Altkanzler Gerhard Schröder
Putins Feigenblatt

„Freund fragwürdiger Demokraten“, „politischer Opportunist“, „Gazprom-Diener“: Altkanzler Schröder gerät wegen seiner Geburtstagssause mit Putin unter heftigen Beschuss. Die SPD sieht das Treffen dagegen auch positiv.
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BerlinMit scharfer Kritik haben CDU, Grüne und FDP darauf reagiert, dass Altkanzler Gerhard Schröder mitten in der Ukraine-Krise seinen 70. Geburtstag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgefeiert hat. Die Bundesregierung reagierte schmallippig. Nur in der SPD kann man dem Treffen sogar etwas Positives abgewinnen.

Es habe „keinerlei Auftrag der Bundesregierung an den Altkanzler“ gegeben, verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen in Berlin. Schröder sei „erkennbar aus der aktiven Politik ausgeschieden“, hieß es weiter.

Schröder bekleide kein öffentliches Amt, daher könne er nicht bewerten, wer ihm zum 70. Geburtstag gratuliert. „Wichtig scheint mir hingegen, dass deutsche Gesprächspartner Präsident Putin die Sorgen und Ängste der Menschen in Bezug auf die Sicherheit in Europa erläutern“, sagte dagegen der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, Handelsblatt Online.

„Der ehemalige Bundeskanzler Schröder hat an den Regeln und Normen der Europäischen Friedensordnung mitgewirkt“, sagte Mützenich weiter. Er denke daher, dass er ein „nachhaltiges Interesse“ habe, diese Prinzipien zur Geltung zu bringen. „Wenn er dies in einem persönlichen Gespräch erläutern kann, wäre ein solcher Inhalt hilfreich“, betonte Mützenich.

Der frühere Russlandbeauftragte und heutige Vizevorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Andreas Schockenhoff, sagte „Spiegel Online": „Es ist für einen Staatsmann, der nicht mehr politisch aktiv ist, völlig unverantwortlich.“ Weiter sagte der CDU-Politiker, der seit Jahren zu den Kritikern Putins gehört: „Die Kanzlerin und der Außenminister bemühen sich seit Wochen, die Ukraine zu stabilisieren und die EU geschlossen zu halten. Putin hingegen versucht, die Ukraine zu destabilisieren und die EU auseinanderzudividieren. Bilder, wie sie jetzt auf der Geburtstagsfeier des Altkanzlers in St. Petersburg entstanden sind, spielen Putins Propaganda in die Hände - das weiß auch Herr Schröder, das hat er auch zu verantworten.“

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  • Dass der Herr Schröder in dieser Situation die Gelegenheit ergreift und mit Putin spricht ist richtig. Jedoch kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass der Herr Schröder auch nur eine Schachfigur in Putins Spiel ist, und dieser die vielzitierte "Freundschaft" nur zu seinen Gunsten nutzt: Schröder hat in Paris die OSZE ins Spiel gebracht. Tatsächlich sind OSZE-Beobachter dann auch losgeschickt worden. Der Termin für die Geburtstagsfeier wird wohl auch Putin schon seit mehreren Wochen bekannt gewesen sein, sowie die Anwesenheit der Pressevertreter. Was liegt es näher für Wladi, über "drei Ecken" die Festsetzung der Beobachter anzuordnen, die charakterlichen Eigenschaften Schröders kennend und wohl wissend dass dieser Putin um die Freilassung bitten würde, da auch dessen Glaubwürdigkeit in Sachen OSZE auf dem Spiel stehen würde. Schröder wird in meinen Augen von Putin als Spaltpilz für den Westen benutzt, auch in dieser Situation. Putins Botschaft an den Westen:"Seht her, ich spreche kurz mit Gerhard, und alles ist in kürzester Zeit gut, während ihr Politiker nicht in der Lage seid, Ergebnisse zu liefern." Ein perfides Spiel auf den Knochen der OSZE-Beobachter.

  • Ich stimme ihrem Kommentar in vollem Umfang zu.

  • Altkanzler Schröder sei Dank. Ohne seine Vermittlungsbemühungen bei Präsident Putin würden die Geiseln
    aufgrund des Geschreis der hiesigen Kriegstreiber auf Geheiß der U.S.Spekulanten noch wochenlang in Haft bleiben.Die Berliner Polit-Statisten sind Zuschauer, und versuchen uns Bürger mit Lügen und fadenscheinigen Argumenten für dumm zu verkaufen.Geben wir Ihnen die Quittung für ihre Unfähigkeit bei den Europawahlen.

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