Altkanzler
Helmut Kohl: Bush war ein Glücksfall für uns

Altbundeskanzler Helmut Kohl will zur Feier des 20. Jahrestags des Mauerfalls im Herbst wieder in die Öffentlichkeit zurückkehren. Fast ein Jahr nach seinem schweren Sturz zeigte sich Kohl in einem Interview zudem dankbar und zufrieden über den Verlauf seines Genesungsprozesses gezeigt. Er äußerte sich auch zu seiner beiden wichtigsten Weggefährten: George Bush senior und Michail Gorbatschow.

HB BERLIN. In einem am Freitag veröffentlichten Interview zu seinem 79. Geburtstag sagte Kohl der „Bild“-Zeitung: „Es geht mir Gott sei Dank schon wieder viel besser.“ Er empfinde „tiefe Dankbarkeit und Freude, dass ich das überhaupt erleben durfte, dass ich es mitgestalten durfte und - das wird ja oft vergessen - dass wir dies ohne Blutvergießen, ohne einen Schuss erreicht haben“, sagte Kohl zur deutschen Einheit. Die Bedeutung seiner beiden wichtigsten Weggefährten, der ehemaligen Präsidenten George Bush senior und Michail Gorbatschow, unterstrich er mit den Worten: „George Bush war ein Glücksfall für uns. Ihm und der Weitsicht von Michail Gorbatschow, das Rad der Geschichte nicht zurückzudrehen zu können, verdanken wir den friedlichen Weg zur Wiedervereinigung“, sagte der Alt-Kanzler.

Im Herbst will Kohl zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in die Öffentlichkeit zurückkehren, wie er in "Bild" sagte. Zuvor war bekanntgeworden, dass für den 8. Mai sein erster öffentlicher Auftritt seinem schweren Sturz im Februar 2008 geplant ist; Kohl will auf einer Veranstaltung der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung in Stuttgart sprechen und die nach dem ermordeten Arbeitgeber-Präsidenten benannten Preis für Verdienste um das freiheitliche Gemeinwesen entgegennehmen.

Bei einem Sturz in seinem Wohnhaus in Ludwigshafen hatte Kohl ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Nach dem Klinikaufenthalt schloss sich eine Reha-Behandlung an, die bis Juli 2008 dauerte. „Es ist ein Wunder, dass ich das überlebt habe“, sagte Kohl, der am Freitag 79 Jahre alt geworden ist. „Und so ist es heute mein schönstes Geschenk, dass ich diesen Geburtstag erlebe.“

Der 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November sei ein gutes Datum, wieder in die Öffentlichkeit zurückzukehren, sagte Kohl. „Bis dahin habe ich mir Schonung verordnet... Ich wäre froh, wenn ich wieder ganz auf die Beine käme. Das erfordert viel Geduld und auch viel Training.“

Der Altkanzler betonte, dass die deutsche Einheit „ohne Blutvergießen, ohne einen Schuss erreicht“ wurde. Am Tag nach dem Mauerfall sei der damalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow voller Sorge gewesen, sagte Kohl. „Von mir wollte er wissen, ob die Meldungen stimmten, dass russische Einrichtungen in der DDR gestürmt würden. Wie sich später herausgestellt hat, hatten die Hardliner in der DDR-Führung und die wichtigsten Leute vom sowjetischen KGB in Moskau ihn mit gezielten Desinformationen unter Druck gesetzt.“

Kohl fügte hinzu: „Sie wollten, dass er - wie 1953 - die Panzerdivisionen, die im Raum Ostberlin standen, herauslässt und die Mauer wieder geschlossen wird.“ Kohl berichtete, er habe versucht, Gorbatschow die Sorge zu nehmen, und ihm übermitteln lassen, dass die Menschen friedlich demonstrierten. „Er hat mir vertraut. Später habe ich erfahren, dass er auch Willy Brandt angerufen hat. Der hat ihm das Gleiche gesagt. Und so sind die russischen Panzer in ihren Kasernen geblieben."

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