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Alternativen diskutieren: Bahn-Aufsichtsrat zweifelt an „Stuttgart 21“

Bahn-Aufsichtsratsmitglied Alexander Kirchner sieht die Chance, dass „Stuttgart 21“ erfolgreich abgeschlossen wird, nur bei 50 Prozent. Bahnchef Rüdiger Grube äußerte sich zur Kostenexplosion bei dem Milliardenprojekt.

Die Kosten für den Tiefbahnhof sind  auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen. Quelle: Reuters
Die Kosten für den Tiefbahnhof sind auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen. Quelle: Reuters

BerlinZweifel an „Stuttgart 21“: Bahn-Aufsichtsratsmitglied Alexander Kirchner hat die Chancen für den Bau des umstrittenen Bahnhofs mit fünfzig/fünfzig beziffert. Es müsse nun offen über Alternativen diskutiert werden, forderte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Bahn AG am Montag im Deutschlandfunk. „Niemandem ist geholfen, wenn das Projekt scheitert und dort nur ein Scherbenhaufen liegt“, sagte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Aber ein Aus könne auch teuer werden: „Ein Abbruch kostet aus heutiger Sicht zwei Milliarden Euro – ohne das man einen funktionsfähigen Bahnhof in Stuttgart hat.“

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Unterdessen hat Bahnchef Rüdiger Grube laut einem Zeitungsbericht Vorwürfe über verspätete Informationen zu Mehrkosten bei dem Milliardenprojekt zurückgewiesen. „Mit viel Mühe und Aufwand haben interne und externe Fachleute unter der Leitung von Dr. Volker Kefer eine vollständige Analyse der Kostenentwicklung durchgeführt“, zitiert die „Stuttgarter Zeitung“ am Montag aus einem internen Rundschreiben Grubes mit Blick auf Technikvorstand Kefer. „Unmittelbar“ nachdem valide und geprüfte Ergebnisse vorlagen, seien diese dem Aufsichtsrat am 12. Dezember vergangenen Jahres offengelegt und gleichzeitig die Projektpartner darüber informiert worden.

CDU verteidigt Kostenexplosion Bund rechnet Stopp von „Stuttgart 21“ durch

Im Streit um die Finanzierung von „Stuttgart 21“ wächst der Druck auf die Deutsche Bahn. Der Bund fordert Aufklärung über mögliche Mehrkosten und überlegt, aus dem Projekt auszusteigen. In der CDU hält man davon nichts.

Die Bahn hatte damals mitgeteilt, dass sich der Finanzierungsrahmen für das Bauvorhaben um 1,1 Milliarden Euro auf 5,6 Milliarden Euro erhöhe. Hinzu kämen Risiken von 1,2 Milliarden Euro. Der Aufsichtsrat der Bahn wird in den kommenden Wochen über den Vorschlag des Vorstands entscheiden, dass der Staatskonzern die Mehrkosten finanziert. Unter anderem das Bundesverkehrsministerium hatte in einem vergangene Woche bekanntgewordenen internen Papier die Informationspolitik des Unternehmens kritisiert.

  • 18.02.2013, 20:14 UhrC21_besser_und_kostenguenstiger

    Bei S21 geht es im wesentlichen um die neue Schnelltrasse zwischen Paris und Bratislava. Dazu ist lediglich ein Durchgangsbahnhof im Bereich der Trasse um Stuttgart notwendig. Dieser muß weder unterirdisch ausgeführt werden, noch am Ort des heutigen Hauptbahnhofs liegen.

    Die kostengünstigste Alternative wäre doch, den bereits heute bestehenden Durchgangsbahnhof in Bad Cannstatt mit der Schnelltrasse oberirdisch auszubauen und mit dem weiteren Verlauf der Trasse zu verbinden.

    Dieses Alternativprojekt mit dem Namen C21 wurde bereits vor 2 Jahren vorgeschlagen.

  • 18.02.2013, 20:04 Uhrbauliches_Risiko_unkalkulierbar

    Es geht garnicht um die Mehrkosten. Viel gravierender sind die technischen Risiken:

    Der mit dem Stuttgarter Baugrund sehr vertraute Experte und Architekt Frei Otto geht davon aus, dass im Erdreich von Stuttgart Gipsschichten mit hohem Anhydridanteil aufquellen und Hohlräume oder unkontrollierbare Krater bilden könnten. Die Gefahr sei so groß, dass es dabei "um Leib und Leben" gehe. Laut "Stern" bestätigt ein kaum bekanntes geologisches Gutachten von 2003 Ottos Bedenken. Der Tübinger Geologe Jakob Sierich, ein Spezialist für Anhydrid- und gipsführende Erdschichten, habe für das Magazin das Gutachten nun analysiert. Sein Befund: "Bei Stuttgart 21 geht es nicht um mögliche Risse in Häusern, es geht um mögliche Krater, in denen Häuser verschwinden können. Es geht um Menschenleben." Otto sagte dazu, "mit dem Wissen von heute", könne er dieses Projekt nicht mehr verantworten.

    Jetzt sollte es auch der argloseste unter den Projekttreibern wie z. B. Heiner Geissler kapiert haben.

  • 12.02.2013, 14:06 UhrBahnkunde

    Die Nachteile eines Kopfbahnhofs, die früher noch zum Tragen kamen, bestehen heute nicht mehr; daher besteht keine Veranlassung mehr, eine andere Lösung zu suchen, um einen Durchgangsbahnhof zu schaffen. Die Pünktlichkeit des bisherigen Stuttgarter Bahnhofs vor dem Umbau des Gleisvorfelds ist belegt, und auch in anderen Großstätten funktioniert diese Lösung einwandfrei. - Übrigens wird es - wenn Herr Grube und Herr Kefer jetzt nicht unverzüglich alles auf den Tisch legen und stattdessen die Ausstiegskosten überhöht darstellen und Kosten einrechnen, die da nicht hineingehören, wohl kaum bei dem einen jetzt anhängigen Verfahren bleiben...

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