Alternative für Deutschland
Das brisante Ehe-Geständnis der AfD-Chefin

AfD-Chefin Petry räumt eine Affäre mit dem NRW-Landeschef Pretzell ein. Experten warnen vor möglichen Interessenkonflikten. Und Ex-Parteifunktionär Henkel hält die Parteiführung schon für „moralisch verrottet“.

Berlinie

Frauke Petry ist nicht bekannt dafür, dass sie ein Blatt vor den Mund nimmt. In der Flüchtlingskrise nimmt sie fast täglich pointiert und mit scharfen Attacken gegen die Bundesregierung Stellung. Am Mittwochabend wandte sich die Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) weniger laut „in eigener Sache“ an die Parteimitglieder, um das Ende ihrer 14 Jahre dauernden Ehe mit ihrem Mann zu verkünden.

Dass Ehen scheitern ist nicht ungewöhnlich. Brisant im Fall Petry ist jedoch ihr Eingeständnis, dass sie ihren Mann für Nordrhein-Westfalens AfD-Chef Marcus Pretzell verlässt – ihrem, wie „Bild“ schreibt, „engsten Berater“. „Die vergangenen emotional schwierigen Monate, politisch und privat, hätte ich kaum bewältigen können, wenn ich nicht einige wenige Vertraute an meiner Seite gehabt hätte“, schreibt Petry dazu in ihrer Mitglieder-Mail. Und: „Mit Marcus Pretzell verbinden mich inzwischen sehr viel mehr als nur freundschaftliche Gefühle.“

Pretzell gehört von jeher zu den wichtigsten Verbündeten Petrys. Beide bildeten zusammen mit dem Chef der Brandenburg-AfD, Alexander Gauland, und der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch, eine Front gegen den AfD-Gründer und heutigen Chef der Gegen-AfD Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), Bernd Lucke. Im parteiinternen Machtkampf mit Lucke war Petry von Pretzell unterstützt worden.

Parteiintern hat das Zusammenspiel der beiden vor dem Hintergrund ihrer privaten Liaison schon für Unmut gesorgt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass Petry kürzlich versucht haben soll, Pretzell als kooptiertes Mitglied in den Bundesvorstand aufzunehmen, woraufhin ihr Bundesvorstandsmitglieder unter Verweis auf ihre Beziehung zu Pretzell dazwischen grätschten. Für Kritik habe in der Partei zudem gesorgt, dass Pretzell seit Monaten durch seine Beziehung zu Petry einen starken Einfluss auf die Parteiführung ausgeübt habe. Gegenüber dem Handelsblatt wurden die FAZ-Informationen aus Kreisen des AfD-Bundesvorstands bestätigt.

Petry wollte dazu auf Anfrage des Handelsblatts keine Stellung nehmen. Ihr Sprecher teilte lediglich mit, „dass wir dazu keine weiteren Stellungnahmen abgeben werden“. Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt bezweifelt, dass das Thema damit schon erledigt ist.

Für die AfD komme eine „solche Verkettung von Tragik und neuem Lebensglück“ ganz ungelegen, sagte Patzelt dem Handelsblatt. Er attestierte Petry ein „unglückliches Verhalten, gepaart mit schlechtem Timing“. Denn nun bestehe die Gefahr, dass die „große Chancen“ der AfD, von der „Unpopularität grün-großkoalitionärer Einwanderungspolitik“ zu profitieren, dadurch gemindert würden, dass die Parteivorsitzende nun eher persönliches als politisches Interesse auf sich ziehe. Und an innerparteilicher Kritik werde es auch nicht fehlen.

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