Alterung bleibt Problem
Ausländer gleichen Bevölkerungsrückgang aus

Die deutsche Bevölkerungszahl schrumpft, aber Ausländer gleichen das Defizit aus. Dennoch kann der Zuzug das Hauptproblem der sozialen Sicherungssysteme nicht lösen: Die Alterung der Bevölkerung. Sie ist die Ursache dafür, dass eine wachsende Zahl von Rentnern und Kranken einer sinkenden Zahl von Beitragszahlern gegenüber steht. Zuwanderung könne das Problem immerhin „abfedern“, erklärte Jürgen Dorbritz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung am Donnerstag in Wiesbaden.

HB/dpa WIESBADEN. Dank des so genannten Zuwanderungs-Überschusses blieb die Bevölkerungszahl im Jahr 2002 relativ konstant, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am selben Tag mitteilte. Im vergangenen Jahr zogen 219 000 Menschen mehr ins Bundesgebiet als ausreisten. Dafür gab es 122 000 mehr Todesfälle als Geburten. Unter dem Strich wuchs die Bevölkerung insgesamt um 0,1 % auf 82 537 000. Anhaltend hoch ist die Abwanderung von Ost nach West. Die Bevölkerungszahl in den neuen Ländern schrumpfte 2002 um 0,8 %, während sie in den alten Ländern - mit Ausnahme des Saarlands - um 0,3 % wuchs.

„Die Frage ist nicht, ob die Bevölkerung wächst oder schrumpft“, sagt Dorbritz. „Das Hauptproblem ist die Alterung der Bevölkerung“, Seit 1991 werden in der Bundesrepublik von Jahr zu Jahr weniger Kinder geboren als parallel dazu Alte sterben. Das heißt: Die Jungen werden immer weniger und die Alten immer älter. Den Höhepunkt werde die Entwicklung erst zwischen 2025 und 2035 erreichen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen, sagt Dorbritz. „Dann beginnen die wirklichen Probleme.“

Ein Ausweg aus der Falle wären mehr Kinder. „Damit die Bevölkerung nicht altert, bräuchten wir aber 2,1 Kinder pro Frau“, hat der Wissenschaftler errechnet. Der Durchschnitt liegt bei 1,4. „Eine Familienpolitik, die das bewerkstelligen könnte, ist nicht bezahlbar.“ Daher halten Bevölkerungsforscher Zuwanderung für den einzig gangbaren Ausweg. Aber auch diese Lösung hat Grenzen: „Um den Alterungsprozess zu stoppen, müssten jährlich über eine Million Menschen nach Deutschland kommen.“ Eine Größenordnung, die das Land wohl nicht verkraften könnte, wie Dorbritz glaubt.

Der Zuwanderungs-Überschuss ist vor allem Ausländern zu verdanken: 152 000 Ausländer kamen im vergangenen Jahr hinzu, bei den Deutschen war es ein Plus von 67 000. Im Vergleich zum Vorjahr reisten 2002 ein bisschen weniger Ausländer ein (656 000), darunter 71 000 Asylbewerber. Ein wenig mehr als zuvor verließen das Land wieder (504 000). 187 000 Menschen mit deutschem Pass kamen nach Deutschland (darunter 79 000 Spätaussiedler), 119 000 zogen fort.

Die Frage ist aber nicht, wie viele kommen, sondern wer. Mit Blick auf die Sozialkosten ist kurz gesagt erwünscht, wer arbeitet. Zwar stammten 80 % der Zuwanderer aus Europa, erklärte Dorbritz, aber nur ein Viertel seien EU-Bürger und damit „nahtlos in den Arbeitsmarkt integrierbar.“ Die meisten Zuwanderer stammten aus Polen, Russland und der Türkei.

Die Zuwanderung schwanke stark, berichtete Destatis-Mitarbeiter Voit. 1992 zum Beispiel kamen 782 000 mehr Menschen als gingen, 1998 reisten nur 47 000 mehr Neuzugänge ein. „Seitdem ist die Tendenz wieder steigend.“ Die Gründe liegen zum einen beim Gesetzgeber (das verschärfte Asylrecht ließ den Zuzug einbrechen) zum anderen spielen Konflikte eine große Rolle (der Balkankrieg ließ die Zahlen steigen).

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