Altersarmut

Rentenversicherung verurteilt Zuschussrente

Mit einem Gesetzesentwurf will Ursula von der Leyen gegen die Altersarmut in Deutschland vorgehen. Viele Regierungspolitiker sind skeptisch - und die Deutsche Rentenversicherung lässt an dem Modell kein gutes Haar.
Update: 28.04.2012 - 01:14 Uhr 9 Kommentare
Würde eine Zuschussrente helfen, Altersarmut zu bekämpfen? Quelle: dapd

Würde eine Zuschussrente helfen, Altersarmut zu bekämpfen?

(Foto: dapd)

DüsseldorfDie Deutsche Rentenversicherung hat den Gesetzentwurf von Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) für eine Zuschussrente zur Vermeidung von Altersarmut scharf kritisiert. Die Regelungen seien „in ihrer Zielsetzung unklar, in ihren Auswirkungen nicht zielgenau und hinsichtlich der Finanzierung nicht systemgerecht“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde, die der „Rheinischen Post“ vorliegt.

Mit der Zuschussrente sollen die Altersbezüge von Geringverdienern, die viele Jahre gearbeitet haben, auf maximal 850 Euro aufgestockt werden. Von der Leyen rechnet zum geplanten Start im kommenden Jahr mit 50.000 Empfängern.

Aus Sicht der Rentenversicherung ist das Modell aber unwirksam: „Im Ergebnis greift das Instrument der Zuschussrente umso weniger, je größer das Risiko ist, im Alter arm zu werden.“ So würden Langzeitarbeitslose, Versicherte mit lückenhafter Erwerbsbiografie und nicht abgesicherte Selbstständige nicht profitieren.

Einen Start der Zuschussrente zum 1. Januar 2013 hält die Rentenversicherung laut der „Rheinischen Post“ für kaum möglich. Auch Vertreter aus den Regierungsfraktionen drängen darauf, sich von dem Konzept zu verabschieden.

„Wir können nicht darüber hinwegsehen, dass die Zuschussrente nicht leistet, was sie leisten soll“, sagte FDP-Fraktionsvize Heinrich Kolb der Zeitung. Der CSU-Sozialpolitiker Max Straubinger betonte: „Ich teile die Bedenken. Wir haben Zweifel, ob die Zuschussrente zielgenau ist.“

  • dpa
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9 Kommentare zu "Altersarmut: Rentenversicherung kanzelt Zuschussrente ab"

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  • Das passt doch wieder zur FDP.Alles was für die betroffenen u. bedürftigen Bürger wichtig ist und auch noch Geld kostet,
    das darf nicht sein. Die Idee von Frau von der Leyen ist richtig gedacht und geht in die richtige Richtung.
    Der FDP passt dies nur nicht, weil in diesem Falle deren
    Klientel, die Versicherungsbranche, nicht mitverdienen kann.
    Es ist halt wichtiger, Milliarden für
    die Schulden der Eurostaaten locker zu machen als für die eigene Bevölkerung einmal was richtig zu machen.
    Zu diesem Thema, vermisse ich auch und dies im besonderen
    die SPD und die Linke.Sind es doch besonders diese Themen die diese sich auf ihre Fahne schreiben.
    Aber, dies war auch einmal.gez.walterwerner.artists.de

  • @ xyz,
    CH Renten basieren auf die Tatsache, dass der Millionär einzahlen muss und schon weiss, dass er mehr einzahlt als er je heraus bekommen wird.
    Der Schweizer Millionär ist solidarisch und zahhlt.
    Erwarten sie etwa eine solche Solidarität bei z.B. der "Politikerrente" in Deutschland?
    Hier wird ein viel Nehmen ohne etwas zu Geben praktiziert!
    Das letzte Negativbeispiel ist der NRW-Landtag.
    Das "Raffpronzip" wird sich bei jeder Parteikonstellation im Bund und in den Ländern wohl nicht ändern.
    Also andere Konstellationen?!

  • @ netshadow und
    @ Redaktion des Handelsblatt

    Danke, sehe ich gnau so.

    Journalisten verbreiteten heute überwiegend Meinungen statt Fakten offenzulegen. Es ist ein Manko des heutigen Journalismus. Wahrscheinlich ist es billiger. Deshalb wird der internetbasierte Hobby-Journalismus immer mehr zur Konkurrenz zu den Profis, die verpassen die Chance, sich über Leistung abzusetzen.

    Das Verbreiten von Meinungen gehört natürlich auch zum Journalismus dazu. Aber es ist zu beklagen, dass die Herausarbeitung von Informationen zu Themen nach heutigen Ansprüchen viel zu kurz kommt.

  • ein weiterer immaterieller Vorteil von solchen Systemen wie den Niederländischen ist, dass jeder genau kalkulieren kann! Die Rente gleich eben keinen Glücksspiel, es gibt weniger Informationsdefizite, dass erleichtert eine Lebensplanung ungemein.

    selbiges gilt auch für kommunale bzw. gemeinschaftliche Krankenkassen, die jeden automatisch mit einbeziehen.

    ich denke, dass solche Systeme eher zur Selbständigkeit ermuntern und Personen dann auch eher bereit sind mal Arbeitsstellen oder Beschäftigungsbereiche zu wechseln. Immerhin sind persönliche Risiken dann besser kalkulierbar.

    ist zumindest meine persönliche Meinung.

  • Finanzierungsmodelle: z.B. in der Schweiz - da werden Vermögens/Kapitaleinkommen/Mieten etc. mit zur Finanzierung der Sozialkosten herangezogen. Es gibt auch keine Beitragsbemessungsgrenze, die ja untere Einkommen benachteiligt. Vermögens/Kapitaleinkommen sind ja oft die einzigen Einnahmen die in DE noch steigen.

