Alternative für Deutschland
Anti-Euro-Partei bringt Spitzenpolitiker in Rage

Die SPD will sich nicht von der neuen Anti-Euro-Partei vereinnahmen lassen. Steinbrück spricht von einer gefährlichen Gruppierung, die seiner Partei Stimmen kosten könne. Zornig reagierte FDP-Außenminister Westerwelle.
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BerlinNach anfänglicher Zurückhaltung warnen Spitzenpolitiker der großen Parteien jetzt vor der Anti-Euro-Partei AfD. "Das ist hochgefährlich", sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am Donnerstag auf dem WDR-Europaforum in Berlin. Die AfD spiele mit Vorurteilen und Ressentiments in einer Zeit, in der eine weitere europäische Integration nötig sei. Auch wenn die AfD nicht über fünf Prozent komme könne sie "auch bei bestimmten SPD-Wählerschichten Stimmen sammeln", sagte Steinbrück.

Drastisch äußerte sich auch Außenminister Guido Westerwelle. "Sind wir eigentlich verrückt geworden, dass wir das, was in Jahrzehnten gebaut worden ist, in einem Jahr einreißen wollen?", fragte er mit Blick auf die AfD-Forderung zur Aufgabe des Euro. Es treibe ihm die "Zornesröte ins Gesicht", wenn er Forderungen nach der Aufgabe der Gemeinschaftswährung höre. Dann würden auch andere europäische Errungenschaften fallen, warnte der FDP-Politiker.

Zuvor hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die AfD kritisiert: "Der Vorschlag, aus dem Euro auszutreten, ist geradezu kindisch", sagte er der "Welt". "Ein Zurück zur D-Mark würde zu einem ökonomischen Schiffbruch führen." Bouffier steht vor Landtagswahlen im Herbst, bei denen die AfD wie auch zur Bundestagswahl erstmals antreten will.

Der europapolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Roth, setzte sich mit Kritik der AfD an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) auseinander. AfD-Chef Bernd Lucke hatte im Handelsblatt (Donnerstagausgabe) Zweifel an der ökonomischen Kompetenz Merkels und Schäubles geäußert und deren Euro-Rettungspolitik mit einer „Enteignung der Bürger auf Raten“ gleichgesetzt.

Roth sagte dazu: „Nicht nur die ökonomische Kompetenz der Bundeskanzlerin, sondern auch die der sogenannten Alternative für Deutschland halte ich für äußerst begrenzt. Wer eine geordnete Abwicklung und einen freiwilligen Austritt der Südländer aus der Währungsunion für beherrschbar hält und keine gravierenden Folgen für den deutschen Mittelstand, Kleinsparer und Steuerzahler erwartet, dem fehlt ganz offensichtlich der nötige Sachverstand.“

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  • Wer die AfD als gefährlich bezeichnet, der bekennt sich als gefährlicher Antidemokrat.

  • Unsere Zustimmung zu den Rettungspaketen war konkrete Hilfe und Solidarität in Not, um die betroffenen Staaten nicht pleitegehen zu lassen“, unterstrich der SPD-Politiker. - Roth muß sich doch mal fragen, warum denn diese Staaten heute trotz seiner Hilfe noch stärker vor der Pleite stehen. Dann hat doch dieser Schwachkopf schon die Antwort, die jetzt erst die AfD geben muß und die der spanische Ökonom Philipp Bagordo in die Formel zusammenfasst: "Der Euro ist eine Tragödie der Allmende" – Mit solchen Politikern ist doch der Untergang Europas schon programmiert. Nur schade, daß er sich so lange hinzieht.
    Deshalb im September: AfD
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

  • Es war höchste Zeit, dass die Wähler endlich auch einmal bei einer Bundestagswahl die Möglichkeit haben, gegen die laut Kanzlerin Merkel und Fin. Minister Schäuble "alternativlose Eurorettung" zu stimmen. Es ist unverantwortlich was die Regierung und das, was sich Opposition nennt, mit der bisherigen Eurorettung, die letztendlich nach meiner Ansicht vergeblich ist, dem deutschen Steuerzahler an Risiken aufgebürdet haben. Denn diese Risiken werden spätestens einmal von unseren Kindern und Enkeln bezahlt werden müssen. Ich wähle AfD und werde bei meinen Bekannten dafür kräftig werben. Ich überlege mir auch der AfD als Mitglied beizutreten.

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