zu uns bringt, die wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet sind“. Es wäre aber „ungehörig, diese Menschen deshalb abzuwerten“. Diese Menschen sorgte. Sich um ihre Zukunft in Deutschland, weil sie nicht das Geld hätten, um sich abzuschotten.

Für den Chef des Meinungsforschungsinstitut Forsa, Manfred Güllner, hat sich die AfD längst radikalisiert. Sie werde nur von ganz bestimmten Schichten gewählt. „Die Merkmale ihrer Anhänger sind typisch für eine rechtsradikale Partei“, sagte Güllner dem Handelsblatt. Das seien Männer, vor allem Ostdeutsche und Konfessionslose. „Sie kommen aus einem Segment der Mittelschicht, dem es objektiv eigentlich gut geht, das sich aber subjektiv durch Statusängste auszeichnet und zerrieben fühlt zwischen dem globalen Kapitalismus und dem Proletariat“, erläuterte Güllner. Und diese Klientel habe auch eine „extrem pessimistische Wirtschaftserwartung“.

Aus Sicht des Berliner Parteienforschers Oskar Niedermayer vereint die AfD derzeit Strömungen von konservativ bis rechtsextremistisch. Deshalb könne man die Partei auch nicht mit einem griffigen Begriff charakterisieren, sagte Niedermayer der Nachrichtenagentur dpa. „Von rechtskonservativ bis völkisch deckt sie ein breites rechtes Spektrum ab.“ Auch das Verhältnis der AfD zur rechten Protestbewegung Pegida sei zwiespältig, sagte Niedermayer. „Die AfD will eben auch diese Strömung abdecken. Teilweise distanziert sie sich, teilweise wird gemeinsame Sache gemacht.“

Nordrhein-Westfalens AfD-Landeschef Marcus Pretzell hat die AfD bereits zur Pegida-Partei ausgerufen. Und der EU-Abgeordnete gibt offen zu, wo er seine Partei verortet: „Die AfD in NRW ist rechter als alle bislang im Landtag vertretenen Parteien. Damit erreichen wir in aktuellen Umfragen bereits neun Prozent der Wähler“, sagte Pretzell zu „Bild“.

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