    Weitere mögliche Finanzierungselemente wäre z.B. eine Luxussteuer, die es in einigen Nachbarländern auch gibt für echten Luxuskonsum.

    hohe Managervergütungen sind auch mit hohen Steuern zu belegen und entsprechend mit heranzuziehen. Kann man ruhig Reichensteuer nennen, aber deren Einnahmen explodieren ja fömlich und Gier schadet auch der Wirtschaft.


  • das deut. Renten- und Sozialsystem ist am schlechtesten aufgestellt in der "neuen Zeit" -- wir haben sinkendes Arbeitsvolumen, Globalisierungseffekte, prekäre Beschäftigung, Soloselbständige und Freelancer mit temporär wenigen Einnahmen oder schwankenden Einnahmen, mehr Teilzeitbeschäftigte eben wegen sinkendem Arbeitsvolumen. Noch dazu halt wenig Kinder und generell finanzieren ja nur 27 Mio. das soziale Netz --- die anderen sind mehr oder weniger unbeteiligt.


    die Niederländer haben da ein besseres Rentenkonzept, dass besser damit umgehen kann. Man hat dort die Rente von Vollzeiterwerbstätigkeit entkoppelt. Es gibt eine Einheitsrente, aber in angemessener Höhe von ca. 1100 Euro. hinzu kommen die obligatorischen Betriebsrenten, die jeder hat, der gearbeitet hat.

    Mütter, Frauen (= oft Niedriglöhner), Geringverdiener, Teilzeitareitnehmer, Selbständige sind in den Niederlanden von der Grundversorgung her besser vor Armut geschützt als in Deutschland und besser abgesichert!

    es ist eine Umverteilung. Dafür gibt es halt keine hohen Pensionen und Renten auf der anderen Seite. Wer mehr will kann sich dann ja noch oben drauf mit seinem höheren Einkommen weitere Privatrenten hinzukaufen. Betriebsrente und Grundrente zusammen bieten aber ein eigentlich gutes Rentenniveau.

    Nebeneffekt war, dass die Niederlande eine Recht niedrige Arbeitslosenquote hatten, auch ist es familienfreundlicher, viele nutzen das zur Teilzeitarbeit, so dass auch bei den Männern eine hohe Rate an Teilzeitarbeit besteht. Europaweit ist sie bei beiden Geschlechtern am höchsten.

    ich denke das solche Systeme eher in der Lage sind, allen gerecht zu werden: den Selbständigen wie den Ärmeren, den Frauen und den Familien.

    die Finanzierung muss sowieso dringend weg von der alleinigen Arbeitskostenfinanzierung. Ein größerer Teil muss über Steuern finanziert werden, da darf es keine Tabus geben. Auch da lohnt ein Blick in manche Nachbarländer.

    Es ist unfair,nur die Arbeit zu belasten.


  • Diese Behörde weiß nicht was sie macht.
    Es geht um eine eindeutige schriftliche Zusicherung der Deutschen Renten-versicherung in Bezug auf den Beginn meines Rentenbezuges und die dann erfolgte Verweigerung der tatsächlichen Auszahlung.

    Ich bin am 14.07.1951 geboren. Mit Datum vom 22.09.2006 erhielt ich folgenden Brief von der Deutsche Rentenversicherung Bund:

    „Da Sie den Vertrauensschutz genießen (arbeitslos am 01.01.2004), können Sie ab dem 60. Lebensjahr Altersrente wegen Arbeitslosigkeit beziehen, allerdings mit Abschlägen. Diese betragen für die vorzeitige in Anspruchnahme von 60 Monaten 18 % (pro Monat 0,3%).
    Diese Angaben finden Sie jedoch auch in Ihrer Rentenauskunft vom 30.08.2006.“

    Auf diese klare Zusage habe ich mich verlassen und ging davon aus, dass ich ab dem 60. Lebensjahr eine Rente mit Abschlägen bekommen werde.
    Am 07.12.2010 habe ich deshalb einen Rentenantrag gestellt. Mit Schreiben vom 24.03.2011 wurde dieser Antrag abgelehnt. Begründung:

    Es war nicht der Wille der Behörde die Rente zu zahlen.

    Ich weiß natürlich nicht, welche Sprache in dieser Behörde gesprochen wird, normales Deutsch anscheinend nicht. Der erste Satz in diesem Schreiben ist unmissverständlich eine Zusage für den Erhalt einer Rente mit 60 Jahren. Auch der 3. Satz in diesem Schreiben ändert nichts an dieser Aussage, da er nur den ersten Satz bestätigt.

  • Richtig, oder einen Verweis auf ein Dokument, wir sind nämlich im Internet. Da kann ein "pack and go" Journalismus schnell in der Versenkung verschwinden.
    Vernetztes denken müssen wohl viele noch lernen.
    Das bringt mich auf eine Idee, mal eben eine Seite aufziehen die Politiksprech in Normalsprech übersetzt

  • Unklare Zielsetzung. Den Argumenten zufolge wieder so ein Unsinn- und Alibi-Gesetz.

    Aber auch der Artikel läßt den Leser im Unklaren. Was ist das Ziel und wie soll das Gesetz fünktionieren. Wohin geht das Geld und woher kommt es. Ist das Verfahren plausibel. Das müßte der Artikel in 5 Sätzen erläutern, damit der Leser sich ein Urteil bilden kann.

    Der praktizierte Nörgeljournalismus bringt doch keinen weiter.

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