Altersvorsorge: Mehr Betriebsrenten!

Altersvorsorge
Mehr Betriebsrenten!

30 Jahre lang strebten die Regierungen in Deutschland nach einer langfristig tragfähigen, finanzierbaren gesetzlichen Rente. Die Große Koalition aber probt eine Kehrtwende. Mehr betriebliche Altersversorgung wird umso dringlicher.
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DüsseldorfDurchweg alle Bundesregierungen strebten seit den späten 1980er-Jahren danach, das gesetzliche Rentensystem so aufzustellen, dass es dauerhaft tragfähig war. Die aktuelle Regierung denkt da etwas anders. Die „Rente ab 63“ und die „Mütterrente“ sind Rentengeschenke, die dazu führen, dass das gesetzlich vorgegebene Mindestsicherungsniveau wie auch die Obergrenze des Beitragssatzes früher erreicht werden. Private Vorsorge und Betriebsrente sollen das Problem eines sinkenden Niveaus der gesetzlichen Rente ausbügeln.

Vieles spricht dafür, dass die Regierung noch in diesem Jahr einen Vorstoß zur Ausweitung der betrieblichen Altersversorgung machen wird. Das wäre gut so. 

Alle Bundesregierungen der vergangenen 30 Jahre wollten ein dauerhaft tragfähiges Rentensystem, doch keine hatte bislang den Mut, über das Jahr 2030 hinauszuschauen. Und das, obwohl man sehr genau wusste, dass die Jahre danach die unter demografischen Aspekten wirklich kritische Phase sein würden. Erst ab Ende des aktuellen Jahrzehnts werden die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Der erste große Schritt, die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) „demografiefest“ zu machen, war das „Rentenreformgesetz 1992“, das eine informelle Große Koalition am 9. November 1989 beschlossen hatte. Ohne diese Reform, die zum 1. Januar 1992 in Kraft trat, hielt man eine Steigerung der Beitragssätze auf 36 bis 41 Prozent bis zum Jahr 2030 für möglich. Durch die Reform sollte der Anstieg auf unter 28 Prozent abgebremst werden. Einen Beitragssatz in dieser Größenordnung hielt man damals sowohl für beschäftigungspolitisch tragbar als auch langfristig finanzierbar.

In den folgenden Jahren zeigte sich aber, dass der wirtschaftliche Aufholprozess der neuen Bundesländer sehr viel länger dauern würde als ursprünglich gehofft. Zudem nahm im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung im Zusammenwirken mit dem Zusammenbruch des Ostblocks der Druck auf die Lohnkosten deutlich zu.

Die Folge war eine ganze Reihe weiterer Reformschritte, mit denen die als akzeptabel angesehene Beitragssatzobergrenze schrittweise zurückgenommen wurde, über 26 und 24 Prozent auf die seit 2005 im Zuge des Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetz nunmehr gesetzlich verankerten 22 Prozent bis zum Jahr 2030.

Schrittweise wurde die GRV im Interesse ihrer dauerhaften Finanzierbarkeit zu einer Art Basissicherung umgebaut. Um dennoch – in etwa – den im Erwerbsleben gewohnten Lebensstandard aufrecht erhalten zu können, sollte mit Hilfe recht generöser staatlicher Zulagen und Steuervergünstigungen die Eigenverantwortung zum Aufbau einer kapitalgedeckten Ergänzungsversorgung angeregt werden.

Kommentare zu " Altersvorsorge: Mehr Betriebsrenten!"

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  • "Riester war besser gedacht als umgesetzt" So kann man es sehen. Gedacht hatteb es viele anders. Es war vielleicht sogar der größte Fehler der SPD, dass sie sich mit "Denkern" umgab, statt mit Fachleuten, die wussten, was zu machen ist. Hier ausgerechnet den Herrn Riester seitens Herrn Rürup zu nennen, erscheint mir nicht ganz fair. Wir wissen doch mittlerweile alle, weshalb und wie die Provisionen 2geschoben" wurden.

  • Zur betrieblichen Altersvorsorge: "Pensionsverpflichtungen
    EZB-Zinspolitik bedroht Mittelstand
    Die Nullzins-Politik der EZB ist nicht nur für Lebensversicherer eine Herausforderung. Auch für Firmen wird es immer teurer, ihre Pensionszusagen einzuhalten. Ein großer Mittelstandsverband stellt eine düstere Prognose.
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/pensionsverpflichtungen-ezb-zinspolitik-bedroht-mittelstand/11501406.html"

    Mehr gibts dazu nicht zu sagen.

  • Altersvorsorge - Betriebsrente damit sich Krankenkasse + Staat wie 2004 von
    ROT- GRÜn die Sparer wieder " ausrauben" lassen ????
    Voller Krankenkassenbeitrag ca. 15%+ Pflegebeitrag 10 Jahre lang bei Auszahlung -nein so eine Verdummung darf sich nicht wiederholen!!!!

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