Alternative für Deutschland
Missbraucht die AfD-Chefin ihre Führungsposition?

AfD-Chefin Petry hat eine Beziehung zu einem anderen prominenten Politiker ihrer Partei eingeräumt. Der Politikwissenschaftler Oberreuter hält die Liaison für nicht ganz unproblematisch.

BerlinDer Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter hat auf einen möglichen Interessenkonflikt der Bundesvorsitzenden der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, hingewiesen. Hintergrund ist das Eingeständnis Petrys, dass sie ihren Ehemann für Nordrhein-Westfalens AfD-Chef Marcus Pretzell verlässt. Oberreuter beanstandet, dass Petry, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet hatte, kürzlich versucht haben soll, Pretzell als kooptiertes Mitglied in den Bundesvorstand aufzunehmen. Bundesvorstandsmitglieder hätten ihr daraufhin unter Verweis auf ihre Beziehung zu Pretzell davon abgeraten, schreibt die FAZ. Dem Handelsblatt war die Darstellung aus Kreisen des AfD-Bundesvorstands bestätigt worden.

Oberreuter sagte dazu, für Inhaber politischer Ämter sollte das Gebot strikter Trennung von Politik und Privatem gelten. Wie man sich „amourös positioniert“, sei zwar strikte Privatsache. „Aber Amouren durch Kooptation in Ämter zu hieven oder ihnen zu politischem Einfluss zu verhelfen, ist eine geschmacklose Zumutung, in diesem Fall ein Missbrauch der eigenen Führungsposition“, sagte der Politik-Professor dem Handelsblatt. „Keine Partei sollte sich so etwas gefallen lassen.“

Dass es Partnerschaften gebe, die in politischen Ämtern gewachsen seien, sei eine andere Frage, sagte Oberreuter weiter. Aber Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht (beide Linkspartei) beispielsweise hätten „sich nicht Macht und Einfluss zugeschoben, sondern jeder für sich grundsätzlich auf eigene Rechnung agiert“. Auch Doris Schröder-Köpf, die sich schon vor einiger Zeit von ihrem Mann, Altbundeskanzler Gerhard Schröder, getrennt hat, habe eine „politische Karriere auf  eigene Rechnung“ gestartet. „Das geht, Protektion und  Machtabsicherung aber nicht“, sagte Oberreuter.

Auch andere Politikwissenschaftler sehen die enge Verbindung von Petry zu Pretzell unter bestimmten Umständen kritisch.  „Solange es sich um eine alleinige Privatangelegenheit zwischen Frau Petry und Herrn Pretzell handelt, ist das politisch nicht anstößig und muss auch nicht zwangsläufig zu Interessenkonflikten führen, auch wenn es ein gewisses Geschmäckle hat“, sagte der Bremer Politikprofessor Lothar Probst dem Handelsblatt. „Zum Politikum wird solch eine Privatangelegenheit erst, wenn sie mit dem Versuch einhergeht, dem Beziehungspartner Vorteile zu verschaffen oder ihm zu Einfluss zu verhelfen, der durch die Parteistatuen und Wahlvorgänge nicht gedeckt ist.“

Seite 1:

Missbraucht die AfD-Chefin ihre Führungsposition?

Seite 2:

„Verkettung von Tragik und neuem Lebensglück“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%