Altersvorsorge
Deutsche meiden Betriebs- und Riester-Rente

Der Alterssicherungsbericht der Bundesregierung bestätigt: Jeder zweite Kleinverdiener sorgt nicht vor. Auch die Betriebsrente stagniert. Die zweite Säule der Alterssicherung ist in Gefahr.
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BerlinTrotz massiver staatlicher Förderung ist die Betriebsrente weit davon entfernt die ihr zugedachte Rolle als zweite Säule der deutschen Alterssicherung zu spielen. zu spielen: So verfügten Ende 2011 maximal 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten über eine Anwartschaft auf eine Betriebsrente. Dies ergibt sich aus dem aktuellen Alterssicherungsbericht der Bundesregierung, der dem Handelsblatt vorliegt.

Eine sichere Altersversorgung haben danach vor allem die  Angestellten im öffentlichen Dienst, die automatisch zusatzversichert sind, und die Mitarbeiter bei Banken und Versicherungen. Hier sind 84 Prozent Mitglied in einem der traditionellen Versorgungswerke.

Auch die Industrie zieht mit Quoten von 63 und 61 Prozent den Durchschnitt noch etwas nach oben. Besonders düster sieht es im Gastgewerbe aus, wo nur jeder Vierte einen Betriebsrentenanspruch hat.

Weit problematischer ist: Trotz massiver staatliche Förderung stagniert die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung nahezu. Seit 2005 stieg die Zahl der Anwartschaften nur noch um sieben Prozent auf 19,58 Millionen, nachdem sie in den vier Jahren davor noch um ein Viertel gewachsen war. Damit hat der 2001 durch die Einführung der steuer- und sozialabgabenfreiem Gehaltsumwandlung ausgelöste Boom nicht lange gehalten.

Auch bei den 2002 eingeführten Riester-Verträgen ist die Bilanz nicht gerade rosig. Bei einer eigens durchgeführten Befragung des Statistischen Bundesamts gaben nur 35,2 Prozent an, sie zahlten in einen Riester-Vertrag ein.

Außerdem weist der Bericht darauf hin, dass von 15,5 Millionen von der Versicherungsbranche gemeldete Riester-Verträge 18,5 Prozent nach  amtlichen Daten der Finanzaufsicht rund 18,5 Prozent der Verträge gar nicht mehr bedient werden. Außerdem bricht das Neugeschäft ein: Nur 200.000 neue Verträge wurden im ersten Halbjahr abgeschlossen - zum Vergleich: in den Vorjahren gab es jährlich rund eine Million Neuabschlüsse.

Je höher das Einkommen, desto größer die Bereitschaft zusätzlich vorzusorgen - auch diese These bestätigt der neue Alterssicherungsbericht. Die traurige Kehrseite: Rund 42 Prozent der Geringverdiener mit einem Bruttoeinkommen von weniger als 1500 Euro, haben weder Betriebsrente noch Riester-Vertrag. Das sind 4,2 Millionen Arbeitnehmer, gut zwei Drittel davon Frauen.

 

 

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  • Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass immer mehr Bürger kritisch sind und somit dem Altersvorsorge-Schwindel der Politik und der Versicherungswirtschaft nicht mehr aufsitzen. Hier meine persönlichen Erfahrungen: Ich habe, entsprechend gültigen Tarifverträgen, 1990 eine obligatorische Direktversicherung des Presseversorgungswerks abschließen müssen und seither bis 2004 in gutem Glauben zur Altersvorsorge jeden Monat auch eigene Beiträge eingezahlt, die übrigens schon einmal sozialverbeitragt sind. Damit gehöre ich nun zu den Geschädigten des von SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ausgearbeiteten und Ende 2003 vom Bundestag verabschiedeten GKV-Modernisierungsgesetzes, mit dem die Krankenkassenpflicht aus einer betrieblichen Altersvorsorge neu geregelt worden ist. Dies geschah damals heimlich, still und leise und wurde selbst vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft erst nach einigen Wochen erkannt. Bundesweit sind schätzungsweise 6 Millionen GKV-pflichtversicherte Menschen betroffen. Für sie alle gilt, dass Kapitalauszahlungen aus einer betrieblichen Lebensversicherung (Direktversicherung) auch RÜCKWIRKEND in der Krankenversicherung und Pflegeversicherung "als Versorgungsbezug" gelten und demzufolge VOLL BEITRAGSPFLICHTIG sind. Dazu komment noch der Zusatzbeitrag (0,9 Prozent zusätzlicher Beitrag für Zahnersatz und Krankengeld. Ich habe während der gesamten Einzahlungsdauer die Höchstbeiträge an die Krankenkasse entrichtet. Die klappt nun mit (aktuell) 15,5 Prozent Krankenkassen-Beitrag und 1,95 Prozent Pflegeversicherung nach. Bei der Rendite der Direktversicherung verliere ich somit von meinem verdienten Geld rund 13 Prozent. Aber welcher "Versicherungsberater" klärt schon über diese Sachlage auf?

  • @AktienWasSonst: Fakt ist: 1. Wer nichts macht,hat im Alter Probleme! 2. Wer auf Aktien setzt ( "AktienWasSonst" ) spielt mit dem Feuer. 3. Versicherungstypen sind oft besser als ihr Ruf. Komischerweise genießen diese "Versicherungstypen" z.B. in Großbritannien ein höheres Ansehen als Ärzte oder Anwälte. In Deutschland sind sie leider die Deppen der Nation. Sie müssen für die Inkompetenz der Regierung herhalten und vor alle sind sie generell die Schuldigen, wenn Peter Zwegat versagt hat und die Deutschen wieder mal mit ihrem Geld nicht umgehen können. Playstation, Sky-Abo, 3x wöchentlich Pizza-Taxi....all das ist selbstverständlich und bezahlbar. Und wenn dann keine Kohle mehr da ist, sind die Versicherungsfritzen schuld weil sie einem "was angedreht haben". Ich kann´s nicht mehr hören!!!

  • Habe meine Private Altersvorsorge auch gekündigt! Ich glaubte nämlich nicht mehr, dass ich dadurch bessergestellt werde! Das Geld wird bei den Versicherungstypen landen und wenn was übrig bleibt wird es sich der Staat holen!!! Der Kleine Sparer wird in diesem System belogen und betrogen! Ich habe kein Vertrauen zu Schäuble, Gabriel, Trittin und deren potenzienllen Nachfolgern!!!

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